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in den Jahren 1766, 1767 und 1768,
mit einer Landkarte. Aus dem Englischen
Vocbeucht
Carver Reisen erſcheinen hier ohne die ver⸗
pprochenen Zufäße, weil unvermeidliche Ge⸗ ſchaͤfte mich daran hinderten / Sie auszuarbeiten;
auch fand ich bey der Leſung des Buchs, daß ſie ſich beſſer an einem andern Orte anbringen ließen, und Car ver ohne ſie verſtaͤndlich und unterhaltend genug waͤre. Die Ueberſetzung iſt nicht von mir, allein ich kann für böre Richtigkeit einſtehen.
C. D. Ebeling, Auſſeher der Handlungsakademie in Hamburg. .
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5 1 den eden zu u Verſales 1763 ge⸗ 5 endigt war, dachte ich darauf, wie ich meinem Vaterlande, dem ich waͤhrend des Krieges einige Dienſte geleiftet hatte, noch ferner nützlich ſeyn, und ihm den großen Strich Landes, den es in Nordamerika erlangt hatte, ſo eintraͤglich machen möchte, als in meinem Vermögen ſtand. Es ſchien mir durchaus 3 nothwendig, zuerſt der Regierung eine hinrei⸗ ER Kenntniß von dem wahren Zuſtand der . Me Laͤn⸗
vn Vorrede. Laͤnder, die ihr eben abgetreten waren, zu verſchaffen. Ich entſchloß mich daher, als den beſten Beweis meines Eifers, die unbe⸗ | kannteſten Theile davon zu unterſuchen, und keine Mühe und Unkoſten zu fparen, um eine Einſicht zu erlangen, die meinen Landsleuten ſo vortheilhaft werden konnte. Ich ſah vor⸗ her, daß der Mangel von guten Karten meis nem Vorhaben große Hinderniſſe in den Weg legen wuͤrde; denn die Franzoſen hatten ſo : lange, als ſie die Obermacht in Nordamerika ' behielten 1 fi. alle erfinnliche Mühe gegeben, | fremde Nationen, hauptſaͤchlich die Englaͤn⸗ | der, in einer völligen Unwiſſenheit von allem, 1 5 was das i innere des Landes betraf, zu erhal⸗ . ten. Um ihre Abſicht deſto ſicherer zu erlan⸗ 5 gen, gaben ſie fehlerhafte Karten und falſche N Nachrichten heraus; und benannten die ver⸗ ſchiednen indifchen Bölferfihaften nach Bey⸗ 5
Vorrede. vir nahmen, die ſie ihnen gegeben hatten, und nicht nach ihren wuͤrklichen. | Ich weiß nicht, a ob die Franzoſen dieſe Beynahmen erfanden, 1 um zu verhindern, daß dieſe Volkerſchaften . nicht entdeckt werden möchten. und um ſie von
aller Handlung mit andern Europaͤern auszu⸗ g ſchlisſen, oder ob es blos geschah, um ſich nicht zu verrathen, wenn ſie mit einander uͤber undiſche Angelegenheiten in Gegenwart von .
Indiern ſprachen. Aber die Urſache dieſer ey
| Gewohnheit ſey auch, welche fie wolle, . 1 45 u nr andre zu verwirren. |
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su Beneik, wie ie ſehr ip dee Engländer | durch dieſe Nachrichten hintergehn fieffen ‚und wie eingeſchräͤnkt ihre Kenntniß von Canada war, fo hielten fie Crownpoint vor der Ero⸗ 5 berung im Jahre 1759 für. eine unüͤberwind⸗ 11 deu Und kaum war es übergegan⸗ er 4 nn,
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den e ee die feine * 1 Be⸗ u ſitzer davon ausgeſprengt hatten, beſtand, und in daß etliche Vierpfuͤnder es leicht hätten in den Grund ſchieſſen koͤnnen. Selbſt nicht in⸗ mahl die Vortheile 0 die man von ſeiner Lage erwartete waren gegruͤndet. Zwar ſind ei⸗ nige Landkarten von dieſen Gegenden von den Franzoſen mit einem Anſchein von Genauig⸗
keit herausgegeben; allein ſie ſind nach einem ſo verjüngten Maaßſtabe gemacht, daß man 5 ſich faſt gar nicht daraus finde Die Quellen des M A iippi find, nach meiner eignen | Erfahrung, uſſerſt unrichtig angegeben; denn wie ich ſie unterſucht hatte, und ihre wahre
= Lage mit den franzöfifchen Karten verglich,
| ſeo ward ich überzeugt, daß dieſe nur nach ei⸗ ber rohen indiſchen Skitze gemacht waren.
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* Noch als ſie Canada raͤumten, ſetzten ſie
ihren Plan zu hintergehn fort, und lieſſen 1
nicht die geringſten Spuren zuruͤck, woraus
ihre Ueberwinder Unterricht Hätten ziehn koͤn⸗ nen; denn ungeachtet ſie alle Seen ſehr! sut
1 kannten, und auf den Obere ſelbſt ein Fahr⸗ | zeug von beträchtlicher © roße beftändig hiel⸗ |
„ f find doch ihre Karten davon ſehr un- \
ten,
bi richtig Ich entdeckte viele Irrthümer in den w
Def preißungen! der Inseln und Buchten deſſel⸗
ben auf e. einer Strecke von eiff hundert Meilen, N die ich in Kancen laͤngſt den Küften ſchi te. Sie ſorgten ferner dafür, die Pläse a welche denten Ms bre Heise in eben en |
nS bel d. von
0 einem sun — on das bis ae Waſſer Dam > u > —
Vorrede.
abgebrannt war, grade wo ſich die € von St. Marie in den See ofnet.
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Jedoch waren dieſe Schwierigkeiten nicht hinreichend, mich von meiner Reiſe abzu⸗ ſchrecken. Mein Hauptaugenmerk war, wenn ich die Olten, Gebräuche, Sprachen, den 8 Boden und die natürlichen Produkte des Ge⸗ bietes der Volkerſchaften, die hinten am Miſſi⸗ ſippi wohnen, erlangt habe wuͤrde, die wahre f Brkeeite des ungeheuren feſten Landes, das fich von dem großen Weltmeere bis an die Suͤdſee erſtreckt, in ſeiner größten Ausdehnung zwi⸗ ſchen dem drey und vierzigſten und ſechs und vierzigſten Grade n Breite, zu beſtim⸗
0 men. V Waͤre ich im Stande geweſen, dies Wohiben auszuführen, fo wuͤrde ich der Re⸗ gierung vorgeſchlagen haben, irgendwo an der Straße Anian einen Poſten anlegen zu laſſen, |
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die unſtreitig d den Englaͤndern geßte, da Sie 1 Duale ſie zuerſt entdeckte. Dieſer Poſten wuͤrde die Entdeckung einer nordweſt⸗ “ lichen Durchfahrt, oder einer Gemeinſchaft zwi⸗ 0 ſchen dem Hudſonsmeerbuſen und der Süͤdſee ſehr erleich tern; eine wuͤnſchenswehrte € Entdek⸗ kur g/ der man zwar ſchon oft, aber bisher noch immer ohne Erfolg nachgetrachtet hat. Noch auſſer dieſem wichtigen Endzwecke wuͤrde eine
iederlaſſung an dem Ende von Amerika noch
in ve ſchiednen andern Stuͤcken ſehr vortheil⸗ haft ſeyn, und alle Unkoſten, ie ſie verur⸗ ſachen koͤnnte, reichlich bezahlen. 4 würden nicht allein viele neue Handlungszweige erwachſen, und viele nuͤtliche Entde ungen befördert werden, ſondern ſie wüͤrde auch dazu dienen, Nachrichten nach Sſina und den eng⸗ 5 lischen Befisungen in Oſtindien mit weit größe⸗ | eſchw en ſchicke, als es a einer lang⸗
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Durch ſie -
langwierigen Schiffahrt um das Vorgebuͤrge der guten Hofnung, oder en die bana ach. e gen kann.
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9 Wie * as e * e, ſol⸗ chen Unternehmen erſtrecken konnen, koͤmmt blos auf die Verbindung guͤnſtiger Umſtaͤnde in der Zukunft an. Aber daran zweifle ich gar nicht, daß dies Projekt, das ich zuerſt vor⸗ zuſchlagen und zu verſuchen gewagt habe, ir⸗ gend einmal wird in Ausfuͤhrung gebracht wer⸗ | den. Zwar f werden die unglücklichen Uneinig⸗ 7 keiten, die jetzt zwiſchen Grosbritannien und Amerika herrſchen, einen zweyten Verſuch | wohl noch etliche Jahre verzögern, aber wie ſpaͤt es auch geſchieht, fo werden doch dieje⸗ nigen, die ihn gehoͤrig durchſetzen, auſſer dem g allgemeinen Nutzen der ganzen Nation, ‚ für: ſich . Vortheile daraus ziehn, die
ihre
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vefeurigftenErwartungen übertref en muͤſſen. Und bey ihrer Froͤhligkeit über dies ihr Glück 5 we den ſie dann vielleicht auch Dank ur d Se⸗ gen uͤber den ausſchuͤtten, der ihnen zuerſt den b ue 150 bahnte „und ich werde nr mit dem
; 1b Sufande Gesang en 0 0 Sede wird, kann blos die Zeit entdecken. Allein 1 da der Sitz der Herrſchaft feit undenklichen gei⸗ 5 ten ſich allmählig immer weiter nach Weſten 5 errückt t hat, ; 8 iſt es ſehr wahrſcheinlich, 8 irgend in einer kuͤnftigen Periode, maͤchtige | 4 | Reiche aus dieſen Wildniſſen entſtehn, und prächtige: e, nebſt fi — Tempeln, 5 . an
an die Stelle bier Hütten kommen n erden, N deren einziger Zierath jetzt in den barbariſchen | Ersayiän von e ee —
2 1 . Leſer ſchon aus verſchiednen Stel⸗ len im Vorhergehenden geſehn haben, daß mein Entwurf, bis an die Suͤdſee durchzudringen, mislang „ ſo muß ich noch hinzuſetzen, daß daran nicht die Unmoͤglichkeit der Sache ſelbſt,
0 ſondern undermuthete Hinderniſſe Schuld wa⸗ ren; denn je weiter ich kam, deſto mehr ward 0 ich von der Möglichkeit überzeugt, meinen 4 sunfeh erfüllt zu ſehn. Ich kam aber doch ſo weit, daß meine Entdeckungen zu einem kuͤnf⸗ tigen Verſuche ſehr nuͤtzlic ſeyn, und einem glücklicher Nachfolger zu einer guten G Grund⸗
lage dienen koͤnnen, ſein Unternehmen darauf | bauen. ee Entdeckungen werde ich jetzt dem
75 weißen davon bisher an von keinen, der vo . den einlaͤndiſchen Voͤlkerſchaften der Indier ge⸗ | ſchrieben hat, ſind angefühet worden; vorzuͤg⸗
lich e 4 0 von den enen rn,
EN) en, — elie l Meilen len v ander f N ittelpunkte des großen feften Landes ee t gen; dem Biufe an der ſch inden Hud⸗ | de m Fluſſe St. Lorenz;
der — | 15 und a EM je Oregan, oder
f dem Weſtfluſe, d „de bey der Straße Annan in 7 “dee lt.
| . Die Simemife, 15 die RR zwange , zuruͤck⸗ in ji zukehren, ohne meine Abſicht erreicht zu haben, waren folgende. Bey meiner Ankunft zu neues dem entfernteſten eiglifchen |
05 | I Poſten,
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verſprach mir, die uͤbrigen nach dem
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kogers, der damahls Befehlshaber davon war, und erſuchte ihn, mir verſchiedne Arten von Waa⸗ ren zu Geſchenken fuͤr die Indier, welche ich zuf mein er Reiſerute antreffen wuͤrde, zu ver; ; Kaffe. Allein er that es nur zum Theil, und Dit aſſer⸗ | falle von St. Anton nachzuſchicken. Ich er⸗ fuhr nachher „daß er befohlen hatte mir die Waaren auszuliefern, allein d diejenigen, denen
Poſten, wandte ich mich an Heren N
fe anvertraut w waren, fanden es für gut, an⸗ | ſtatt ſeinen Befehlen zu schonen, ande des fügungen darüber zu treffen.
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Ich ſah . daher von dieſer Seite in mei⸗ artungen betrogen, und gezwungen,
nach la Prairie des chiens zuruck zu kehren, da es unmöglich war, ohne Geſchenke, wodurch
* mir eine guͤnſtige Aufnahme verſchaffen konnte,
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iR Vorrede. dnn nie, weite r zu gehn. 800 erreichte es im Aufa ige des Jahres 17675 und da ich meine R iſe auf dieſe Art gegen Weſten verzögert nr . n er wer meinen ee
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z wiſchen aden dull d des Hehe ee und den , Düne m A und um die e ee
ahr dem ech Kagepfähe Be an der N ordweſr
5 ſeite dieſes Sees kommen, anzutreffen. Ich | | dachte von ihnen Waar ren einzukaufen, „ und dann mei le Reife auf dieſer Seite uͤber die | Seen la PI ute a Dubois und Uinipiek bis an die Quellen des 2 geſtfluſſes fortzuſetzen, 2 der, wie ich vorhin geſagt habe, in die Straße von St. Aunian fällt. Ich erteichte den erſten Theil meiner Abſicht, und kam beym Oberſee = sepbrigen Bun an, allein ich erfuhr zu
. meinem 16
iii! Borsee
meinem großen Leidweſen von de leuten, daß ſie keine W̃ 1a re für mich uͤber hatten, da die, welche ſie mitgebracht hatten, | kaum hinreichend waren, ihre eignen Beduͤrf⸗ niſſe in dieſen entfernten Gegenden zu beſtrei⸗ ten. Ich ward alſo zum zweytenmahle in mei⸗ ner Hofnung betrogen, und genoͤthigt, nad dem Orte, wovon ich zuerſt ausreiſte, zurück zu kehren. Doch verweilte ich vorher "0 t | liche Monathe an der nordlichen und oſtlichen Seite des Oberſees 5 und PER die 5 wogen und Fluͤſſe, / die LE in denselben —
en. Handels⸗ 5
1 et se - 15 Bellach wrd man von mir erwarten,
. Por ich dem? hzublikum meine Gruͤnde vorlege, warum ich dieſe Entdeckungen, die einem jeden, der mit Amerika i in der geringſten Verbindung e
ſteht, ſo wichtig u bisher noch nicht bekannt 1 | gemacht
nigfic hen Nathe eine B ittſcht um Erſetzung d der € Summen: 10 im Dier an der Regieru ng aufge ge⸗
8 Si egen. an die Lords
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di dame Me. Beft
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1 XX Vorrede. 1 ) waͤrtigen ſich endigte. Als ſie bc war,
fragte ich, was ich mit meinen Papieren an⸗ fangen ſollte, und der erſte ord antwortete mir unverzüglich, ich ke
oͤnnte fie bekannt ma⸗
chen, wenn es mir geſiele. 8 ieſer Erlaubniß zufolge verkaufte ich ſie an einen Buchhändler,
aber wie fie beynahe zum Drucke fertig waren, 0 erh pe eo. einen 2 Wan an die P
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cher ah. bande g J apiere, die 1 — m in t EN Entdeeku ingen bezoͤgen, einzuliefern. Um die⸗ ſem Befehle zu gehorchen, m ißte ich ſie von 25 ee mit großen Unfoften zuruͤck kauf be ſuchte ich den n b a . die e ich fen übe geben hatte, a anzuhaͤngen; allein meine Forderung ward mir abgeſchlagen, ungeachtet ich von der Hand⸗ N lungskammer Erlaubniß erhalten hatte, mit
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meinen Papieren anzufangen, was mir ge⸗ Kup | file.
i Bier 8 oh ich daher Soma eee. 00 die Großmuth des S Brain „ dem ich jet meine 2 Zach
vie ich er ie Qriginale,an d die Planta amt ner überlieferte. Und dies thue ich
um m ſo viel lieber, | da ich Bis 8 Pr nahe
| a die mit den buen ol N 19 Rordamenia wegen ihrer nahen wegen ihrer Handlung irgend in Verbindu 19 ſtehn, werden fie auf erſt nuͤtzlich ſeyn und ihre A usgabe für mein Buch reich⸗ „ „% lich
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lich bezahlen. Denen aber, die aus e fer o- benswürdigen? Aae „ mit den Sitten und Gebrluche Nen e ee e
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0 ah eine Sew, die bisher noch faſt + ea ver . e 3 zum
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Erwartun vic ſchmelce . mi, daß fe vom tem überhaupt ebe 1f0 düuſig werden aufgenommen werden, als eſchreibungen von Inſeln, die durch nichts, sehe gefallen koͤnnen; und als e die unſerm Vaterlande we⸗ nig Vortheile zu verſprechen ſcheinen, N a tet ſie es ungeheure Summen koſten. ge 2
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ich und
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um das folgende Werk ſo verſt
aan zu kan) ; * es mir möglich Ä iſt,
| Landes anführen. 2
5 te Karte verweiſe/ und alsdenn, ſo wie ich
geben „ wodurch fie 0 € St | 1 . 5 en, mir zu folgen, wenn ich fie ne eee “ 5
we i er gehe, die Anzahl der Einwohner, * Lage der Flüſſe und Seen und? We des darauf w werde ) | ich K
5 ſondern Kapitteln von den Sitten, Geseäucen 5 i und Sprachen der Indier handeln und um
das Ganze vollſtaͤndig zu machen, ein Ver⸗
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| zeichniß von den unter ihnen am haufen ö
vorkommenden I oͤrtern be 5 ut Jen. “ 925 a) 5 >
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er finde es mas, den n geehrten Theil meiner Leſer um Nachſicht gegen einen
Mann zu erſuchen, dem es ſein Beruf nicht | erlaubt, ſich viele litteräͤriſche Kenntniſſe zu waben Ich bei ihn bitten, mein Werk 5
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mit keinem zu kritiſchen Auge atzuſchn, vor⸗ welch da ee auf ſah, eine genaue
85 11 g ed Beſtze nerſck hopfliche Reich⸗
; Güte verſpricht, als mich einer guten Schreib⸗ art zu befleiſſigen; und mehr bemüht war, mich verſ aͤndlich und genau auszudrücken, als geblümt und ſchön zu schreiben.
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Ru etagebuch | nebſt | Beſchreib ung 0 ider 7 Seen, 2 u. ſ. w.
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1 Ju Junius 1766 reiſte ich von Boſton ab, )
und gieng über Albany und Niagara nach
Miſchillimackinae, einem Fort, das zwiſchen den Seen Huron und Miſchigan liegt, und von Boſton etwa dreizehnhundert Meilen entfernt if. Da dies die aͤuſſerſte von unſern Faktoreien gegen NPiordweſten iſt, fo ſah ich es als den bequemſten Ort an, wovon ich mein Unternehmen anfangen, und auf einmahl in die Gegenden kommen We Oi ich unterſuchen wollte. N |
Ich muß meine Leſer wegen der Theile von Nordamerika, die nahe an den aͤuſſern Pflanzun⸗ gen liegen, und daher bekannt genug ſind, auf ‚ältere Beſchreibungen verweiſen, und werde mich | blos auf die Beſchreibung der innern Theile eins ſchraͤnken, die ſelten beſucht werden, und folglich auch nur wenig bekannt ſeyn koͤnnen Ich werde Carvers Reiſen. 1 dabey
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| 8 die Ale 99 5 Wahrheit! nie überſchreiten, und alle unnuͤtzen und ausſchweifenden Vergröſſe⸗ rungen ſorgfaͤltig vermeiden, denen andre Reiſende nur zu oft ergeben ſind, um die Neugierde des Publikums deſto mehr zu erregen, oder ein groͤſſe⸗ res Anſehn von Wichtigkeit zu erlangen. Auch werde ich keine Beobachtungen anführen, als ſolche, die ich ſelbſt machte, oder die mir von glaubwuͤr⸗ digen Leuten mitgetheilt wurden, und fuͤr deren Wahrheit ich folglich ſtehn kann. a
Miſchillimackinae, von wo aus ich meine Reiſe antrat, iſt ein Fort, das aus einem ſtarken Stack⸗ werk beſteht, und gewöhnlich eine Beſatzung von hundert Mann hat. Es ſind dreißig Haͤuſer darin, wovon eins dem Kommendanten „und eins dem Kommiſſaͤr gehoͤrt. Auſſerdem wohnen etliche Han⸗ delsleute innerhalb der Feſtungswerke, da die Lage zum Handel mit den benachbarten Voͤlkerſchaften ſehr bequem iſt. Miſchillimackinae bedeutet in der Sprache der Tſchipiwaͤer eine Schildkröte, und der Ort ſoll ſeinen Nahmen von einer Inſel erhalten
haben, die ſechs bis ſieben Meilen nordoſtlich im 15 Geſicht vom Fort liegt, und die Geſtalt dieſes Thieres Dali
Waͤhrend des indiſchen Krieges, der auf die
Eroberung von Ranakeı 1763 folgte, und von einem
einem Here e enen Nationen, der Hu⸗ ronen, Miamier, Tſchipiwaͤer, Ottowaer, Pon⸗ towattimier, Miff iſager und etlicher andrer Staͤm⸗ me, unter der Anfuͤhrung des Pontiac / eines beruͤhmten indifchen Kriegers, und beſtaͤndigen Freundes der Franzoſen geführt ward, gieng es auf folgende Art durch einen Ueberfall uͤber. Als die Indier ihren Plan gemacht hatten ſo naͤher⸗ | ten fie ſich dem Forte, und fingen an Ball zu ſchla⸗ gen, ein Zeitvertreib, der bey ihnen ſehr gewoͤhn⸗ lich iſt. In der Hitze ihres Spiels, wobey etliche engliſche Offiziere ohne den geringſten Verdacht zuſahen, ſchlugen ſie den Ball, als von ungefaͤhr, verſchiednemahl uͤber das Stackwerk, bis ſie da⸗ durch der Schildwache am Suͤdchore allen Verdacht benommen hatten; worauf auf einmahl ein Trupp von ihnen bineindrang, dem die uͤbrigen bald folg⸗ Me und das Fort ohne Widerſtand in Beſitz nah⸗ | Da die Indier ihren Entwurf auf eine fo lache Art ausgeführt hatten, ſo waren ſie noch ſo menſchlich, dem größten Theile der Beſatzung und Handelsleute das Leben zu ſchenken, allein ſie fuͤhr⸗ N ten fie alle als Kriegsgefangne mit ſich weg. Doch bald nachher brachten ſie ſie nach Montreal, wo ſie zu einem hohen Preiſe losgekauft wurden. Auch | das Fort ward i im naͤchſten Jahre bey dem Friedens⸗ A 2 ſchluſſe
\ | | N 4 5 5 ee ſchluſſe zwiſchen Pontiae und dem Kommendanten von Detroit den Englaͤndern wieder eingeräumt. | Nachdem ich die nothwendigen Anſtalten zu meiner Reiſe gemacht, und verſchiedne Kreditbriefe vom Kommendanten, Herrn Rogers, auf etliche engliſche und kanadiſche Kaufleute erhalten hatte, die am Miſſiſippi handeln wollten, ſo reiſte ich den dritten September in Geſellſchaft dieſer Kaufleute ab. Auſſer den Kreditbriefen verſprach mir Herr Rogers noch, mir einen friſchen Vorrath von Waa⸗ ren nachzuſchicken, wenn ich an die Waſſerfaͤlle von | St. Anton kommen wuͤrde, und ſo lange ich mich bey den Kaufleuten aufhielt, ſollten ſie mich ſei⸗ nem Befehle zufolge mit ſoſchen Waaren verſehen, a als ich zu Geſchenken für d die indſ ſchen Dberhäupter brauchen würde. Wir kamen zuſammen den achtzehnten zu Fort la Bay an. Dies Fort liegt an dem ſuͤdlichen Ende einer Bucht im See Miſchigan, die die Franzoſen baye des puants (Bucht der Stinkenden) nannten; aber ſeitdem die Englaͤnder im Beſitz aller Nieder laſſungen in dieſem Theile des feſten Landes ſind, heißt ſie die gruͤne Bucht, und dieſen Nahmen hat ſie von dem Anblicke, den ſie macht. Denn wenn man im Fruͤhlinge von Miſchillimackinae abreiſt, | und dort die Bäume kaum anfangen Knoſpen zu treiben,
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Be | e treiben, ſo ſieht man doch die Gegend um dieſe Bucht herum, ungeachtet die Fahrt nicht uͤber vierzehn Tage dauert, ſchon mit dem fihönften Gruͤn bedeckt, und das ganze Pflanzenreich uͤber⸗ haupt in einem ſo ee ; als wenn | es Sommer wäre. Auch dies Fort iſt nur mit einem Stackwerk umgeben, und ſo verfallen, daß es ſich kaum gegen kleines Gewehr halten kann. Die Franzoſen bauten es zur Bedeckung ihres Handels einige Zeit vor⸗ her, als ſie gendthiget wurden, es zu verlaſſen, und wie Kanada mit allem Zubehör an die Englaͤn⸗ | der übe rgeben ward, fo kam ein Offizier mit dreißig Mann zur Beſatzung hieher, die bald darauf von den Menomoniern, nach dem Ueberfalle von Mi⸗ ſchillimackinac, zu Gefangnen gemacht wurden. Seit der Zeit hat das Fort keine Beſatzung weiter 1 gehabt, und verfaͤllt jetzt gänzlich.
Die Bucht iſt ungefähr neunzig Meilen lang, aber ihre Breite iſt ſehr verſchieden, da ſie an ei⸗ nigen Stellen blos funfzehn und an andern zwan⸗ zig bis dreißig Meilen betraͤgt. Sie erſtreckt ſich | faſt völlig von Nordoſten nach Suͤdweſten. Bey dem Eingange vom See liegt eine Kette von In⸗ ſeln, die von Norden nach Suͤden laͤuft, und die Grand Traverfe (große Blende) heißt. Sie iſt un⸗ f | A 3 geſaͤhr
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gefaͤhr dreißig Meilen lang, und erleichtert die Fahrt mit Kanoen ſehr, da fie vor den Winden bedeckt iſt, die oft mit großer Heftigkeit uͤber den See her wehen. An der Seite, die nach Suͤdoſten liegt, iſt die Schiffahrt am naͤchſten und ſicherſten. Die Inſeln der Grand Traverſe ſind meiſten⸗ theils klein und felſicht. Die meiſten von den Fel⸗ ſen ſind von einer erſtaunlichen Hoͤhe, und haben das Anſehen, als wenn ſie von Kuͤnſtlerhaͤnden ge⸗ macht waͤren. Auf der größten und beften von dieſen Inſeln ſteht eine Stadt der Ottowaer, worinn ich einen von den vornehmſten Oberhaͤup⸗ tern dieſer Nation antraf, der mich mit allen Ehren⸗ bezeugungen, die er einem Fremden erzeigen konnte, aufnahm. Allein die Art, mit der man mich bey meiner Landung empſieng, kam mir damahls ſehr wunderbar vor, und ein jeder wird ſie dafuͤr halten, der mit den Gebraͤuchen der Indier nicht bekannt iſt. Wie unfte Kanoen ſich dem Ufer naͤherten, und wir noch ungefähr ſechzig Ruten 9 davon entfernt waren, ſo fiengen die Indier ein Freu⸗ denfeuer an, wobey ſie aber mit Kugeln geladene Gewehre abſchoſſen, aber doch fü „daß fie immer etliche Ellen hoch uͤber unſre Köpfe wegflogen. . Während dieſes Freudenfeuers liefen ſie von einem 1 Baume
) Eine Rute hat 16% englifche Fuß.
Baume oder Stumpfe zum andern, und jauchzten
und betrugen ſich überhaupt, als wenn fie in der Hitze des Treffens wären. Ich erſtaunte anfäng⸗ lich nicht wenig darüber, und befahl meinen Leuten, wieder auf ſie zu ſeuren, weil ich glaubte, daß fie, feindſelige Geſinnungen hegten; allein etliche von den Handelsleuten belehrten mich eines beſſern, und ſagten mir, daß ſie auf dieſe Art gewöhnlich die Haͤupter andrer Volkerſchaften empfiengen; und ſo ließ ich mir die Achtung, welche ſie mir be
zeugten, recht gerne gefa lien.
Ich blieb hier eine Nacht. Unter den Geſchen ken, die ich den Oberhaͤuptern machte, waren ei⸗ nige geiſtige Getraͤnke, die ſie ſo aufmunterten, daß ſie faſt die ganze Nacht mit einander durch⸗ tanzten. Am Morgen bey meiner Abfahrt beglei⸗ tete mich ihr Oberhaupt bis ans Ufer, und fieng, ſo bald ich mich eingeſchifft hatte, mit großer Feier⸗ lichkeit ein lautes Gebet fuͤr mich an. Er betete, daß der große Geiſt mir eine gluͤckliche Reiſe, und bey Tage einen unumwoͤlkten Himmel und ein 15 ruhiges Waſſer verleihen wollte, daß ich mich des Nachts auf einer Decke von Bieberfellen niederle⸗ gen, eines ununterbrochenen Schlafs und fröͤhli⸗ cher Träume genießen, und endlich beſtaͤndigen a An unter der großen Pfeiffe des Friedens finden
0 | a moͤch⸗
med * Auf dieſe Art fuhr er fort zu beten, bis ö
ich ihn nicht weiter hoͤren konnte.
So ſchreckliche Begriffe, als ſich die Europe von der Grauſamkeit der Wilden auch machen, ſo muß ich doch geſtehn, daß ich bey jedem Stamme von ihnen in dem i innern Theile des Landes die gaſt⸗ freieſte und höflichfte Begegnung angetroffen habe; und ich bin überzeugt, daß fie dieſe gute Auffuͤh⸗
rung gegen Fremde nicht verliehren, bis ſie durch
das Beyſpiel und die geiſtigen Getraͤnke ihrer ver⸗
feinerten Nachbarn angeſteckt werden. Ihr ein⸗
gewurzelter Haß und ihre Grauſamkeit gegen ihre Feinde, ſchaden zwar der guten Meinung, die ich
gern von ihnen hegen moͤchte, ſehr viel, allein die⸗
ſer Fehler iſt ihnen angeerbt, und da er durch un⸗ denkliche Gewohnheit gewiſſermaßen geheiligt iſt, ſo hat er in ihrer Seele zu tiefe Wurzel gefaßt, als daß man hoffen duͤrfte, 95 je ausrotten zu koͤnnen.
Ich as bey dieſem Volke eine ganze beſondre Art
Brodt. Die Indier halten überhaupt wenig auf
dieſe nahrhafte Speiſe; allein hier ſchuͤtteln ſie die | Körner, wenn das Getreide, wie fie es nennen, in ſeiner Milch ſteht, das heißt, wenn es eben reif werden will, aus der Aehre, und kneten ſie in einen Teig, wozu der darinn enthaltene Saft,
ohne
mr wm̃à4 TT— ]%— X ̃ͤ˙ r nn tus ne teen At -
; Kin irgend einen Zuſat v von einer andern flüffigen Materie, hinreichend iſt. Wenn dies geſchehen Be iſt, fo machen fie Kuchen daraus, ſchlagen ſie in Blaͤtter vom Baß oder weiſſem Holzbaume, und
legen ſie in heiſſe Aſche, wo ſie bald backen. Was
den Geſchmack dieſer Kuchen betrifft, ſo muß ich geſtehn, daß ich nie ſchoͤner Brodt gegeſſen habe.
Der Ort beſteht blos aus einem Dorfe von uns
gefahr fünf und zwanzig Haͤuſern und ſiebenzig
Kriegern. Sonſt fand ich hier nichts Merkwuͤrdiges.
Das Land auf der Suͤdoſtſeite der grünen Bucht iſt nur ſchlecht und dicht mit Schierlingstannen, 5
Canadiſchen und gemeinen Fichten bewachſen. Man glaubte ſonſt, daß die Fahrt aus dem See Miſchigan in die gruͤne Bucht fuͤr keine größere Fahrzeuge als Boote und Kanoen wegen der ſeich⸗ ten Stellen zwiſchen den Inſeln der großen Tra⸗
verſe thunlich waͤre; allein wie ich die Tiefe mit dem Sothe unterſuchte, fo fand ich fie für Schiffe von ſechszig Tonnen hinreichend, und eine verbältnfß |
| 2 ſige Breite der Durchfahrt. a
Das Land, das an das Ende dieſer Bucht ftößt, 1 19 5 * und uͤberhaupt ſo eben, daß man eine
759 Hemlock fir. Abies e foliis Kadsritihs ob⸗
tuſiuſeulis bifariam verſis conis ſubrotundis. Mil- ler's Gardener’s dictionary Art. Abies Nro. 6.
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eine eue mee und ner Ausſicht dar⸗
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In dem Forte, das an der Weſtſeite des Fuchs⸗ fluſſes liegt, wohnen einige Familien, und gegen demſelben über auf der Oſtſeite des Einganges giebt es einige franzoͤſiſche Koloniſten, die das Land bauen, , und ziemlich ertraͤglich zu leben ſcheinen.
Die gruͤne Bucht oder die Bucht der Stinken⸗
den, gehört zu den Stellen, denen die Franzoſen,
wie ich in der Einleitung anfuͤhrte, Beynahmen
gaben. Die Indier, die um ſie herum wohnen, nennen ſie Menomonierbucht, wovon aber der fran⸗
zoͤſiſche Nahme herruͤhre, kann ich nicht ausfuͤn⸗
dig machen. Sie ſagen, daß ſie dieſe Beynahmen
den zu werden. Denn die erſten Handelsleute be; merkten, daß, wenn ſie mit einander von ihnen re⸗ deten, und ſie bey ihrem wahren Nahmen nannten,
ſie gleich daruͤber Verdacht ſchoͤpften, und glaub⸗ ten, daß die Fremden entweder uͤbel von ihnen
ſpraͤchen, oder ihren Untergang vorhaͤtten. Die⸗
ſem auszuweichen gaben ſie ihnen fremde Nahmen. .
Allein es entſteht bieraus der Nachtheil, daß engiſche und Ramzöſſche Erdbeſchreiber auf ihren 1
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| nicht einfuͤhrten, um Fremde zu bintergehen, ſon⸗ dern blos um mit einander i in Gegenwart von In⸗ diern ſprechen zu koͤnnen, ohne von ihnen verſtan⸗
Karten von den i innern Theilen von Amerika e einer: ley Völkerſchaften verſchiedne Nahmen geben, und dadurch diejenigen verwirren, die Sn Ya ſoche Karten beziehn muͤſſen. 4 |
Der See Miſchigan, wovon die grüne Bucht ein Theil iſt, wird von dem See Huron durch die Straße von Miſchillimackinae auf der Nordoſtſeite getrennt; und liegt zwiſchen zwey und vierzig und ſechs und vierzig Graden Norderbreite, und zwi⸗ ſchen vier und achtzig und ſieben und achtzig Gra⸗ den weſtlicher Länge. Seine größte Lange beträgt zwey bundert und achtzig und ſeine Breite etwa | vierzig im Umfange aber beynahe ſechshundert Meilen. Es giebt darin eine merkwuͤrdige Kette von kleinen Inſeln, „die ſich gegen Askins Meier⸗ hofe über anfängt, und dreißig Meilen ſuͤdweſtwaͤrts in die See vorlaͤuft. Man nennt ſie die Bieber⸗ inſeln. Ihre Lage iſt ſehr anmuthig, allein der Boden iſt unfruchtbar. Doch geben fie einen asche | ſchonen Anblick.
An der nordweſtichen Seite theilt ſich dieſer See i in zwey Arme oder? Buchten „wovon die nord⸗ liche die Bucht der Noketter genannt wird, und 1 die andre, welche die göen Sefniekenegeine Bude u
Das
Das Waſſer in dieſem und den uͤbrigen großen Seen iſt rein und geſund, und ihre Tiefe iſt fuͤr große Schiffe hinreichend. Die Haͤlfte des Landes, das gegen Oſten liegt und ſich bis an den See Hu⸗ ron erſtreckt, gehört den Ottowaern; die Linie, welche ihr Gebiet von den Dſchipiwäernt trennt, läuft faſt von Norden nach Suͤden, und erſtreckt ſich bey⸗ nahe von dem füdfichen Ende dieſes Sees, uͤber N die Gebuͤrge, nach Miſchillimackinac, durch deſſen Mittelpunkt ſie geht. So daß, wenn diefe beyden Staͤmme auf der Faktorey zuſammen kommen, eine jede auf ihrem eignen Gebiete, in einer Entfernung von einigen Ellen vom Stackwerke, ihr Lager auf⸗ ſchlaͤgt; die Gegend an der oͤſtlichen und weſtlichen Seite dieſes Sees iſt nur von mittelmaͤſſiger Gute, ausgenommen wo kleine Baͤche oder Fluͤſſe in ihm fallen, an deren Ufer fie ungemein fruchtbar iſt. Nahe am Ufer des Sees giebt es eine Menge Sand⸗ kirſchen, ) die ſowohl wegen ihrer Art zu wachſen, als wegen ihres vorzuͤglichen Geruches merkwuͤrdig ſind. Sie wachſen auf einem niedrigen etwa vier Fuß hohen Strauche „deſſen Zweige ſo damit be⸗ en, 15 man e haufenweiſe auf dem Sande | antrifft.
*) Eine Art vom Ceraſus Canadenſis foliis lanceolatis glabris, integerrimis, ſubtus caefiis, ramis patulir. Miller Art. Ceraſus Nro. 5.
FR 13 antrifft. Da fie blos im Sande wachſen, deſſen Waͤrme vermuthlich viel dazu beytraͤgt, ſie zu fol cher Vollkommenheit zu bringen, ſo werden ſie von den Franzoſen ceriſes de ſable, Sandkirſchen, genannt. Sie ſind nicht größer, als eine kleine Flintenkugel, aber man halt fie zum Einmachen i in Brandtewein beſſer, als andre Arten. Auſſerdem wachſen um den See Stachelbeeren, ſchwarze Jo⸗ hannisbeeren, und viele Wacholderbeerſtraͤuche, die eine Menge Beeren von der beſten Art tragen. Sumach waͤchſt hier ebenfalls haufig, und feine Blätter, die um Michael roth werden, werden alsdenn von den Einwohnern eingeſammlet, und ſehr geſchaͤtzt. Sie vermiſchen ſie mit Toback zu gleichen Theilen, der davon einen angenehmen Ge⸗ ſchmack erhäft. Nahe bey dieſem, und uͤberhaupt bey allen andern Een giebt es eine Art Weide, welche die Franzosen bois rouge, die Englaͤnder aber red wood, roth Holz nennen. Ihre Rinde | hat, wenn fie ein Jahr alt iſt, eine Scharlachfarbe, und ſieht ſehr fehon aus; aber wenn fie. ein Jahr aͤlter iſt, ſo wird ihre Farbe rothgrau. Viele Staͤmme von dieſem Strauche wachſen zuſammen, und erreichen eine Höhe von ſechs bis acht Fuß, doch hat der groͤßte davon felten über einen engli⸗ ſchen Soll im Durchmeſſer. Auch dieſe Rinde | ſcha⸗
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haben die Indier vom Boh ab, trocknen und pulvern fie, und vermiſchen fie mit ihrem Toback.
Sie ſchaͤtzen ſie vorzuͤglich zum Rauchen waͤhrend des Winters. Des Sommers nehmen ſie eine Pflanze dazu, die in felſichten Gegenden um die großen Seen waͤchſt. Die Indier nennen ſie Degockimac; ſie ſchlaͤngelt ſich wie eine Wein⸗ ranke auf dem Boden oft zu einer Lnge von acht
bis zehn Fuß fort, und traͤgt ein beynahe rundes Blatt, von der Groͤſſe eines ſilbernen Sechspfen⸗
ningſtuͤckes. Es hat die Subſtanz und die Farbe . von einem Lorbeerblatte, und bleibt immer gruͤn. Dieſe Blätter: mifchen fie ebenfalls getrocknet und
gepulvert unter ihren Toback, den ſie aber blos
des Sommers rauchen. Mit Huͤlfe dieſer drei Nes |
bentobacke haben die Indier zu allen Jahrszeiten
hinlaͤnglichen Vorrath fuͤr ihre Pfeiffen, und da ſie große Raucher ſind, ſo geben ſie ſich viele Muͤhe, fie gehörig einzuſamlen und zuzubereiten. 98
Den zwanzigſten September verlieh ich die gruͤne
Bucht, und gieng noch immer in Geſellſchaft von den Handelsleuten und etlichen Indiern den Fuchs⸗
fluß hinauf. Den fuͤnf und zwanzigſten kam ich nach
der großen Ortſchaſt 9 der e „die auf
einer
0 Ich ale, daß dies immer der beſte Ausdruck fuͤr Arm town iſt, denn da in dieſer die Wohnungen
| der
15
einer kleinen Inſel grade an der oſtlichen Einfahrt in den See Winnebago liegt. Hier empfieng mich die Koͤnigin, die uͤber dieſen Stamm anſtatt eines Sachems herrſchte, mit großer Hoͤflichkeit, und bezeugte mir, die vier Tage uͤber, die ich mich hier auf hielt, ungemein viel Achtung. . Den Tag nach meiner Ankunft biet ich einen 5 Rath mit den Oberhaͤuptern, und bat ſie um Er⸗ laubniß, auf meiner Reiſe zu entferntern Voͤlker⸗ ſchaften, die ich wichtiger Geſchaͤfte wegen unter⸗ 1 nahme, durch ihr Land zu gehen. Sie ſahn mein Anſuchen als ein großes Kompliment fuͤr ihren Stamm an, und willigten ſehr gern darein. Die Königin ſaß im Rathe, that aber nur einige we⸗ | nige Fragen, oder machte etliche unbedeutende Verfuͤgungen in Staatsſachen; denn Weiber duͤr⸗ fen nie in ihrem Rathe ſitzen, ausgenommen wenn fie mit dem höchften Anſehn bekleidet find, und ſelbſt alsdenn iſt es nicht gebräuchlich für fie, foͤrmliche \ Reden zu halten, wie die Haͤupter thun. Sie war eine ſehr alte Frau, klein von Statur, und unter⸗ ſchied ſich nicht ſehr durch ihre Kleidung von etli⸗ der Indier oft viele Meilen von einander liegen, ſo wuͤrde es eben ſo ungereimt ſeyn, es durch Stadt
zu überſetzen, als die Pagos (Gauen) der mittlern Wi Zeiten für Dörfer zu erklären.
chen jungen Frauensleuten, die ihr Gefolg aus⸗ machten. Dieſe ihre Begleiterinnen ſchienen im⸗ mer ſehr vergnuͤgt zu ſeyn, wenn ich einige Zei⸗ chen von Hochachtung gegen ihre Königin blicken ließ, hauptſaͤchlich wenn ich ſie kuͤßte, welches ich oft that, um mir ihre Gunſt zu erwerben. Die gute Alte ſuchte immer dabey ein jugendliches An⸗ ſehn anzunehmen und bezeigte durch ihr Lacheln, daß ſie nicht weniger Gefallen an der Achtung ‚hätte, die ich ihr erwies.
Die Zeit, die ich hier 1 wandte ich dazu an, die Gegend aufs beſte kennen zu lernen, | und die zuverläffigften Nachrichten von dem Ur; ſprunge, der Sprache und den Gebraͤuchen dieſes Volkes zu ſammlen. Urſpruͤnglich wohnten, mei⸗ nen Unterſuchungen zufolge, die Winnebager in irgend einer von den Provinzen von Neu⸗Mexico, und zogen ſich vor ungefaͤhr einem Jahrhundert in dieſe nordlichern Gegenden, da ſie entweder durch innerliche Unruhen, oder durch die Ausbreitung der Spanier aus ihren alten Sitzen vertrieben wurden. |
Meine Gruͤnde für diese Meinung ſind erſlich ihre unveraͤnderliche Anhaͤnglichkeit an die Nado⸗ weſſier, die, wie ſie ſagen, ihnen zuerſt huͤlf⸗ sie Hand bey ihren Auswanderungen leiſteten,
unge⸗
17
geachtet ihr jetziger eig über ſechshundert Meilen von ihnen entfernt iſt.
Zyveytens, ihre Mundart, die von der von allen bisher entdeckten indiſchen Voͤlkerſchaften gänzlich verſchieden iſt, und aus einer ſehr rauhen Schlund⸗ ſprache befteht, die keiner von ihren Nachbaren zu lernen wagt. Sie reden mit andern Voͤlkerſchaf⸗ ten in der Sprache der Tſchipiwaͤer, welches die 100 herrſchende Sprache unter allen Staͤmmen iſt, von den Mohaken i in Kanada an, bis auf die Voͤl⸗ kerſchaften am Miſſtſippi, und von den Huronen und Illineſen bis an die Bewohner von Hudſons Meerbusen.
Drittens ihr eingewurzelter Haß gegen die Spanier. Einige von ihnen ſagten mir, daß ſie viele Streifereyen gegen Suͤdweſten vorgenommen haͤtten, die etliche Monathe dauerten. Einer von ihren alten Oberhaͤuptern erzaͤhlte mir auſſerdem, daß er vor ſechs und vierzig Wintern an der Spitze von funfzig Kriegern, gegen Suͤdweſten drey Mo⸗ nathe lang marſchirt waͤre, daß ſie auf ihrem Zuge, wie fie über eine Ebene giengen, einen Trupp Leute zu Pferde geſehn haͤtten, die zu dem ſchwarzen Volke gehoͤrten; denn ſo nennen ſie die Spanier. | So bald, als fie fie erblickten, giengen ſie behut⸗
Cervers Reiſen. B ſam
18 ſam zu Werke, und verbergen ſch, bis die begeht einbrach, worauf ſie ſich ſo nahe an fie zogen daß ſie die Anzahl und Stellung ihrer Feinde entdecken konnten. Sie ſahen, daß ſie nicht im Stande waͤren, mit einer ſo uͤberlegenen Anzahl bey Tage zu fechten, und warteten daher bis ſie ſich zur Ruhe begeben hatten, worauf ſie ſie uͤberftelen, und nachdem ſie den groͤßten Theil der Leute niederge⸗ macht hatten, achtzig Pferde erbeuteten, die, wie ſie ſich ausdruͤckten, mit weiſſen Steinen bela⸗ den waren. Ich vermuthe, daß dies Silber war, da er mir ſagte, daß die Pferde damit be eſchlagen und die Geſchirre damit verziert geweſen waͤren. Wie ſie ihre Rache gefättige hatten, und fo weit gekommen waren, daß die Spanier, die ihrer Wuth entgiengen, ſie nicht weiter erreichen konnten, fo lieſſen fie die ſchwere und unnuͤtze daſt, womit ihre Pferde beladen waren, zurück, ſetzten ſich auf/ und kamen auf dieſe Art wieder zu ihren Freunden. Der Trupp, den ſie uͤberfielen, war
vermuthlich die Karavane, die jaͤhrlich das Silber nach Mexico bringt, welches die Spanier in großer
Menge auf den Gebirgen finden, die nahe bey der
Quelle des Colorado liegen; und die Ebene, wo
ſie ſie angriffen, lag wahrſcheinlich auf dem Wege zu den Quellen des ” St. non oder des
' Nord⸗ i
19 Nordfluſſes, der weſtwärts vom Wifi in den een von Mexico faͤllt. ö Die Winnebagoer koͤnnen ungefähr: en; a. Krieger auf bringen. Ihre Ortſchaft enthaͤlt ungefahr funfzig Haͤuſer, die ſtark mit Palliſaden \ gebaut find, und die Inſel, worauf ſie liegt ‚it ungefähr funfzig engliſche Morgen groß. Sie liegt fünf und dreyßig Meilen von der gruͤnen Bucht, wenn man nach dem e des Fluſſes | . ER Der 9 Fluß hat 90 vier bis fünf Meilen; von ber er Bucht einen gelinden Lauf, weiter hinauf aber bis an den See Winnebago iſt er voller Felſen und läuft ſehr ſchnell. An verſchiedenen Stellen was ren wir ungen unſre Kanoen ans land zu ziehn, und eine beträchtliche Strecke zu tragen. Seine Breite von der gruͤnen Bucht bis an den See Winnebago betraͤgt überhaupt zwey bis dreyhundert Fuß. Das Land an feinen Ufern iſt gut, und dünn mit Eichen, Haſeln und weißen Wala bäumen ) bewachſen. e Der See Winnebago iſt ua eon | Meilen von Oſten nach Weſten lang, und ſechs Meilen breit. An ſeinem ſuͤdweſtlichen Ende ee B 8 | falle * Hiekery, Jug alba toliolis lanceolatis ſerratis, exterioribus latioribus. Miller Art. Juglans Nro. 4.
fällt ein Fluß hinein, der nicht weit von einem von den noͤrdlichen Armen des Fluſſes Illinoa ent⸗ ſpringt. Ich nannte ihn den Crocodillenfluß wegen einer Geſchichte, die unter den Indiern von einem Thiere erzaͤhlt wird, das ſie darin fodteten, und daß nach ihrer Beſchreibung ein Erocobil oder Alli⸗ gator geweſen ſeyn muß. | Die € Gegend um den See iſt ſehr fruchtbar, und hat einen Ueberfluß an wild wachſenden Trauben, Pflaumen und andern Fruͤchten. Die Winne⸗ bagoer ziehn an demſelben eine Menge indiſches Korn, Bohnen, Kuͤrbiſſe, Melonenpfeben “) und | Waſſermelonen, und etwas Toback. Der See ſelbſt hat einen Ueberfluß an Fiſchen, und gegen das Ende des Jahrs findet man haͤufig il e Gaͤnſe, Endten und Kriechendten“) darauf. Die lezten kommen in großer Anzahl dahin, und ſind vorzuͤg⸗ lich gut und fett, und haben einen weit beſſern Ge⸗ ſchmack, als die, welche man an der See findet, da fie ihr ſtarkes Fett von dem wilden Reiſe feßen, der in dieſen Gegenden ſehr haͤufig waͤchſt. Ich verließ die Ortſchaft der Winnebagoer den neun und zwanzigſten September, nachdem ich der guten alten een etliche anne Geſchenke gemacht
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10 > "Cüenrbita Melopepo, Sue, 5, dene) Anas ecrecta L. Teal.
' 8 2 gemacht und ihren Segen erhalten hatte, und kam zwölf Meilen davon, an die Stelle, wo der Fuchs⸗ 6 fluß auf der Nordſeite in den See faͤllt. Wir gien⸗ gen dieſen Fluß hinauf und erreichten den ſiebten October den großen ages der ibn von Wein Uisconſin trennt.
Der Fuchsfluß iſt von der grünen Bucht bis an den Trageplatz ungefähr hundert und achtzig Mei⸗ len lang. Von dem See Winnebago bis an den Trageplatz iſt fein Lauf ſanft, und feine Tiefe be⸗
traͤchtlich, dem ungeachtet koͤnnen Kanoen an ver⸗ ſchiedenen Stellen nur mit Muͤhe durchkommen, da ihnen die großen und dicken Reisſtengel, die hier häufig wachſen, im Wege ſtehn. Die Ge⸗ | gend hier herum iſt fehr fruchtbar, und zum Anbau ungemein geſchickt, etliche wenige Stellen nahe am Fluſſe ausgenommen, wo ſie zu niedrig liegt. Sie iſt nirgends zu ſehr mit Holz bewachſen, aber doch hinreichend, um jede Anzahl von Einwohnern zu ihren eignen Beduͤrfnißen reichlich damit zu verſe⸗ hen. Auf meiner ganzen Reiſe traf ich keine ſo große Schwaͤrme von wilden Voͤgeln an, als bier, wo ſie oft die Sonne etliche Minuten lang verdunkelten. | Ungefähr vierzig Meilen den Fluß hinauf von derf großen Ortſchaft der Winnebagoer, liegt eine kleinere, die ebenfalls dieſer Nation gehört.
| | 3 Wild⸗
— und Bären find: in dieſen Gegen ſehr zahlreich, und es wird eine große Menge Bie⸗ ber und andre Rauchthiere an den . die
in dieſen Fluß fallen, gefangen.
Dieſer Fluß war vor achtzig Jahren wegen des Aufenthalts der vereinigten Voͤlkerſchaften der Ot⸗ tigamier und Sakier berühmt, denen die Franzo⸗
ſen ihrer oͤblichen Gewohnheit zufolge den Bey⸗ nahmen der Saͤcke und Fuͤchſe (des Saes & des Re-
nards) gegeben hatten, und wovon mit N Indier folgende Anekdote erzaͤhlte.
Vor ungefähr ſechszig a hren, da dee ſtanzöſſchen Miſſtonarien und Handelsleute wiederhohlten Be⸗ leidigungen von dieſem Volke waren ausgeſetzt ge⸗ weſen, ſo ward eine Parthei Franzoſen und Indier
unter dem Hauptmann Morand abgeſchickt, um das ihnen wiederfahrne Unrecht zu raͤchen. Der Hauptmann brach im Winter von der gruͤnen Bucht auf, da die Indier ſich einen folchen Beſuch gar nicht vermuthen waren, marſchirte über den Schnee bis an ihre Dörfer, die ungefähr fünfzig Meilen den Fuchsfluß hinauf lagen, und uͤberſiel fie plötzlich. Er uͤberwand ſie leicht „da ſie ſich nicht zu ſeinem Empfange vorbereitet hatten, und ktoͤdtete oder nahm den größten Theil von ihnen | gefangen. Auf dem Nückmarfehe der Franzosen nach
e
aer 23
ach der en Bucht ſtand einer von den indi⸗
ſchen Anfuͤhrern, der mit ihnen im Buͤndniſſe war,
und einen betraͤchtlichen Haufen Gefangnen unter
ſeiner Aufſicht hatte, ſtill, um aus einem Bache
zu trinken, unterdeſſen aber giengen ſeine Gefaͤhr⸗
ten weiter. Eine von den gefangnen Weibern be⸗
merkte dies und ergriff ihn, wie er ſich eben nie⸗
derbuͤckte um zu trinken, bey einer aͤuſſerſt em⸗ pfindlichen Stelle, und bielt ihn daran feſt, bis er
todt war. Da der Anführer wegen des ſchreckli⸗ g chen Schmerzens nicht im Stande war, ſeine Ge⸗
fahrten um Huͤlfe zu rufen „ oder ſonſt Laͤrm zu
machen ſo giengen fie, ohne zu wiſſen was vor⸗ gieng, weiter. Die Frau ſchnitt darauf die Bande ihrer Mitgefangnen, „ die ſich im Hinterzuge be⸗ fanden, entzwey, und entfloh mit ihnen glücklich. Dieſe Heldin ward nachher von ihrer Nation im⸗ mer als ihre Befreierin angefehen, und zu einer An⸗ | führerin erwaͤhlt, mit dem Vorrechte, dieſe Ehre auf ihre Nachkommen zu vererben. Ein unge⸗ ohnlicher Vorzug, der nur bey ganz beſondern Gelegenheiten zugeſtanden wird. Ungefaͤhr zwoͤlf Meilen, ehe ich den Trageplaz erreichte, beobachtete ich einige kleine Huͤgel, die ſich bis an ihn erſtreckten. Ihre Größe war zwar 0 Mi daß man fie in Vergleichung mit > 4 den
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*
—
den Bergen hinten an den Kolonien für Maul: wurfs haufen halten konnte, aber da es die erſten waren, die mir zu Geſichte kamen, nachdem ich Niagara verlaſſen hatte, eine Entfernung von un⸗ gefaͤhr eilfhundert Meilen, ſo konnte ich nicht um⸗
hin, ihrer zu erwaͤhnen. 0 Den Der Fuchsſluß iſt bey ſeinem Einfluſſe in den See Winnebago ungefaͤhr funfzig Ellen weit, aber er wird, etliche wenige Stellen ausgenommen, wo er ſich in kleine Seen ausdehnt, allmaͤhlig ſchmaler bis an den Trageplatz, wo ſeine Breite nur fünf Ellen betraͤgt, doch bleibt ſeine Tiefe noch immer betraͤchtlich. Sonſt finde ich weiter nichts Merkwuͤrdiges an dieſem Fluffe, als daß er fuͤnf Meilen lang ſo ſchlaͤngelnd fließt, daß er in ſeinem Laufe nur eine Viertelmeile da⸗ durch gewinnt. e ir e Der Trageplatz zwiſchen dem Fuchsfluſſe und | Uisconſin iſt nur ſieben viertel Meile breit, unge⸗ achtet auf verſchiednen Karten ſeine Weite zehn Meilen betraͤgt. Ueberhaupt ſind alle Karten, die ich von dieſen Gegenden geſehn habe, aͤuſſerſt feh⸗ ;
lerhaft. Die Fluͤſſe haben darauf eine von ihrer wuͤrklichen ganz verſchiedne Richtung, und viele von ihren Armen, hauptſaͤchlich vom Miſſiſippi, find ganz ausgelaſſen. Auch die Entfernungen zwiſchen N | Oertern
b 25 Dertern ſind ſehr falſch angegeben. Ob die fran⸗
zöſiſchen Erdbeſchreiber, (denn die engliſchen Kar⸗ ten ſind alle nur Kopien von franzoͤſiſchen) aus
Abſicht oder aus Mangel einer richtigen Kentniß
der Gegend dieſe Fehler gemacht haben, kann ich nicht beftimmen; nur iſt ſo viel gewiß, daß Rei⸗ ſende, die ſich in den Gegenden, welche ich beſucht habe, auf ſie verlaſſen, oft in Verlegenheit gera⸗ then werden. Ich maaß die ganze Gegend, welche ich durchreiſte, aufs genauefte, und kann daher
verſichern, daß der Abriß, den ich dieſem Werke
bengefügt habe, weit richtiger gezeichnet iſt, als 3 einer von den vorhergehenden. Ä
= v =
Ungefaͤhr auf dem halben Wege zwiſchen d den
beben Fluͤſſen iſt ein mit einer langen Art von Gras uͤberwachſener Moraſt, der uͤbrige Theil iſt eben, und mit etlichen Eichen und Fichten bewach⸗ ſen. Ich fand hier eine Menge Klapperſchlangen. Herr Pinniſance, ein franzofifcher Kaufmann, ers zaͤhlte mir von einer eine merkwuͤrdige Geſchichte, wovon er Augenzeuge geweſen ſeyn wollte. Ein Indier, der zur Voͤlkerſchaft der Menomonier ge⸗ hoͤrte, ſieng eine, und fand Mittel ſie zahm zu ma⸗ chen. Er verehrte ſie, wie ſeinen Gott, nannte
ſie immer ſeinen großen Vater, und trug ſie in einer Schachtel uberall bey ſich. Dies hatte der
B 5 In⸗
=.
2
Indier verſchiedne W hindurch gethan, als
Herr Pinniſanee ihn zufaͤlligerweiſe an dieſem Tra⸗
geplatze antraf, grade wie er auf die Winterjagd gehn wollte. Herr Pinniſance wunderte ſich un⸗ gemein, als er den Indier eines Tages die Schach⸗ tel, worinn er ſeinen Gott hatte, niederſetzen, und den Deckel aufmachen ſah, um ihm die Frei⸗ heit zu geben. Er befahl ihr dabey genau, um die
Zeit, wenn er zuruͤck kommen wuͤrde, den folgenden
May, ſich wieder einzufinden. Da es damahls
erſt Oktober war, fo ſagte Herr Pinniſance zum
Indier, uͤber deſſen Einfalt er ſich ſehr wunderte, daß er wahrſcheinlicherweiſe kuͤnftigen May lange genug auf die Ankunft ſeines großen Vaters wuͤrde
warten muͤſſen. Allein der Indier hatte ein ſo gu⸗
tes Zutrauen zum Gehorſam dieſes Geſchoͤpfs, daß er ſich zu einer Wette von acht Quartier Rum er⸗ bot, daß die Klapperſchlange zur beſtimmten Zeit
zuruͤck kommmen, und in ihre Schachtel kriechen
wuͤrde. Die Wette ward angenommen, und die
zweyte Woche im kuͤnftigen Monath May zur Ent⸗
ſcheidung feſtgeſetzt. Sie kamen beyde in dieſem Monathe wieder zuſammen, und der Indier ſetzte
feine Schachtel hin, und rief ſeinen großen Vater. Die Schlange hoͤrte ihn nicht, und da die Zeit vorbey war, fo geſtand er ein, daß er verlohren
hätte, N
hätte, erbot ſich aber zugleich, „die Wette doppelt zu bezahlen „wenn fein großer Vater in zwey Tas gen nicht gurückfäme. Auch dies ward angenom⸗ men. Den zweyten Tag um ein Uhr kam die
5 Schlange unvermuthet zuruͤck, und kroch von ſelbſt
in die Se | Pinniſance verſicherte, fuͤr die Richtigkeit dieſer | Geſchic te einſtehn zu koͤnnen, und nach dem zu urtheilen, was ich oft von der Gelehrigkeit dieſer Thiere gehoͤrt habe, ſehe ich keine Urſache, ſeine Wahrheitsliebe i in Zweifel zu ziehn.
Ich bemerkte, daß der Hauptarm des Fuchsfluſſes | n Suͤdweſten und der Uisconſin von Nordoſten kam; und daß etliche kleine Nebenarme von dieſen Fluͤſſen fi) einander etwas ſuͤdwaͤrts vom Trage⸗ platze bis auf etliche Fuß naͤherten. Es giebt auf dem großen feſten Lande von Amerika faſt kein aͤhn⸗ liches Beyſpiel, daß zwey ſolche Fluͤſſe, die ſo nahe bey einander entſpringen, einen ſo entgegen 0 geſetzten Lauf nehmen, und i in einer ſo ungeheuren Entfernung von einander ins Meer fallen; denn der Fuchsfluß geht durch verſchiedne große Seen, . and fällt nach einem Laufe von mehr als zweytau⸗ ſend Meilen in den Meerbufen von St. Lorenz, und der Uisconſin vereinigt ſich mit dem Miſſtſippi, und ergießt ſich nach einem eben ſo weiten Laufe in 2 er En den
chachtel, die fuͤr ſie hingeſetzt war. Herr N
rr N 22 - er te * . a 2 . Are . rs A NR PT LE 2 ——
28
den Meerbuſen von Mexico. Ich hatte das fol⸗ gende Jahr Gelegenheit, eine ähnliche Bemerkung
über die Nähe der Hauptarme des dorenzfluſſes und des Miſſiſippi zu machen, und fuͤhre ſie hier als einen Beweis an, daß die Meinung der Erdbe⸗
ſchreiber, daß Fluͤſſe, die ſo nahe bey einander
entſpringen, aus einerley Quelle entſtehn muͤſſen, irrig iſt. Denn ich ſah deutlich eine voͤllige Ab⸗ ſonderung zwiſchen beyden, ungeachtet ſie ſich ſo nahe kamen, daß ich von einem 59 zum andern ſchreiten koͤnnen. |
Den achten October brachten wir unte Kanoen in den Fluß Uisconſin, der hier uͤber dreyhundert
u Fuß breit iſt, und kamen den Tag darauf nach der
großen Ortſchaft der Sakier. Dies ft der größte und am ſchoͤnſten gebaute indiſche Ort, den ich je
geſehn habe. Er beſteht aus neunzig Haͤuſern,
wovon jedes fuͤr etliche Familien Raum hat. Sie
ſind aus zugehauenen und huͤbſch an einander ge⸗
fügten Brettern gebaut, und fo dicht mit Rinde gedeckt, daß kein Regen durchdringen kann. Vor
den Thuͤren ſtehn bequeme Schauer, worunter die
Einwohner ſitzen, wenn es die Witterung erlaubt, und ihre Pfeiffe rauchen. Die Straßen ſind regel⸗ mäßig und geräumig, fo daß dieſer Ort überhaupt
be 4 das Anſehn eines * geſitteter
Ein⸗
2 29 Einwohner als eines Wohuplatzes roher Wilden hat. Das Land um die Stadt herum iſt ſehr gut. | In ihren Pflanzungen, die bey ihren Haͤuſern lie⸗ gen, und recht artig angelegt ſind, bauen ſie eine Menge indiſch Korn, Bohnen, Melonen u. ſ. w. und dieſer Ort wird daher auf einer Strecke von achthundert Meilen für den beften Markt fuͤr die Kaufleute, ſich mit Lebensmitteln zu verihen, gehalten. Die Sakier konnen 8 3 Mann | aufbringen „die gewöhnlich alle Sommer Strei⸗ fereyen in die Gebiete der Alineſen und Panier vornehmen, von welchen ſie oft mit einer großen
Anzahl S Sklaven zuruͤckkommen. Allein dieſe bey⸗ 3 den Volkerſchaften brauchen oft das Recht der | Wiedervergeltung, und bringen manchen von den | safiern ums Leben; und dies iſt vermuthlich die Ief he, warum HA: u nicht ſchneller aus | nimmt. N
Wie ich mich bier aufbieft, Me beſuchte ich die Gebirge, die etwa funfzehn Meilen gegen Suͤden liegen, und einen Ueberfluß an Bleyerzt haben. Ich beſtieg einen von den hoͤchſten Bergen, wo⸗ von ich eine weite Ausſicht hatte. Viele Meilen weit ſah man nichts, als niedrigere Berge, auf a denen gar keine Baͤume wuchſen, ‚ und die daher in einer
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einer Entfernung wie J etliche Waͤlder von Waben Walnußbaͤumen und verwitterten Eichen bedeckten etliche von den Thaͤ⸗ lern. Bley giebt es hier ſo haͤufig, daß ich eine i große Menge davon auf den Gaſſen in dem Ort der Sakier herumliegen ſah, und es ſchien dem Bley aus We Lndern n an Güre nach | geben.
Den zehnten Oktober giengen. wir weiter ben | Fluß hinab, und kamen den naͤchſten Tag an die Ortſchaft der Ottigamier. Dieſer Ort enthaͤlt
ungefaͤhr funfzig Haͤuſer, wovon wir aber die mei⸗ ſten wegen einer anſteckenden Krankheit verlaſſen fanden, die hier vor einiger Zeit gewuͤthet, und uͤber die Haͤlfte der Einwohner aufgerieben hatte. Der größte Theil von den übrigen war in die Waͤl⸗ 15 geflohen, um der Anſteckung zu entgehen. - Den funfjehnten kamen wir auf den großen Fluß Dr ſippi. Der Uisconſin hat von dem Trageplatze | bis an feinen Einfluß in den Miſſeſippi einen ebenen aber ſtarken Lauf; ; fein Waſſer iſt auſſerordentlich klar, und man ſieht dadurch einen reinen ſandigten Boden, ohne viele Felſen. Es giebt nur wenige Inſeln darin, wovon der Boden gut zu ſeyn ſchien, doch waren ſie etwas mit Holz bewachſen. Auch 11 ach nahe am Fluſſe hatte uͤberhaupt ein vor⸗
N
Heuſchober ausſahen. Nur
| 3¹ trefliches Anſehn, aber in einiger Entfernung da⸗ von iſt es voller Berge, die viele Dimaniben ent⸗ halten ſollen. | | Ungefehr fünf Meilen von der ee die⸗ fer beiden Fluͤſſe bemerkte ich die Ruinen eines großen Ortes, der eine ſehr ſchoͤne tage gehabt hatte. Ich erkundigte mich bey den e f Indiern, warum dieſer Ort verlaſſen waͤre, und erfuhr, daß vor ungefahr dreiſſ ig Jahren der große Geiſt ſich auf der Spitze einer Pyramide von Selen, die i in einer kleinen Entfernung weſtwo arts von dem Orte lag, gezeigt, und den Einwohnern angedeutet “ 9 haͤtte, i re Wohnungen zu verlaſſen, weil das Land, worauf ſie gebaut waͤren, ihm gehörte, und er es jezt brauchen muͤßte. Zum Beweiſe, daß er, der ihnen dies beföhle, wirklich der große Geiſt waͤre, ſollte unverzuͤglich auf den Felſen, von denen er mit ihnen ſpraͤche, und die fie als vollig an kennten, Gras hervorwachſen. Die Indier ge⸗ horchten, und fanden bald nachher, daß dieſe wun⸗ derbare Veraͤnderung ſich wirklich zugetragen haͤtte. Sie zeigten mir die Stelle, und ich fand an dem Graswachſen hier gar nichts uͤbernatuͤrliches. Ver⸗ muthlich war dies eine Lift der Spanier oder Frans zoſen, die fie aus eigennuͤtzigen Abſichten ausübten, allein die Art, wie ſie ne ausfuͤhrten, iſt mir unbekannt. i N „Dieſe
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Dieſe Indier bauten bald bad ihrem. * einen Ort am Miſſt ippi, nicht weit von der Muͤn⸗ dung des Uisconſin, auf einer Stelle, welche die Franzoſen la prairie des chiens, die Hundswieſe, nannten. Der Ort iſt groß, und enthaͤlt dreihun⸗ dert Familen. Die Haͤuſer ſind nach indiſcher Art gut gebaut, und haben eine anmuthige Lage auf einem fruchtbaren Boden, der alle Lebensbe⸗ duͤrfniſſe im großen Ueberfluſſe hervorbringt. Ich ſh hier viele Pferde von einer guten Groͤße und Bildung. Dieſer Ort iſt der große Markt, wo alle benachbarten Stämme, und ſelbſt die, welche an den entfernteſten Armen des Miſſtſippi wohnen, ſich alle Jahr gegen das Ende des Mays verſamlen, und ihr Pelzwerk an die Handelsleute verkaufen. Allein der Kauf wird nicht i immer hier geſchloſſen. . Dies koͤmmt auf den allgemeinen Rath ihrer Ober⸗ haͤupter an, die beſtimmen, ob es ihnen vortheil⸗ hafter iſt, ihre Waaren hier zu verkaufen, oder ſie nach fouifiana oder Miſchillimackinae zu bringen. Dem Schluſſe dieſes Rathes zufolge, gehn ſie ent⸗ weder weiter, oder kehren nach Kr DE | | en ru | Der Miſſtſippi iſt bey Sem influffe des Uisconfin, nahe bey welchem ein Berg von einer betraͤchtli⸗ chen Hoͤhe liegt, etwa eine halbe Meile breit. f Allein
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Allein bey dem eben erwaͤhnten Orte ſcheint er uͤber eine Meile breit zu ſeyn, und iſt voller Inſeln, die einen ſehr reichen Boden haben, aber duͤnn mit Holz bewachſen ſind. | Auf der andern Seite, etwas weiter gegen We⸗ ſten, faͤllt ein kleiner Fluß i in den Miſſiſippi, wel: chen die Franzoſen la riviere jaune, den gelben Fluß nennen. Hier ſchlugen die Handelsleute, die mich bisher begleitet hatten, ihr Winterwohnung | auf. Ich kaufte mir daher einen Kanoe, und gieng mit zwey Bedienten, einem franzöſiſchen Kanadier, und einem Mohaak aus Kanada, den een den Miſſtſippi weiter hinauf. | Ungefähr zehn Tage, nachdem ich die Kaufleute verlaſſen hatte, ſtieg ich, wie ich gewohnlich alle Abende that, ans Land, und befahl meinen geuten, wie es dunkel ward, ſich niederzulegen, und zu ſchlafen. Ich ſetzte mich unterdeſſen bey einem lichte, das ich brennen hatte, hin, um die Bemer⸗ kungen, die ich den vorigen Tag gemacht hatte, abzuſchreiben. Gegen zehn uhr, wie ich eben damit fertig war ‚ trat id) vor mein Zeft, um zu
ſehn, was für Wetter wir haͤtten. Als ich meine
Augen gegen die Seite des Fluſſes zu richtete, ſah ich beym Scheine der Sterne, die einen hellen Lem von ſich warfen . etwas ei das einer. Heerde
Carvers Reifen. € 4 Vieh
34 | Bag Vieh aͤhnlich war, einen Abhang in einer Enfer . nung herunter kommen. Wie ich noch ungewiß war, was dies etwa ſeyn konnte „ ſo ſprang einer davon auf, und zeigte mir eine Menſchengeſtalt. In einem Augenblick waren ſie alle auf den Fuͤßen, d und ich zahlte zehn bis zwoͤlf, die auf mich zuliefen. Ich gieng ſchnell in mein Zelt zuruͤck, weckte meine Leute und befahl ihnen ihr Gewehr zu nehmen, und mir zu folgen. Da ich hauptſaͤchlich für meinen Kanoe beſorgt war, fo lief ich nach dem Waſſer h zu, und fand eine Parthey Indier, denn dafuͤr er⸗ kannte ich ſie jezt, eben im Begrif, ihn zu plünbern. Ehe ich an fie Fam, befahl ich meinen Leuten, nicht zu feuern, ehe ich ihnen zuriefe, da ich nicht gerne ohne die aͤuſſerſte Noth Feindſeligkeiten anfangen wollte. Ich gieng deswegen entſchloſſen auf ſie los, bis dicht an die Spitzen ihrer Spieße, die ihre einzigen Waffen waren, und fragte ſie, indem ich meinen Hirſchfaͤnger herum ſchwang, mit rauher Stimme, was ſie wollten? Sie erſtaunten nicht wenig daruͤber, und da ſie ein heiſſes Willkommen befuͤrchteten, ſo kehrten ſie um, und giengen ge⸗ ſchwinde fort. Wir verfolgten fie bis an ein nahlie⸗ gendes Holz, in welches ſie ſich begaben, und ſahen nichts weiter von ihnen. Jedoch wachten wir wech- ſelsweiſe die ganze Nacht, aus Furcht, ſie zuruͤck kom⸗
35 kommen zu ſehen. Den Tag darauf aͤuſſerten meine Bedienten große Furcht, und baten mich inſtaͤndig, zu den Handelsleuten, die wir vor kurzem verlaſſen | hatten, zurück zu kehren. Allein ich ſagte ihnen, wenn man ſie nicht fuͤr alte Weiber halten ſollte, (der ſchimpflichſte Vorwurf, den man einem In⸗ dier RR kann) fo müßten fie mir folgen, denn ich waͤre entſchloſſen, meine Reiſe fortzuſetzen, da ein Englaͤnder, „wenn er ſich einmahl auf ein Uns ternehmen eingelaſſen haͤtte, nie zuruͤck zoge. Sie fliegen auf dieſe Erinnerung in den Kanoe, und ich gieng fängft dem Ufer hin, um ſie gegen fernere Angriffe zu bedecken. Ich erfuhr nachher, daß dieſe Parthey Indier, die uns berauben wollte, aus Sandftreichern beſtand, die verſchiedner Ver⸗ brechen wegen aus ihren Staͤmmen vertrieben waren. Sie lebten jezt vom Raube, und waren den Reiſenden, die in dieſe Gegenden kamen,
ſehr beſchwerlich. Sie verſchonen ſelbſt Indier
nicht. Die Handelsleute hatten mich vorher ge⸗ warnt, auf meiner Hut gegen ſie zu ſeyn 0 und ich muß allen, deren Geſchaͤfte fie in dieſe Gegenden
fuͤhren konnte, dieſe Warnung wiederholen. Den erſten November kam ich beym See Pepin an, der eigentlich nur eine Erweiterung des Fluſſes eh hp iſt, welcher die Franzoſen dieſe Benen⸗ . nung
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nung gegeben boben Er liegt ungefaͤhr zweyhun⸗ dert Meilen vom Uisconſin. Der Miſſt ſippi fließt unterhalb dieſes Sees ſehr gelinde, allein ſeine Breite iſt ſehr abwechſelnd, da ſie an einigen Stellen uͤber eine Meile, an andern hingegen kaum eine Viertelmeile betraͤgt. Dieſer Fluß hat in ſeiner ganzen Laͤnge auf beyden Seiten eine Reihe von Gebirgen, die an einigen Stellen dicht darauf ſtoßen, an andern aber in einer Entfernung von f ihm liegen. Das Land zwiſchen den Gebirgen und um ſie herum iſt mit Gras bed und man trift nur hin und wieder zerſtreute W daͤlder an, bey wel⸗ chen man oft große Heerden von Wild und Elend⸗ thieren weiden ſieht. An vielen Stellen zeigten ſich Felſenpyramiden, die wie alte verfallene Thuͤrme aus ſahen; an andern gab es fuͤrchterliche Abgründe; und was ſonderbar iſt, ſo iſt die andre Seite des Berges, der einen ſolchen Anblick macht, oft mit den ſchoͤnſten Kräutern bewachſen, die ſich ſtuffen⸗ weiſe bis an ſeinen Gipfel erſtrecken. Von dieſen Bergen hat man eine unbegraͤnzte und ſo ſchoͤne Ausſicht, als man ſich nur denken kann Gruͤne Ebenen, fruchtbare Wief ſen, zahlreiche Inſeln, und auf allen dieſen eine Menge von verſchiednen Baͤumen, die ohne Sorgfalt und Kultur einen Ueberfluß von Fruͤchten liefern, und worunter Nußbäͤume, ng | Zucker⸗
Er — 72 | 37
Zuckeraborn“) mit Trauben beladene Weinſtöcke, und Pflaumenbaͤume, die ſich unter ihrer reizen⸗ den Laſt biegen, die vornehmſten ſind. Doch nichts macht einen fehonern Anblick als der ſilberne Strom, der unten ſanft vorbeyfließt, und ſo weit reicht, daß man ihm mit den Augen nicht folgen kann. . Ses iſt ungefahr zwanzig Meilen lang, und faſt ſechs breit; an verſchiednen Stellen iſt er ſehr tief, und hat einen Ueberfluß an allerley Ar⸗ ten von Fiſchen. Es beſuchen ihn und die benach⸗ \ barten Fluͤſſe ebenfalls eine Menge Voͤgel, als Stoͤrche, Schwaͤne, Gaͤnſe, und Enten; und in den Waͤldern trift man haͤufig Calekutſche Huͤh⸗ ner und Rebhuͤner an. Auf den Ebenen giebt es die groͤßten Buͤffelochſen in ganz Amerika. Ich ſäah hier noch die Ruinen von einer Frangöfifchen Faktoren, wo ſich Hauptmann St. Pierre, vor der Eroberung von Canada, aufgehalten, und einen anſehnlichen Handel mit den Nadoweſſtet ern getrieben haben ſoll. | Ungefähr ſechzig Meilen unterhalb des Sees ligt ein Berg grade in der Mitte des Fluſſes, und
hat das Anſehn, als wenn er vom Ufer in den
Strom berabgegliſcht waͤre. Man kann ihn keine | Nen nennen, da er gleich von der en | Ä C 595 | N Rn an
5 Acer facharinum. L.
5 an zu einer beträchtlichen Höhe aufſteigt. Indier und Franzoſen nennen ihn den Berg im Fluſſe.
Ich ſtieg eines Tages am Ufer des Miſſtſippi etliche Meilen unterhalb des Sees Pepin ans Land, und waͤhrend der Zeit, daß meine Gefaͤhrten mein Mittagseſſen zurechte machten, gieng ich herum, um die Gegend in Augenſchein zu nehmen. Ich
war noch nicht weit gegangen, | als ich auf eine bübſche und ofne Ebene kam, auf der ich in einer Entfernung eine Erhöhung anſichtig ward, die wie eine Verſchanzung ausſah. Wie ich ſie genauer unterſuchte, ſo fand ich noch gröffere Urſache zu glauben, daß ſie wuͤrklich vor einigen Jahrhunder⸗ ten zu dieſem Endzweck gedient hatte. Sie war zwar jezt ganz mit Gras bewachſen, allein ich konn⸗ te deutlich unterſcheiden, daß ſie ehemals aus einer vier Fuß hohen Bruſtwehr beſtanden, die ſich faſt auf eine Meile erſtreckte, und Raum genug fuͤr fuͤnftau⸗ ſend Mann hatte. Jyre Figur war beynahe kreis⸗ formig, und ihre Flanken erſtreckten ſich bis an den Fluß. So ſehr dies Werk auch durch daͤnge der Zeit 2 gelitten hatte, fo konnte man doch noch jeden Winkel daran unterſcheiden, und es ſchien fo regelmaͤßig und mit ſo vieler Kriegskenntniß aufgeworfen zu ſeyn, als ob Vauban es ſelbſt angelegt haͤtte. Der Graben war nicht mehr ſichtbar, allein es ſchien . | - mir
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mir doch bey genauer Untersuchung / als ob einer da geweſen waͤre. Auch ſeine Lage ſcheint zu be⸗ weiſen, daß es zur Veſtung diente. Die Vorder⸗ feite davon ſtieß auf die Ebene und die Hinterſeite auf den Fluß. Es gab in der Naͤhe keine Hoͤhe, von der man es hätte beſtreichen koͤnnen, und nur etliche Eichen ſtanden zerſtreut um daſſelbe herum. An verſchiednen Stellen fand ich ſchmahle Wege, die von den Fuͤßen der Elendthiere und Rehe, die daruͤber gelaufen, entſtanden waren. Die Tiefe des Bettes von Erde, womit es bedeckt war, be⸗ wies ſein hohes Alter. Ich unterſuchte alle Win⸗ kel und uͤbrigen Theile mit großer Genauigkeit, und
habe es oft nachher bedauert, daß ich nicht auf der
Stelle einen genauen Abriß davon nahm. Zum Beweiſe, daß dieſe Beſt 8 nicht von einer erhitzten Einbildungskraft t herruͤhrt, erfahre ich nach meiner Ruͤckkunft, daß Herr Pierre und verſchiedne Handelsleute ahnliche Verſchanzungen entdeckten, uͤber die ſie einerley Anmerkungen mit mir mach⸗ ten, ohne ſie doch ſo genau unterſucht zu haben, 0 als ich es that. Wie ein Werk von dieſer Art in | einem Lande entſtehn konnte, daß nach unſrer Mey⸗ nung bisher bloß der Sitz des Krieges zwiſchen un⸗ 0 wiſſenden Indiern war, deren ganze Kriegswiſſen⸗ N ſchaſ vor zweybundert Jahren noch blos im Bogen⸗ \ AN ſpannen
ſpannen beſtand, und deren ganze Verſchanzung noch jetzt ein dicker Buſch iſt, wage ich nicht zu bes ſtimmen. Ich habe eine fo genaue Beſchreibung von dieſer ſonderbaren Erſcheinung gegeben, als mir moͤglich war, und uͤberlaſſe es kuͤnftigen Unter⸗ ſuchungen zu entſcheiden, ob ſie von Natur oder Kunſt herruͤhre. Vielleicht geben meine Muth⸗ maſſungen Anlaß, die Sache einer genauern Be⸗ trachtung zu wuͤrdigen, die uns vielleicht ganz ver⸗ ſchiedene Begriffe von dem alten Zuſtande von Rei⸗ chen machen wird, welche wir bisher blos für eine Wohnung der Wilden von den älteften Zeiten an gehalten haben. N e Der Fluß Miſſtſippi iſt bis an den Fluß St. Erbix, dreißig Meilen über den See Pepin, voller Inſeln, von denen einige eine beträchtliche Lange haben. Auf dieſen wachſen ebenfalls viele Zuk⸗ kerahorne, um die ſich mit Trauben belaſtete Wein⸗ reben bis an die Gipfel hinauf ſchlingen. Ueber⸗ halb des Sees ſieht man wenig Berge, und ſelbſt dieſe ſind nur niedrig. Nahe beym Fluſſe St. Croix halten ſich drey Stämme von Nadoweſſtern auf, welche die Flußſtaͤmme genannt werden.
Die Nation beſteht jetzo aus eilf Stämmen. Urſpruͤnglich waren ihrer zwölf, allein die Aſſtni⸗ poilen empörten ſich vor etlichen Jahren, und e | trenne
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trennten ſich von den übrigen. Die, welche ich hier antraf, werden die Flußſtaͤmme genannt, weil ſie vorzuͤglich am Ufer des Fluſſes wohnen; die übrigen acht werden überhaupt durch den Nahmen | der Nadoweſſter von den Ebenen, unterſchieden, und wohnen in einer Gegend, die weiter nach We⸗ ſten zu liegt. Die erſten heiſſen die Nehogata⸗ wonaher, die Matabäntowaher und die Schahswin⸗ towaher, und beſtehn aus A zuge Kriegern.
Nicht lange vorher, ehe ich dieſe drey Sen antraf, ſtieß ich auf eine Parthey von Matabanto⸗ waher, die ſich auf vierzig Krieger mit ihren Fa⸗ milien belief. Bey dieſen hielt ich mich etliche Tage auf, während welcher Zeit fünf bis ſechs von ihnen, die auf eine Streiferey ausgeweſen waren, eiligſt zurück kamen, und ihre Gefährten benachrichtigten, daß eine große Parthey von Tſchi⸗ piwaͤern, nach ihrem Ausdrucke: “genug um fie zu verfihlingen,” ihnen dicht nachfolgten, und ihr kleines Lager gleich angreifen wuͤrden. Ihre Haͤup⸗ ter wandten ſich an mich, und verlangten, daß ich
mich an ihre Spitze ſtellen, und fie gegen ihre Feinde aenfuͤhren ſollte. Da ich ein Fremder war, und keine von beyden Nationen gern beleidigen wollte, fü geriet ich dadurch in keine geringe Verlegenheit.
x 5 Hätte
42 Haͤtte ich Nice geweigert, den Nadoweſſ ern beh⸗ zuſtehn, ſo wuͤrde ich ihren Unwillen auf mich ge⸗
zogen haben, und hätte ich Feindseligkeiten gegen die Tſchipiwaͤer veruͤbt, ſo wuͤrde ich ſie mir zu Feinden gemacht haben, und waͤre ich auch gluͤck⸗ lich genug geweſen, ihnen diesmahl zu entkommen, ſo wuͤrden ſie mich doch ihre Rache gewiß nachher haben fühlen laſſen. Ich ſchlug daher in dieſer Noth den Mittelweg ein, und bat die Nadoweſſter, den Tſchipiwaͤern entgegen zu gehn, und zu ſuchen ihre Wuth abzuwenden. Sie willigten ungern darein, da ſie glaubten, daß wegen des eingewurzelten Haſſes beyder Nationen gegen einander, meine 0 Wonſtelhgen vergeblich feyn würden. | Ich nahm meinen Franzoſen mit mir, der die Sprache der Tſchipiwaͤer reden konnte, und gieng 5 geſchwind nach der Seite, wo ſie herkommen ſollten. Die Nadoweſſter blieben unterdeſſen in einer Ent⸗ fernung zurück, Wie ich mich ihnen mit der Frie⸗ | denspfeiffe naͤherte, kam eine kleine Anzahl ihrer Anfuͤhrer auf eine freundſchaftliche Art auf mich zu, mit denen ich durch meinen Dollmetſcher eine lange Unterredung fuͤhrte. Der Erfolg davon war, daß ſie ſich durch mich uͤberreden ließen, diesmahl ihren Haß fahren zu laſſen, und ohne ihr grauſa⸗ mes Vorhaben auszufuͤhren, zuruͤck zu kehren. Waͤh⸗
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| Wahrend unſter Unterhandlung bemerkte ich, wie ſie zerſtreut herum lagen, daß die Parthey ſehr zahlreich war, und daß viele von 1 Flinten | Bau | Da ich meine Wemhantang gluͤcklich geendigt hatte, ſo kehrte ich zu den Nadoweſſtern zuruͤck, und rieth ihnen, ihr Lager unverzuͤglich in einer | andern Gegend aufzuſchlagen, aus Furcht, ihre Feinde möchten ihr gegebenes Verſprechen bereuen, und ihr Vorhaben noch ins Werk richten. Sie folgten mir willig, und fiengen ſo gleich an, ihre Zelte abzubrechen, wobey ſie mich mit Dankbezeu⸗ gungen uͤberhaͤuften. Ich begleitete ſie bis an ihre Kanoen, und ſetzte darauf meine Reiſe weiter fort.
. Dieſer Friedensſtiftung hatte ich nachher vor⸗ zuͤglich meine gute Aufnahme bey den Nadoweſſtern der Ebenen zu danken, die mir waͤhrend meines Aufenthaltes bey ihnen viel Achtung und Ehren⸗ bezeugungen bewieſen; und wie ich viele Monathe nachher in dem Dorfe der Tſchipiwaͤer, nahe bey den Seen Ottowa ankam, ſo erfuhr ich, daß mein Ruhm ſchon vor meiner Ankunft bey ihnen erſchallt war. Die Haͤupter empfiengen mich mit vieler a Treuherzigkeit, und die aͤltern dankten mir dafür, daß ich ſo viel Unheil abgewandt haͤtte. Sie ſag⸗ ten mir, daß der Krieg zwiſchen ihrer Nation und den
den Nadoweſſtern über vierzig Winter ununterbro⸗ chen fortgedauert haͤtte. Sie haͤtten zwar lange gewuͤnſcht, ihm ein Ende zu machen, allein die jungen Krieger von beyden Voͤlkerſchaften, die ihre Hitze, wenn ſie ſich einander begegneten, nicht mäßigen konnten, hätten es verhindert. Sie ver⸗ ſicherten mich, ſie wuͤrden ſich ſehr gluͤcklich fehägen, wenn irgend ein ſo friedfertiger Mann von Anſehn, wie ich, der dabey eine eben ſo große Entſchloſ⸗ ſenheit und Kaltbluͤtigkeit beſaͤße, ſich hier im Lande unter den beyden Nationen niederlaſſen wollte ‚da durch feine Vermittelung leicht ein Vergleich, den ſie ſehnlichſt wuͤnſchten, koͤnnte zu Stande gebracht werden. Da ich in der Folge keine Nadoweſſter weiter antraf, ſo hatte ich keine Gelegenheit ‚ein
ſo gutes Werk zu befördern. ı Ungefähr dreißig Meilen unterhalb dem Waſſer⸗ falle von St. Anton, den ich zehn Tage nach meiner Abreiſe vom See Pepin erreichte, iſt eine merkwuͤrdige Hohle von einer erſtaunlichen Tiefe. Die Indier nennen ſie Waͤkon⸗tibe, die Wohnung des großen Geiſtes. Der Eingang iſt ungefähr zehn Fuß weit, und fuͤnf Fuß hoch. Die Hoͤhe des innern Gewoͤlbes betraͤgt funfzehn Fuß und ſeine Breite ungefaͤhr dreißig Fuß. Der Boden beſteht aus einem feinen klaren Sande. Ungefähr zwan⸗ zig
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zig Fuß vom Eingange fängt ein See an, deſſen
Waſſer vollig durchſichtig iſt, und der ſich ſo weit
erſtreckt, daß man ſein Ende gar nicht hat ausſuͤn⸗ dig machen koͤnnen, da die Dunkelheit der Hoͤhle
keine genaue Unterſuchung erlaubt. Ich warf einen kleinen Stein mit aller meiner S Staͤrke über denſel⸗ ben hin, der, ſo klein er auch war, wie er ins Waſſer fiel, ein erſtaunlich fuͤrchterliches Geraͤuſch machte, das durch dieſe ganze ſchauervolle Gegend wiederhallte. Ich fand in dieſer Hoͤhle viele indiſche Hieroglyphen, die ſehr alt zu ſeyn ſchienen, denn die Zeit hatte ſie faſt ſo ſehr mit Mooße bedeckt, | daß ich ihnen kaum nachſpuͤren konnte. Sie wa⸗ ren auf eine rauhe Art an der innern Seite der Waͤnde ausgehauen, die aus einem ſo weichem | Steine beftanden, daß man leicht mit einem Meſſer hineinſtechen konnte. Man trifft dieſe Steinart uͤberall am Miffippi an. Es giebt nur einen engen und ſteilen Zugang zu dieſer Hoͤhle ö der bas am Rande des Fluſſes fortlaͤuft.
In einer kleinen Entfernung von dieſer ſlachter⸗ lichen Hohle iſt ein Begraͤbnißplatz von verſchied⸗ nen Staͤmmen der Nadoweſſtier. Dieſe Voͤlker⸗ ſchaften haben zwar keinen feſten Wohnplatz, ſon⸗ dern ſie wohnen in Zelten, und halten ſich nur we⸗ nige Aaunacche auf einer Stelle auf, allein dem un⸗ . „ geachtet
geachtet bringen fie immer die Gebeine ihrer Ver⸗ ſtorbenen hieher, wenn ihre Oberhaͤupter zuſammen⸗ kommen, um ſich uͤber die öffentlichen Angelegen⸗ heiten fuͤr den kuͤnftigen Sommer zu berathſchlagen. Zehn Meilen unterhalb des Waſſerfalles St. An⸗ ton fälle der Fluß St. Peter, den die Einge⸗ bohrnen? Wadapameneſotor nennen, auf der Weſt⸗ ſeite in den Miſſtſippi. Pater Hennepin erwaͤhnt feiner nicht, da er doch ein großer ſchöͤner Fluß iſt. An dieſem Irthume war vermuthlich eine kleine In⸗ ſel ſchuld, die grade vor ſeiner Muͤndung liegt, und ihn verbirgt. Ich wuͤrde dieſen Fluß ſelbſt nicht entdeckt haben, wenn ich mich nicht von den gegenuͤberliegenden Anhoͤhen, die ſich ziemlich u erheben, darnach umgeſehen hätte.
Faſt grade dieſem Fluſſe gegenuͤber zwang mich das Eis, meinen Kanoe zu verlaſſen, und zu Lande nach dem Waſſerfalle von St. Anton zu reiſen, wo ich den 17ten November ankam. Der Miſſiſippi iſt vom St. Petersfluſſe an bis hieher etwas reiſſen⸗ der, als ich ihn bisher angetroffen hatte, und man ſieht gar keine Inſeln von irgend engen en keit darin. 00
Noch ehe ich meinen 9 verließ, Ko 10 einen jungen Prinzen von den Winnebagoern an, der als Aan zu den Nadowefli . Wilen
e | ſchaf⸗
fall beſehen wollte, ſo ließ er es ſich gefallen, mich
dahin zu begleiten, weil ſeine Neugierde oft durch die Erzaͤhlungen davon, die er von einigen ſeiner Oberhaͤupter gehoͤrt hatte, war rege gemacht wor⸗
en. Er ließ daher ſeine Familie (denn die Indier
ſchaften gieng. Da er hörte, daß ich den Waſſer⸗
reifen nie ohne ihre ganze Haushaltung) hier unter
der Aufficht meines Mohaak Indiers zurück, und wir beyden giengen, blos in Begleitung meines franzoͤſiſchen Bedienten, zu Lande nach dieſem 8
ruͤhmten Waſſerfalle.
Wir konnten ſchon i in einer Entfernung von funf, | zehn engliſchen Meilen das Geraͤuſch des Waſſers deutlich hoͤren, und mein Vergnuͤgen und Erſtaunen wuchſen immer, je naͤher ich dieſem Wunderwerke der Natur kam. Allein ich konnte dieſen Regungen
nicht lange nachhaͤngen, da das Betragen meines
Gefaͤhrten meine ganze Aufmerkſamkeit an ſich zog. Der Prinz hatte kaum die Spitze erreicht, von
welcher man dieſen bewundernswuͤrdigen Waſſerfall
uͤberſehn kann, als er anfieng, mit vernehmlicher
Stimme zu dem großen Geiſte zu beten, weil er
glaubte, daß dieß einer von ſeinen Wohnplaͤtzen waͤre. Er fagte ihm vor, daß er einen weiten Weg gereiſt waͤre, um ihn bier anzubeten, und | daße er ihm jetzt das beſte Opfer, das er in feiner
Macht
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Macht hätte, darbringen wollte. Er warf ar zuerſt feine Pfeiffe in den Strom, und das Futte⸗ ral, worinn er ſeinen Toback auf bewahrte; darauf folgten die Armbaͤnder, die er am Oberarme und am Handgelenke trug, ſein Halsband, das aus Draht und Roſenkraͤnzen beſtand, und zuletzt ſeine Ohrringe; kurz er ſchenkte ſeinem Gotte alles, was ſich nur von einigem Werthe in ſeinem Anzuge befand. Waͤhrend der Zeit ſchlug er ſich oft auf die Bruſt, ſchleuderte ſeine Arme umher, und ſchien überhaupt in heftiger Bewegung zu ſeyn. Er ſetzte zugleich fein Gebet immer fort, und endigte es damit, daß er den großen Geiſt um ſei⸗ nen Schutz auf unſrer Reiſe, um eine glaͤnzende Sonne, einen blauen Himmel, und helles heitres Wetter bat. Er gieng auch nicht von der Stelle weg, bis wir dem großen Geiſte zu Ehren eine Pfeiffe zuſammen geraucht hatten. 17 5 Ich wunderte mich ungemein, ein Beyſpiel von ſo erhabener Andacht bey einem jungen Indier zu ſehn, und anſtatt mich uͤber ſeine Ceremonien daben aufzuhalten, wie mein katholiſcher Bediente heim⸗ lich that, ſo vermehrten vielmehr dieſe aufrichtigen Beweiſe von Froͤmmigkeit meine Hochachtung für ihn, und ich zweifle nicht, daß fein Opfer und Ge⸗ bet dem allgemeinen Vater der Menſchen eben fo ange⸗
angenehm waren, als wenn fie mit gebferm Ge⸗ praͤnge und an einem e Orte wären 0
90 ea worden. KIN, nah | Ueberhaupt nahm mich das ganze Beg bie |
ſes jungen Prinzen ſehr fuͤr ihn ein. In den we⸗ nigen Tagen, die wir bey einander waren, fü chien ſeine ganze Aufmerkſamkeit darauf gerichtet zu ſeyn, mir zu dienen, und ſelbſt in dieſer kurzen Zeit gab er mir ſo viele Beweiſe einer edeln und uneigen⸗ nuͤtzigen Freundſchaft, daß ich ihn bey unſrer Zu⸗ ruͤckkunft ſehr ungern verließ. Wenn ich uͤber un⸗ gekuͤnſtelten, die aber um ſo mehr einnehmenden
Sitten dieſes jungen Wilden nachdachte, ſo konnte
ich nicht umhin, einen Vergleich zwiſchen ihm und etlichen von den feinern Einwohnern geſitteter Laͤn⸗ e anzuſtellen, der wirklich nicht ſehe 85 Vor⸗ KL. n der leztern ausfiel. „
Der Waſſerfall von St. Anton ah ſeinen
Rahmen vom Pater Ludwig Hennepin, einem fran⸗
2
zöſiſchen Miſſtonaͤr, der dieſe Gegenden im Jahre
1680 durchreiſte, und der erſte Europäer war /
ber f ich vor den Wilden ſehn ließ. Der Fluß, der hier uber ſiebenhundert und funfzig Fuß breit iſt,
A macht hier einen ungemein praͤchtigen Waſſerfall.
Das Waſſer ſtuͤrzt ſich ſenkrecht über dreiffig Fuß wa und die vielen Wirbel, die man auf einer
Carvers Reiſen. D Strecke
1. 1
0 Strecke von neunhundert Fuß antrift, . a. Fall noch) weit beträchtficher, und machen, daß man ihn in einiger Entfernung für weit höher anſieht, | als er wuͤrklich iſt. Pater Hennepin ſchaͤtzt ihn auf ſechszig Fuß, allein er machte einen eben ſo großen Fehler bey der Berechnung des Waſſerfalls zu Nia⸗ gara, deſſen Hoͤhe er auf ſechshundert Fuß angab; da ſie doch nach neuern und genauern Meſſungen
nicht uͤber hundert und vierzig betraͤgt. Allein ich
fuͤrchte, der gute Pater baute ſeine Rechnungen
uͤberhaupt nur zu ſehr auf fache Sitzen er
eine fluͤchtige Unterſuchung.
In der Mitte des Waſſerſals ſtebt ei eine e kleine Aufl, die ungefähr vierzig Fuß breit und etwas laͤnger iſt. Es wachſen blos etliche ſchlechte ame⸗ rikaniſche und andre Tannen darauf. Ungefaͤhr auf der Haͤlfte der Weite zwiſchen dieſer Inſel und dem oſtlichen Ufer grade am Rande des Falles liegt ein Felſen i in einer ſchiefen Richtung, der ungefaͤhr ſechs Fuß breit, und dreiſſig bis vierzig Fuß lang zu ſeyn ſchien. Dieſer Waſſerfall iſt dadurch von allen uͤbri⸗ gen, die ich kenne, ſehr unterſchieden, daß man ohne die geringſte Hinderniß von Huͤgeln oder Klüften anzutreffen, dicht an ihn kommen kann. Die Gegend hier herum iſt ungemein ſchoͤn. | Sie, batch aus keiner animdthrachenen Ebene, nz f re Er
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\ wo en Auge gar keinen Rubevaultk finden kann, ſondern aus vielen ſanften Anhoͤben 10 die i im Som⸗ mer mit dem ſchönſten Grün bedeckt find, und hin und wieder durch kleine zerſtreute Waͤlder einen ſehr angenehmen und mannigfaltigen Anblick ver⸗ urſachen. Ueberhaupt „wenn man den Waſſerfall dazu nimmt, der ſich ſchon in einer Entfernung von vier engliſchen Meilen zu zeigen anfängt, fo laͤßt ſich kaum eine ſo ſchoͤne und mahleriſche Land⸗ ſchaft denken. Nur war es S Schade für mich, daß ich zu keiner beſſern Jahrszeit hier war, da jetzt Baͤume und Huͤgel ihr prächtigftes Gewand nicht mehr anhatten, und dadurch viel von ihrer Schoͤn⸗ beit verlohren; aber auch ohne dieſen Schmuck uͤbertraf die Gegend meine feurigſte Erwartung. Ich habe mich bemuͤht, meinen leſern eine fo. ges naue Vorſtellung von dieſem reitzenden Gegenſtande der Natur zu geben, als es mir moͤglich war; aber jede Beſchreibung, mit der Feder oder mit dem Pinſel, muß dem en Berl weit nachſtehn. Kane‘ e e
In einer kleinen fenen rbb des A Waſſerfalles ſteht eine kleine Inſel, die ungefaͤhr f anderthalb engliſche Morgen betraͤgt. Es wuchs eine Menge Eichbaͤume darauf, und jeder Zweig, in u nur * genug war, das Gewicht zu tragen, e e war
a
32 war voller Adlerneſte. Dieſe Vögel Sehn ſich
in ſolcher Menge hieher, weil ihr Aufenthalt durch die vielen Wirbel, über die ſich kein Indier wagt, gegen alle Angriffe von Menſchen und Thieren in Sicherheit geſetzt wird. Auſſerdem finden ſie hier an den Fiſchen und Thieren die vom Waſſerfalle zerſchmettert und ans Ufer geworfen werden, - ſich und ihre Jungen hinreichende Nahrung. Wie ich meiner Neugierde, ſo weit, als ein menſchliches Auge befriedigt werden kann, ein Ge⸗ nuͤge gethan hatte, ſo gieng ich i in Begleitung mei⸗ nes jungen Freundes weiter, bis ich den Fluß St. Franziseus erreichte, der ſechszig Meilen uͤberhalb des Waſſerfalles liegt. Er erhielt feinen Rahmen | vom Pater Hennepin, deſſen Reifen er, ſo wie den meinigen, gegen N ordweſten, ihre Grenzen ſetzte. Da die Jahrszeit fo ſpaͤt, und das Wetter ſo kalt war, ſo war ich nicht im Stande, ſo viele Beobach⸗ tungen in dieſen dere eee 105 Br — gewuͤnſ ſcht haͤtte. |
| Ich muß jedoch we lee J daß ich anf 10 kleinen Reiſe , die ich oberhalb des Waſſerfalles that, vierzehn Meilen davon, einen ungefaͤhr ſechs⸗ zig Fuß breiten Fluß antraf, der von Nordoſten herkam und Rumfluß heißt. Am zwanzigſten No⸗ e kamen! wir an einen zweyten Fluß, der
Gaaͤnſe⸗
Gaͤnſefluß genannt, der ungefähr ſechs und dreißig Fuß breit war. Hier fängt der Miſſiſippi an ſchmaͤler zu werden „und ſeine Breite betraͤgt ga ungefähr. zweyhundert und ſiebenzig Fuß. ſcheint groͤßtentheils aus kleinern Armen zu wi Das Eis hinderte mich „ die Tiefe von Auen drey Fluͤſſen zu unterſuchen. |
Die Gegend iſt an einigen ( Stelle pole EL unter denen ſich aber keine hohe Berge befinden. Ich fand hier viele Rehe, und Rennthire und einige Elendthiere. Bieber, Ottern und and ere Pelzthiere waren ſehr häufig. Etwas weiter von hier gegen Nordoſten, giebt es eine Menge kleiner Seen, die tauſend Seen genannt, in deren Ge⸗ gend, die wenig beſucht wird „die beſte J Jagd auf viele Meilen umher angetroffen wird, da der Jaͤ⸗ ger verſichert ſeyn kann „ immer beladen daraus zuruͤck zu kehren. | | Niemand bat den Miffi ſippi höher bien, als bis
| zum St. Petersfiufe unterſucht, und blos Pater
Hennepin und ich kamen ſo weit. Alles, was wir von
den noͤrdlichern Theilen wiſſen, haben wir daher blos den Indiern zu! danken. Dieſer Fluß iſt von dem Meere an nicht weiter als bis zum Ausfluſſe . des Ohio für Fahrzeuge von einiger Größe ſchiff bar, a fefof bis dahin konnen fie wegen des reiſſen⸗ 0 . den
54 den Stromes und der vielen Kruͤmmungen nicht ohne viele Mühe kommen. Kolonien, die weiter landeinwaͤrts an ihm angelegt waͤren, „ würden das her gegen jeden Angriff von einer Seemacht völlig ſicher ſeyÿn. Dem ungeachtet koͤnnten die Einwoh⸗ ner ihre Produkte mit großer Bequemlichkeit von der Quelle des Stroms bis an den Meerbuſen von Mexiko hinunter bringen, da er kleine Fahrzeuge ſehr gut tragen kann. Vielleicht koͤnnte die Schif⸗ flahrt noch durch Kanäle und kuͤrzere Durchſchnitte erleichtert werden. Nach Neu⸗Pork und Kanada „ le ſich uͤber die Seen ebenfalls leicht eine Ge⸗ meinſchaft eröfnen. Der Einfluß des“ Ohio iſt nach dem Laufe des Fluſſes zu rechnen 5 ungefaͤhr neun⸗ hundert engliſche Meilen von der Muͤndung des Miſſiſippi entfernt; und der Meſſorie liegt ungefahr noch zweyhundert Meilen höher. Don diefem bis “ zum Fluſſe Illinoa ungefaͤhr zwanzig Meilen, und vom Illinoa bis zum Uisconſin, den ich ſchon be⸗ ſchrieben habe, ſind noch ungefähr ne Me len weiter. 5 | Den fünfund zwanzigſten kehrte ich macht meinem a Kanoe, den ich an der Muͤndung des St. Peters⸗ Fluſſes verlaſſen hatte, zuruͤck; und hier nahm ich ſehr ungern von meinem jungen Freunde, dem Prinzen der W Abſchied. Da dieſer Fluß
Fluß wegen feiner ſüdlichen Lage vom Eife frey war, ſo fand ich nichts, das meine Fahrt haͤtte g hindern können. Den acht und zwanzigſten hatte ich ungefähr vierzig Meilen zuruͤck gelegt, und kam an einen kleinen Arm, der von Norden her ſich mit
ihm vereinigte, und den ich, da er noch keinen Nahmen hatte, nach mir benannte. Meine tefer werden ihn auf meiner Reiſekarte unter dem Nah⸗ me en von Carversfluſſe finden. Ungefähr vierzig Meilen weiter hinauf kam ich an den Ausfluß der rothen und weiſſen Marmorfluͤſſe, die ſich kurz vor⸗ her mit einander vereinigen, ebe ve in den St Gr fallen. . | Der Fluß St. Peter iſt bey ſeinem Einſtuſſe i e in den Miſſtſippi etwa dreyhundert Fuß breit, und behält dieſe Breite ſo weit, a als ich ihn hinaufſegelte. | Er iſt ſehr tief und an verſchiednen Stellen unge⸗ mein reiſſend. Ungefähr funfzig Meilen von ſeiner Mündung giebt es einige Wirbel, t nd weit böher binauf trift man deren noch viele an. | Ei.) gieng dieſen Fluß ungefaͤhr dwerhundert Meilen bis an das Land der Nadoweſſier von der Ebene hinauf. Dies Land liegt etwas überhaf6
der Landzunge, welche der eben erwähnte gruͤne und rothe Marmorfluß machen, und wo ein Arm von . ber ſi er beynahe mit dem Meſſorie verei⸗ * D 4 nigt.
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nigt. Nach den Nachrichten zu urtheilen, die ich von den Indiern erhielt, fo muͤſſen die Fluͤſſe Dep ſorie und St. Peter, ungeachtet ſie zwoͤlf hundert Meilen von einander in den Mir iſippi fließen, nahe bey einander, und ſogar blos in der Entfernung won einer Meile, entſpringen. Der nordliche Arm des Fluſſes St. Peter entſteht aus einer Menge Seen, nahe bey den glaͤnzenden Bergen, und aus eben dieſen Seen kommt ein Hauptarm des Fluſſes Burbon her, der in Hudſons Meerbuſen fälle. Ich erfuhr von den Nadoweſſiern, bey denen ich den ſiebenten December ankam, und deren Sprache ich vollkommen in ſieben Monaten lernte, daß die vier Hauptſtroͤme von Nordamerika, nem⸗ | lich der St. Lorenz, der Miſſiſippi, der Burbon und der Oregan, oder weſtliche Fluß, wie ich ſchon in meiner Einleitung angefuͤhrt habe, nicht weit von einander entſpringen. Die Quellen der drey erſten Flͤſe find nicht über dreißig Meilen von einander entfernt, allein der Oregan liegt weiter nach Weſten zu. Dieſe Nachricht ward 8 nachher durch die Erzaͤhlung der Aſſinipoilen be ſtaͤtigt, welche die Sprache der tadoweſſier reden, von denen ſie ſich durch Empörung getrennt haben. Auch die Killiniſtoer, die Nachbaren von den Aſſi⸗ nipoilen ſind, und mit den Tſchipiwaͤern einerley no. 8 Sprache
„ JN. Sprache haben, und meine eignen Beobachtungen
bekraͤftigten in der Folge dieſe Entdeckung, welche bedeiſt, aß dies die höchite Gegend in Mime rifa iſt. \
Es giebt ſonſt e in den dren ubrigen
= Weitcheilen kein Beyſpiel, daß vier ſo große Fluͤſſe ſo nahe bey einander entſpringen, und dennoch jeder ſeinen verſchiednen Lauf nimmt, und ſich zwey tau⸗ | ſend Meilen von feiner Quelle in ein beſondres
Meer ergießt. Denn von dieſer Gegend rechnet
man oſtwaͤrts nach dem Meerbuſen von St. to renz, ſuͤdwaͤrts nach dem Meerbuſen von Mexiko, | nordwaͤrts nach Hudſonsbay, und weſtwaͤrts nach dem Meerbuſen bey der Straße von Anian uͤber zwey tauſend engliſche Meilen. | Ich will jetzt meinen Leſern die Gedanken vor⸗ a tragen, die bey mir entftanden, als ich dieſe wich, tige Nachricht erhielt, und mich durch unzaͤhlige Nachfragen von ihrer Wahrheit wenigſtens ſo weit uͤberzeugt batte, als man irgend von einer Sache ohne perſoͤnliche eee een werden kann. Ak Es iſt bekannt daß die Kolonien „ werielich | Ren, England und Kanada, wenn der Winter ein⸗ tritt, verſchiedne Monathe hindurch fehr von Nord⸗ I weſtwinden leiden, wodurch die Kälte größer wird, D . als
fahrung beſtaͤtigen, denn ich fand den Winter, den ich auf der Weſtſeite des Miſſiſippi zubrachte, nichts
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als man ſie in den i innern Theilen von Nordame
rika findet. Ich kann dies mit meiner eignen Er⸗
weniger als hart, und die Rordweſtwinde, die in den dortigen Gegenden. weheten, weit gelinder, als
Und daß dies nicht blos einem beſonders warmen
Winter zuzuſchreiben war, ſondern ſich alle Jahre
zutrug, konnte ich daraus ſchlieſſen, daß damahls nur ſehr wenig Schnee fiel, und daß die Indier
überhaupt Schneeſchuhe gar nicht kannten, ohne
zu herrſchen pflegen, nicht vielleicht dem Laufe des Miſſiſippi über das feſte Sand folgen, bis fie ie mit den Nordwinden zuſammen ſtoßen, die aus einer | ahnlichen Urſache vom Hudſonsmeerbuſen den Burbon hinauf wehen? Sollten alsdenn beyde
welche bey den ra eee, ker e, fortzufommen ift.
Naturkuͤndiger RN daß die luft dem Waſſer in vielen Stuͤcken ahnlich iſt vorzüglich
| darinn, daß ſie oft in einem dichten Körper fließt, und daß dieſer Luftſtrom gewohnlich dem Laufe großer Stüffe folgt, und nur ſelten queer über ſie weggeht. Sollten daher die Stroͤme, die gegen
das Ende des Jahrs im Meerbuſen von Mexico
verei⸗
ich ſie oft naͤher gegen die Kuͤſte zu bemerkt hatte.
—
\
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vereinigte Winde, die jetzt uͤber die großen Seen
und laͤngſt den Strom St. dorenz hinuntergetrie⸗ ben werden, nicht die Verwuͤſtungen anrichten, und die harten Winter verurſachen, die in den
n vorhin erwaͤhnten Gegenden ſo haͤufig ſind? Auf ihrem Wege uͤber die Seen dehnen ſie ſich weiter
aus, und koͤnnen ſich daher uͤber einen groͤßern
Landſtrich ausbreiten, als ſie ſonſt thun wuͤrden.
Nach meiner geringen Einſicht in die Natur⸗ kunde iſt dies gar nicht unwahrſcheinlich, allein ich kann nicht beſtimmen, ob es den Geſetzen ange⸗
meſſen ift, welche die Naturkuͤndiger zur Erklaͤrung der Wuͤrkungen dieſes Elementes feſtgeſetzt haben.
Doch wird vielleicht meine Beſchreibung des Laufs
dieſer großen Waſſerſtröme, und ihr naher Urſprung 5 einander, nebſt meinen rohen Theorien uͤber ihren Einfluß auf den Wind, in geſchickteren Haͤnden An⸗
f laß zu vielen nuͤtzlichen Entdeckungen geben können.
Den ſiebenten December erreichte ich wie ich ſchon vorhin anführte, das Äufferfte Ende meiner Reiſe nach Weſten, und traf einen großen Haufen
Nadoweſſier an, bey denen ich mich ſieben Mo⸗
| nathe aufhielt. Sie machten einen Theil von den acht Stämmen der Nadoweſſier der Ebenen aus, und wurden Wapintowaher, Tintoner, Arche N Nahaer und Schianer genannt. Die
buten, drey
N 1 IE ne, I 1
5
drey lbrigen Stämme, die Schianiſer, die Tſchon⸗ guſcetoner und die Waddapädſcheſtiner wohnen hoͤher hinauf, und weſtwaͤrts vom Fluſſe St. Pe⸗
ter auf Ebenen, die ihrer Ausſage nach keine Gren⸗
zen haben, und ſich vermuthlich bis an die Kuͤſte
des ſtillen Meeres erſtrecken. Die ganze Bolten
ſthaft der Nadoweſſier beſteht zuſammen genom⸗
Aſſinipoilen, die ſich empoͤrten und von ihnen trenn⸗
ten, belaufen ſich auf dreyhundert, und leben ſo wie die Killiniſtoer in beftändiger deindſ haft mit 0 den eilf übrigen Stämmen.
men aus mehr als zweytauſend Kriegern. Die
Wie ich den Fluß St. Peter inguß fube, 4 a |
ſchon nahe an den Ort gekommen war, wo dieſe Voͤlkerſchaften ihr Lager hatten, fü bemerkte ich zwey bis drey Kanoen, die den Fluß herunter
kamen. Allein kaum hatten die Indier, die darinn waren, uns bemerkt, ſo ruderten ſie gegen das Ufer, ſprangen mit der größten Beſtuͤrzung ans
Land, und fieffen ihre Kanoen treiben. Etliche Minuten darauf ſah ich noch einige andre, die, ſo bald ſie uns anſichtig wurden, eben ſo ſchnell dem Beyſpiele ihrer Landsleute folgten. e Ich hielt es daher jezt für noͤthig, mit Behut
ſamkeit weiter zu gehn, und bielt mich daher dicht
am Ufer an der andern on des Fluſſes. Jedoch W
3%
ſeßte ich meine 1 fort, da ich glaubte, daß
mich die F riedenspfeiffe, die vorn an meinem Kane. aufgeſteckt war, und die engliſche Flagge, die binten wehte, in Sicherheit ſetzen würden. Als ich ungefähr noch eine halbe Meile weiter gerudert war, und um eine Landſpitze herumkam, ſo erblickte ich
eine große Menge von Zelten, und uͤber tauſend 5 Indier i in einer kleinen Entfernung vom Ufer. Da
ich nun ihnen faſt gegen über war, fo befahl ich meinen deuten, grade auf fie zuzurudern, um ih⸗
nen durch dieſen Schritt zu zeigen , poor ich au
frauen in ſie ſetzte. So bald als ich ans Land geſtiegen war, 0 reich⸗
ten mir zwey von ihren Haͤuptern die Haͤnde, und
‚führten mich mitten durch die erſtaunte Menge,
von der die meiſten nie einen weiſſen Menſchen ge⸗ ſehn hatten, nach einem Zelte. Wir giengen hin⸗ ein, und ſingen, nach einer bey allen indiſchen Voͤl⸗
g kerſchaften eingeführten Gewohnheit, an, die Frie⸗
denspfeiffe zu rauchen, allein der Zulauf war bald ſo groß / daß wir Gefahr liefen, unter dem Zelte
erdruͤckt zu werden. Wir gingen daher auf die
Ebene zuruͤck, wo das gemeine Volk beſſere Gele⸗ genheit hatte, ſeine Neugierde zu befriedigen. Es
| 5 waͤhrte nicht lange, ſo ſah es mich ſchon nichtmehr
als ein Wunderthier an, und begegnete mir nachher
immer mit vieler AR Bi, Die
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| Die Oberhaͤupter empfingen mich auf die freundſchaftlichſte und gaſtfreyeſte Art, wodurch ich bewogen ward, da ohnehin die Jahrszeit ſchon fo
weit verſtrichen war, den Winter uͤber mich bey
ihnen aufzuhalten. Um mir die Zeit ſo angenehm
zu machen, als es mir moͤglich war, fo ſuchte ich
zuerſt, ihre Sprache zu lernen, womit ich bald ſo weit Fam, daß ich mich völlig verſtaͤndlich machen konnte, da ich ohnehin vorher ſchon eine geringe Kenntniß von der Sprache der Indier beſaß, die hinten an den Kolonien wohnen. Ich erwarb mir
dadurch in der Folge alle Bequemlichkeiten, die ihre
Lebensart mit ſich bringt. Auch fehlte es mir nicht
an Zeitvertreibe, um eine lange Zeit vergnuͤgt zu⸗ 7 Ä 2 7 5 7 . 8 zubringen. Ich jagte oft mit ihnen, und ſah zu andern Zeiten gern ihren Beluſtigungen und Spie⸗
len zu, die ich nachher beſchreiben werde.
Oft ſaß ich bey den Oberhaͤuptern, und rauchte eine freundſchaftliche Pfeiffe mit ihnen. Ich er⸗
zahlte ihnen daben zur Vergeltung fuͤr die Nachrich⸗
‚fen, die ſie mir von ihren Begebenheiten und Kriegszuͤgen mittheilten, meinen eignen Lebens⸗
lauf, und beſchrieb ihnen alle Schlachten, die in
Amerika zwiſchen den Englaͤndern und Franzoſen vorgefallen waren, und bey denen ich groͤßtentheils geweſen war. Sie gaben auf jeden kleinen Um⸗ ie | Klier iu
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ſtand Achtung „und thaten oft ſehr geſcheute gra gen über die europaͤiſche Art, Krieg zu führen.
„Ich ließ mich mit ihnen in ſolche Uhterrebun, a größtentheils deswegen ein, um mir eine
Kenntniß von der Lage und den Produkten ihres
eignen Landes und der mehr nach Weſten zu ge⸗ legenen Länder; zu verſchaffen, worauf ich immer i mein Hauptaugenmerk gerichtet hatte. Ich fand
auch in meiner Erwartung keinesweges ber
een indem ich von ihnen viele nuͤtzliche Nach⸗ richten erhielt. Sie zeichneten mir Karten von allen Gegenden, die ſie kannten; allein da ich eben keine große Meinung von ihren geographi⸗ ſchen Kenntniſſen hatte, ſo baute ich nicht viel darauf, und halte es auch jetzt fuͤr uͤberfluͤſſig, fie | dem Publikum mitzutheilen. Doch machen die, welche ich nachher durch andre Nachrichten oder meine eignen Beobachtungen fuͤr richtig befand, einen Theil von der dieſem Werke beygefuͤgten darte aus. Sie zeichnen mit einer Kohle, die fie | vom Heerde nehmen, auf die innere Rinde einer Birke, die ſo glatt iſt, als Papier, und ſich vollig a ſo e gut brauchen laͤßt, ungeachtet ſie etwas gelblicht | iſt. Ibre Zeichnungen ſind ſehr raub, allein fie a geben einen recht guten Begriff von der Gegend, die aber nne IM: Karte nicht ſo genau a) iR . Vor⸗
vorgeſtelle ift, als mehr nen agnes es thun koͤnnten.
Ich verließ die Wohnungen dieſer gaſtfteien Wilden gegen das Ende des Aprils 1767, allein beynahe dreyhundert von ihnen, unter denen ſich viele von ihren Oberhaͤuptern befanden, begleite⸗ ten mich bis an den Ausfluß des St. Petersfluſſes, und trennten ſich erſt nach etlichen Tagen von mir. Um dieſe Zeit gehn dieſe Staͤmme alle Jahr nach der großen Hoͤhle, deren ich ſchon vorhin 8 waͤhnt habe, um mit allen uͤbrigen Staͤmmen einen großen Rath zu halten, worin ſie ihre Unterneh⸗ mungen für das kuͤnftige Jahr feſtſetzen. Zugleich nehmen fie ihre Todten, die in Birffelhäute genaͤht ſind, mit ſich, um ſie zu begraben. Auſſer denen, die mich begleiteten, waren ſchon etliche voraus⸗ gegangen, und die übrigen follten nachkommen. Ich bin nie mit einer ſo aufgeraͤumten und mun⸗ tern Geſellſchaft gereiſt, als meine jetzige war.
Allein ihre Freude ward plötzlich durch ein heftiges N Gewitter, das uns auf unſrer Fahrt uͤberſiel, unters brochen. Wir waren eben ans Land geſtiegen, und im Begriffe, unſre Zelte zum Nachtlager aufzu⸗ ſchlagen, als eine dunkle Wolke den ganzen Him mel uͤberzog, und der fuͤrchterlichſte Donner, Blitz und Regen, den ich le erlebt babe, We an ſtuͤrmte. Die
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Die Indier waren ungemein erſchrocken, und ſuchten uͤberall Schutz, wo ſie ihn nur finden konn⸗
ten, denn wir hatten erſt wenige Zelte aufgeſchla⸗
gen. Da ich die Gefahr kannte, die mir bevor ſtand, wenn ich mich bey einer Sache aufhielte, die zum Ableiter dienen konnte, und jezt deſto größer war, da die Wolken eine ſolche Menge von elektriſchen Weſen zu enthalten ſchienen, ſo ent⸗ ich mich ſo ſehr von jeder Bedeckung „als es mir moͤglich war, und wollte mich lieber der Wuth des Regens, als einem rödtlichen Strahle aus⸗ ſetzen. Die Indier wunderten ſich nicht wenig
uͤber mein Betragen, und erhielten eine noch beſſere Meinung von meinem Muthe, als ſie ſchon vorhin zu haben ſchienen. Jedoch muß ich geſtehn, daß ich gar nicht gleichguͤltig dabey war, da ſich kein ſchrecklicher Auftritt in der Natur denken ließ. Die D Donnerſchlaͤge waren ſo heftig, daß die Erde davon erſchuͤtterte, und der Blitz fuhr uͤber dem Boden wie ein Schwefelſtrom hin, ſo daß die Ober⸗ haͤupter der Indier, die doch ſonſt gewoͤhnlich in ihren Kriegen einen unerſchuͤtterten Muth blicken laſſen, ihre Furcht nicht verbergen konnten. So bald, als das Gewitter vorbey war, verſammelten ſich die Indier um mich her, und ſagten mir, daß dies ein Beweis des Zornes der boͤſen Geiſter
Carvers Reiſen. E waͤre,
waͤre die fie wahrſcheiniich ſebr Geige Be müßten.
Mie wir bey der großen Höhle ankamen, ſo be⸗ gruben die Indier ihre verſtorbenen Freunde, auf dem Begraͤbnißplatze, der dichte dabey lag, und fiengen Darauf ihren großen Rath an. Ich ward auch mit dazu gezogen, und hatte zugleich die Ehre, zum Anfuͤhrer ihrer Staͤmme ernannt zu werden. Bey dieſer Gelegenheit hielt ich folgende Rede, die ich hier einruͤcke, um meinen Leſern eine Probe zu geben, wie man die Aufmerkſamkeit der Indier zu erhalten, und ſich auf eine ihren Begriffen an⸗ gemeſſene Art auszudruͤcken ſuchen muß. Es war grade der erſte May c als ich meine Anrede an ſie hielt.
Meine Bruͤder, 1 pet der zablteichen und “mächtigen Nadoweſſter! Ich freue mich, daß mich mein langer Aufenthalt bey euch in den Stand etzt, mit euch, wiewohl auf eine unvollkommne „Art, in eurer eignen Sprache, wie eines von “euren eignen Kindern zu reden. Ich freue mich ‘ferner, daß ich Gelegenheit gehabt habe, euch die Macht und den Ruhm des großen Koͤnigs, der cuͤber die Engländer und andre Volker herrſcht, kund zu thun; der von einem ſehr alten Geſchlechte von Regenten herkoͤmmt, ſo alt als die Erde und
“Se
pie größer find, als ihr fie je geſehn habt, und
mitten in dem größten Waſſer in der ganzen Welt
liegen; deſſen Haupt bis an die Sonne reicht, und edeſſen Arme die ganze Erde umfaſſen; deſſen Krie⸗
“ger fo zahlreich find, wie die Bäume in den Thaͤ⸗ lern, die Reisſtengel in jenen Moraͤſten, oder
Hunderte von eigenen Kanden hat, von ſolcher er⸗
%
<ftaunfihen Größe, daß alles Waſſer in eurem „ande nicht hinreichend ſeyn wuͤrde, eins davon zu
tragen; von welchen jeder Feuerröhre hat, die
nicht fo klein find, als meines, das ich jezt vor emir habe, ſondern von einer ſolchen Größe, daß chundert von euren ſtaͤrkſten jungen Maͤnnern kaum im Stande ſeyn wuͤrden, eins davon zu
“heben. Und es ift eben fo wunderbar, die Wir⸗ kungen zu ſehen, die ſie gegen des großen Königs S Feinde in der Schlacht thun; der Schrecken den *fie verbreiten, kann in eurer Sprache durch keine Worte ausgedruckt werden. Ihr werdet euch der eſchwarzen Wolken, des Sturms, des Feuers, ddes fuͤrchterlichen Geraͤuſches, des ſchrecklichen „Krachens, und des Erdbebens erinnern, das euch ein Schrecken ſetzte, wie wir uns bey dem Wada⸗
neee gelagert hatten, und die euch Anlas
Ea Gaben,
A: | 67 Gewaͤſſer find; deſſen Fuͤße auf zwey Inſeln ſtehn,
“pie Grashalmen auf euren großen Ebenen. Der
8 *
68 ; | “gaben, zu glauben, daß eure Götter über euch kerzuͤrnt wären. Dieſen ſind die Kriegswerkzeuge
eder Englaͤnder ahnlich, wenn ſie die Schlachte hr
“ihres großen Königs liefern. „Verſchiedne von euren Oberbäuptern er | “mir vor Seiten, „als ich in euren Zelten wohnte,
“oft geſagt, daß fie wuͤnſchten, mit zu den Kindern und Bundsgenoſſen des großen Koͤnigs meines
Herrn gerechnet zu werden. Ihr werdet euch “erinnern, wie oft ihr mich gebeten habt, wenn ich nach meinem eignen Lande zurückfehre, dem großen “Könige eure Neigung für ihn und feine Untertha⸗ “nen bekannt zu machen, und daß ihr wuͤnſchtet, da engliſche Handelsſeute zu euch kommen moͤch⸗ “ten. Da ich jezt im Begriff bin, euch zu ver⸗ “laffen, und nach meinem eignen Lande zuruͤck zu
kehren, das weit gegen die aufgehende Sonne
“entfernt liegt ſo frage ich euch wieder, ob ihr noch eben ſo denkt, als wie ich mit euch vorigen
Winter im Rathe ſprach; und da es jezt ver
ſchiedne von euren Haͤuptern hier giebt, die von den großen Ebenen gegen die untergehende Sonne
zu herkamen, mit denen ich nie vorher im Rache
geſprochen habe, fo bitte ich euch, mich wiſſen “zu laſſen, ob ihr alle willig ſeyd, euch fuͤr Kinder
“meines ee Herrn, des Zu der Engländer “und
ddobweſſter mit dir zu reden. Wir glauben, und
und andrer Volker z zu erkennen, da ich die erſte Gele⸗ genheit wahrnehmen werde, ihn von eurem Verlan⸗ gen und euren guten Geſinnungen zu benachrichti⸗ “gen. Ich warne euch, böfen Nachrichten zu glau⸗ “ben, denn es giebt boshafte Voͤgel, die unter den be⸗ “nachbarten Voͤlkern herumfliegen, und die böſe Sa⸗ chen gegen die Engländer euch in die Obren raunen können, gegen das, was ich euch geſagt habe. Ihr muͤßt ihnen nicht glauben, denn ich 155 euch die Wahrheit gefagt.” | And was die Häupter betrifft, die nach M⸗ ſchillimackinac gehn wollen, ſo werde ich Sorge “tragen, für fie und ihr Gefolge einen graden Weg, ruhiges Waſſer, und einen hellen Himmel zu machen; daß fie dort hingehn konnen, die Frie⸗ denspfeiffe zu rauchen, und ſicher auf einer Bie⸗ berdecke unter dem Schatten des großen Baumes des Friedens zu liegen. Lebt wohl.“
Auf dieſe Rede erhielt ich fo! gende Antwort aus dern Munde ihres vornehmſten Oberhauptes. Guter Bruder! Ich bin jezt im Begriff, durch
aden Mund dieſer meiner Brüder, der Oberhaͤupter der acht Staͤmme des maͤchtigen Volkes der Na⸗
find überzeugt von der Wahrheit alles deſſen, was 06 uns! von deinem großen Volke, und dem großen e a 3 «Könige,
Könige, auen. größten Vater, geſagt haſt; fuͤr «den wir dieſe Bieberdecke hinlegen, damit fein “yäterlicher Schutz immer ſicher und fanft unter “uns feinen Kindern ruhen möge. Deine Fahnen „und deine Waffen kommen mit den Beſchreibun⸗ “gen überein, die du uns von deinem großen Volke gemacht haſt. Wir wuͤnſchen, daß, wenn du e zuruͤckkehreſt, du deinem großen Koͤnige ſagen “molleft, wie ſehr wir wuͤnſchen, unter ſeine guten Kinder gerechnet zu werden. Du kanſt glauben, daß wir unſre Ohren keinem öfnen werden, der
bes wagen würde, übel von unſerm großen Vater, dem Könige der Engländer und andrer Völker, | “zu fprechen.” | Mir danken dir für das „was du 1 haft, Friede zwiſchen den Nadoweſſt tern und Tſchipi⸗ waͤern zu ſtiften, und hoffen, daß du, wenn du zu uns zur uͤck kommſt, dies gute Werk vollenden, “und ganz die Wolken vertreiben wirft, die noch “über uns ſchweben, um den blauen Himmel des
Friedens zu öfnen, und die blutige Art tief unter
eden Wurzeln des en eee 8 > Friedens: zu begraben.“
Gi Wir wuͤnſchen, j daß du dich e erinnern e
“unferm großen Vater vorzuſtellen, wie ſehr wir
en daß Handelsleute geſandt werden
“mögen, |
71 mögen, i fi unter uns aufzuhalten mit ſolchen „Sachen, als wir brauchen, damit, die Herzen tunſrer jungen Männer, unſter Weiber und unſrer Kinder fröhlich gemacht werden. Und moͤge der „Friede dauren zwiſchen uns fo lange, als bie “Sonne, der Mond, die Erde und die Gewoͤſſer ene Lebe wohl? 5
Ich hielt es für nothwendig die Indier zu war⸗ nen, irgend ſchlimme Nachreden gegen die Eng⸗ länder, die fie von den benachbarten Voͤlkerſchaf⸗
*
ten hören könnten, Glauben beyzumeſſen, da ich
an verſchiednen Orten, wo ich durchkam, erfuhr, daß die Franzoſen noch jezt Abgeſchickte unterhiel⸗ ten, um die Volkerſchaften, die mit den Englaͤn⸗ dern verbunden waren, gegen ſie aufzubringen. Ich ſah ſelbſt verſchiedne Schnuͤre Wampum, die zu dem Ende an verſchiedne Staͤmme ausgerbeift waren, bey welchen ich mich aufhielt. Bey ihrer
LAuuloeberreichung hielten fie Reden, worinn ſie den
Indiern ſagten, daß die Englaͤnder, ein armſeliges f Volk, dies Land ihrem großen Vater, dem Koͤnige | von Frankreich, geſtohlen hätten, als er ſchlief, allein daß er bald aufwachen, und ſie wieder unter ſeinen Schutz nehmen wuͤrde. Und dieſe Abgeord⸗ neten waren von Leuten in Kanada ausgeſchickt, | wan der nn. ſebr zugethan zu ſeyn ſchienen. N Waͤh⸗
7 | ' Während der Zeit, daß ich mich bey dieſen freund⸗ ſchaftlichen Indiern an der Muͤndung des Fluſſes St. Peter auf hielt, ſo ſuchte ich Erkundigung ein⸗ zuziehn, ob einige Waaren zu meinem Gebrauche nach dem Waſſerfalle von St. Anton waͤren geſchickt worden, wie mir der Kommendant von Miſchilli⸗ mackinae bey meiner Abreiſe verſprochen hatte. Allein ich erfuhr von einigen Indiern, die auf ihrer Ruͤckreiſe aus den dortigen Gegenden hier vorbey kamen „daß dies Verſprechen nicht erfüllt wäre, und ſah mich daher genbthigt, alle Gedanken, auf dieſem Wege weiter nordweſtwaͤrts zu gehn, wie ich mir anfaͤnglich vorgeſetzt hatte, aufzugeben. Ich kehrte daher nach la Prairie des chiens zuruͤck, wo ich von den Handelsleuten, die ich dort das vorige Jahr zuruͤck ließ, ſo viel Waaren erhielt, als ſie zntbehren konnten.
Da dieſe aber nicht hinreichend waren, mein erſtes Vorhaben wieder zu verfolgen, fü entſchloß ich mich, meine Reiſe durch das Land der Tſchipi⸗ waͤer nach dem Obernſee zu nehmen, in der Hof⸗ nung, am großen Trageplatze an der Nordſeite deſſelben die Handelsleute anzutreffen, die alle Jahr von Miſchillimackinac nordweſtwaͤrts gehn, und von denen ich gar nicht zweifelte, ſo viele | ka zu e als ich zu meinem Endzwecke Prag
| 73 brauchte, um von dort aus durch die nordlichen Gegenden bis an die Meerenge von Anian zu ge⸗ . Ich kehrte mit deſto groͤßerm Vergnügen nach la Prairie des chiens zurück, da ich dort mein Verfprechen, das ich einem Theile der Nadoweſſter am Ende meiner Rede gethan hatte, beſſer erfüllen konnte. Während meines Aufenthalts bey dieſer Voölkerſchaft hatte ich einigen ihrer Oberhaͤupter gerathen, um ſie deſto beſſer in guten Geſinnun⸗ gen fuͤr die Englaͤnder zu erhalten, nach Miſchil⸗ limackinae zu gehn, wo fie Gelegenheit zum Han⸗ del und die Nachrichten beſtaͤtigt finden würden, die ich ihnen von meinen Landsleuten gegeben hätte. Zugleich hatte ich ſie mit Empfehlungsbriefen an den dortigen Kommendanten verſehn, und ihnen gehoͤrige Vorſchriften zur een ihrer Reiſe e -
Es entſchloß ſich daher einer von ihren vor⸗ nehmſten Anfuͤhrern, nebſt fuͤnf und zwanzig von einem geringern Range, den naͤchſten Sommer dahin zu gehn. Sie nahmen dazu die Gelegenheit wahr, als fie an den St. Petersfluß kamen, um mit ihren uͤbrigen Staͤmmen großen Rath zu halten. Da mich die Nachricht, daß meine Hofnung fehl- geſchlagen hätte, zwang, den Miſſtſippi wieder ſo | E 5 weit
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weit herunter zu gehn, ſo konnte ich ſie von dort aus deſto leichter auf den rechten Weg bringen.
Da die untern Gegenden dieſes Fluſſes haͤu ufg von den Tſchipiwaͤern beſucht werden, mit denen die Nadoweſſter beſtaͤndig Krieg führen, ſo hielten | fie es, weil ohnehin ihr Haufen nur klein war, fuͤr rathſamer, bey Nacht, als mit mir bey Tage zu reiſen. Sobald daher der große Rath aufgebrochen war, nahm ich freundſchaftlichen Abſchied von die⸗ ſen leuten, die mir unzaͤhlige Hoͤflichkeiten erzeigt hatten, und ſetzte meine Reiſe weiter fort. 1 Ich kam noch dem naͤhmlichen Abend an die Oſtſeite des Sees Pepin, wo ich wie gewoͤhnlich ans Land ſtieg, und mein Lager aufſchlug. Den folgenden Morgen, als ich einige Meilen weiter gegangen war, bemerkte ich Rauch in einiger Ent⸗ fernung, ein Zeichen, daß Indier nahe waren; und entdeckte bald darauf zehn bis zwoͤlf Zelte nicht weit vom Ufer des Fluſſes. Da ich fuͤrchtete, daß dieß eine Rotte von den Raͤubern ſeyn möchte, die ich vorhin angetroffen hatte, ſo wußte ich nicht, wie ich meine Fahrt anſtellen ſollte. Meine Begleiter riethen mir, an der gegenuͤber⸗ liegenden Seite des Fluſſes vorbey zu kommen zu ſuchen; allein da mich bisher die Erfahrung gelehrt ws daß man ſich n. am leichteſten eine gute
— U
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gute Aufnahme a Indiern verſchaffen kann, wenn man ihnen dreiſt, und ohne alle Furcht ent gegen geht, ſo wollte ich keinesweges in ihren Vor⸗ ſchlag einwilligen. Ich gieng daher grade über den Fluß, und ſtieg mitten unter ihnen ans Land, da jetzt der groͤßte Theil von ihnen am Ufer ſtand; die erſtern, welche ich antraf, waren Tiehipiwäer, die an den Ottowaher Seen wohnten. Sie em⸗ pfiengen mich ſehr freundſchaftlich, und druͤckten mir die Haͤnde zum Beweiſe ihres Wohlwollens. In einer kleinen Entfernung hinter ihnen ſtand einer von den Anfuͤhrern, der ſehr groß und wohl gebildet war, aber dabey ein ſo finſtres Anfehniharte, daß ſelbſt der herzhafteſte Menſch ihn nicht ohne Furcht wuͤrde haben anſehn koͤnnen. Er ſchien uͤber ſeine beſten Jahre hin zu ſeyn, und aus der Art wie er punktirt, (tatowed) und bemahlt war, ſchloß ich, daß er einen ſehr hohen Rang haben müßte. Je, doch näherte ich mich ihm auf eine ſehr hoͤfliche Art, und erwartete, von ihm auf die naͤhmliche Weiſe empfangen zu werden, als die übrigen es gethan hatten; allein zu meinem großen Erſtaunen zog er feine Hand zuruͤck, und ſagte auf Tſchipiwaͤiſch: ain niſchiſchin ſagänoſch, die Englaͤnder taugen nichts. Da er eben ſeine S treitart in der Hand hatte, ſo erwartete ich, daß dieſe lakoniſche Anrede W | von
von einem Schlage begleitet werden wuͤrde; und um dieß zu verhindern zog ich eine Piſtole aus mei⸗ nem Gürtel; und gieng mit einer ruhigen Miene, dicht bey ihm vorbey, um n zu zeigen, daß ich mich nicht vor ihm fuͤrchtete. Ich erfuhr nachher von den andern een aß dies ein Anfuͤhrer waͤre, den die Franzoſen den großen Springer (Sauteur) oder den großen An⸗ fuͤhrer nannten, denn die Tſchipiwaͤer heiſſen bey ihnen Sauteurs. Sie ſagten mir ferner, daß er die⸗ ſer Nation immer ſtandhaft zugethan geweſen waͤre, und geſchworen hätte, als fie Miſchillimackinac, nebſt dem Reſte von Kanada, an die Englaͤnder uͤbergeben mußten, daß er ewig ein Feind von ſei⸗ nen neuen Beſitzern bleiben wollte, weil die Grund⸗ ſtücke, worauf das Fort gebaut wäre, ihm gehörten. Da ich dieſe Geſinnungen bey ihm verſpuͤrte, ſo blieb ich immer auf meiner Hut, ſo lange, als ich mich hier aufhielt; doch ſchlug ich mein Nachtlager bier auf, damit er nicht glauben möchte, ſeine Drohungen hätten mich weggetrieben. Ich hatte mein Zelt in einiger Entfernung von den indiſchen Hütten, und ward darin, wie ich mich kaum zur Ruhe niedergelegt hatte, von meinem franzoͤſiſchen Bedienten aufgeweckt. Er ward durch das Laͤrmen von einer indiſchen Muſik in * geſetzt, und
wie
15 | =; wie er aus dem Zelte hinausgieng, ſo fah er einen Trupp. von jungen Wilden, die auf eine ſonderbare Art auf uns zutanzten, und von denen ein jeder eine Fackel auf einer langen Stange trug. Doch ich will die umſtaͤndliche Beſchreibung von dieſer ſelt⸗ ſamen Luſtbarkeit, die mir keine geringe Unruhe verurſachte, verſparen, bis ich von den indiſchen | Taͤnzen reden werde. \ / Den folgenden Tag ſetzte ich meine Reiſe fort, | und kam noch vor Abend nach la Prairie des chiens, wo der Trupp von Nadoweſſtern mich bald einholte. Bald nachher kam auch der große Springer da— hin, und brachte es in Vereinigung mit etlichen franzoͤſiſchen Handelsleuten von Kuiſiana dahin, daß mich etwa zehn von den Oberhaͤuptern der Na⸗ doweſſier verlieſſen, ehe fie ihre Reiſe nach Miſchilli⸗ mackinac fortſetzten, an mit ne nach ae giengen. 1 . Die uͤbrigen giongen meiner Anwetſung zu⸗ foge nach dem engliſchen Forte, und ich erfuhr nachher, daß ſie gluͤcklich und ſehr zufrieden mit der Aufnahme, die man ihnen hatte wiederfahren laſſen, in ihrem Vaterlande wieder angekommen waͤren. Von den uͤbrigen, die nach Suͤden zu gien⸗ gen, ſtarben uͤber die Haͤlfte durch die große Ver⸗ ſchiedenheit des ſuͤdlichen Klima's. Erſt nach u. i meiner
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meiner Ankunft in Engfand erfuhr ich, daß der große Springer ſich den Englaͤndern immer mehr und mehr durch ſeine eingewurzelte Feindſchaft verhaßt gemacht habe, und endlich in feinem Zelte bey Miſchillimackinac von einem Kaufmanne ermordet worden ſey, welchem ich die A 1 ſchichte erzaͤhlt hatte.
Ich hätte ſchon vorhin anführen ſolen, daß * Indier, die zu la Prairie des chiens, dem großen Marktplatze für die umliegenden Gegenden zuſam⸗ men kommen, ſich ſchlechterdings aller Feindſelig⸗ keiten enthalten muͤſſen, ſo lange als ſie hier ſind, wenn ſie auch in offenbarem Kriege mit einander begriffen waͤren. Dieſe Einrichtung ward ſchon vor vielen Jahren unter ihnen feſtgeſetzt „da ohne ſie alle Handlung aufhören muͤßte. Eben dieſe Re⸗ gel gilt auch auf dem rothen Berge, den ich nach⸗ her beſchreiben werde, wo die Indier die Steine, woraus ſie ihre Pfeiffen machen, herholen. Da dies eine Waare iſt, die zur Bequemlichkeit aller benachbarten Staͤmme unumgaͤnglich gehöre, fü wird dadurch eine aͤhnliche Einſchraͤnkung voch⸗ wendig, und allen gleich vortheilhaft.
Dieer Fluß St. Peter, der durch das Gebiet der
Nadoweſſt er laͤuft, fließt durch eine ungemein reizende Gegend, die an allem, was die Natur
frey⸗
freywillig hervorbringt, einen en Ueberfluß bat, und | die bey weniger Kultur auch die meiſten Beduͤrf⸗ niſſe des Luxus liefern wuͤrde. Wilder Reiß waͤchſt hier im Ueberfluſſe, und uͤberall erblickt man eine Menge Baͤume, die ſich unter der daſt ihrer Fruͤchte 5 biegen, worunter Pflaumen, Trauben und Apfel die vornehmſten ſind. Auf den Wieſen findet man häufig Hopfen und andre nüßfiche Kräuter; und das Erdreich ift mit eßbaren Wurzeln, als Anger liken, Narden und Erdnuͤſſen angefuͤllt, wovon die letztern ſo groß wie ein Huͤhnerey ſind. In einer kleinen Entfernung von den Ufern des Fluſſes giebt es Anhoͤhen, von denen man die ſchoͤnſten Ausſichten hat, und zwiſchen dieſen Huͤgeln trift man anmuthige Waͤlder an, in denen eine ſolche Menge Ahornbaͤume waͤchſt, daß ſie faſt die größte Anzahl von Einwohnern men mit e verſebn koͤnnten. 5 Nicht weit von der Mündung dieses Stufe in den Miſſi ſippi ſteht an der Nordſeite deſſelben ein Huͤgel, davon der Theil, der gegen den Miſſiſippi zu gerichtet iſt, ganz aus einem Steine beſteht, der eben ſo weich iſt, als die Art, welche ich ſchon eben beſchrieben habe, und zu dieſer Art gehoͤrt faſt alles Geſtein in dieſer Gegend. Das * dabey iſt . 5 ſeine
80 | | feine Farbe, die wie der weiſſeſte Schnee ausſieht. Die aͤuſſere Rinde war durch Wind und Regen abgeſpuͤhlt, und in einen Haufen von Sand ver⸗ wandelt, aus dem ſich eine ſchoͤne Zuſammenſetzung machen laſſen wuͤrde; oder vielleicht könnte der Stein durch gehoͤrige Behandlung mit der Zeit haͤrter werden, und zu einer großen inen in der Baukunſt gereichen.
Nah an dem Arme, der der Marmorſſeß; ge⸗ nannt wird, giebt es einen Berg, aus dem die Indier eine Art von rothem Steine ziehn, woraus fie ihre Pfeiffenkoͤpfe machen. Auſſerdem findet
man in den hieſigen Gegenden einen ſchwarzen
harten Thon, oder vielmehr Stein, der den Na⸗ 5
doweſſtern zur Verfertigung ihrer Haushaltungsge⸗
ſchirre dient. Sonſt findet man hier auch noch einen Ueberfluß von einem milchweiſſen Thone, aus dem ſich vollig fo gutes Porzellaͤn, als das oſtindiſche iſt, wuͤrde machen laſſen; und einen blauen Thon, womit die Indier ſich bemahlen. Dieſen letzten vermiſchen ſie mit dem Pulver von dem rothen Steine, und machen verſchiedne Far⸗ benabaͤnderungen daraus. Die Indier, die dieſes blauen Thones habhaft werden können, bemahlen fich vorzüglich ſtark damit, wenn ihre Luſtbarkeiten N und Tanze anfangen. Sie ſehn ihn auch als ein
Frie⸗
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Btudenszehen an, da er die Farbe des blauen
Himmels hat, der bey ihnen fuͤr ein Bild des Frie⸗ dens angeſehen „und oft in ihren Reden feyerlich dafuͤr genommen wird. Wenn ſie zeigen wollen,
daß ſie friedlich gegen andre Staͤmme geſinnt find, |
u; ſchmuͤcken fi fi e ſich und ihre Gürtel ſtark damit. Als ich meine Geſchaͤfte zu la Prairie des chiens zu Stande gebracht hatte ſo gieng ich den Miſſt⸗
ſippi zum zweytenmale bis an die Stelle hinauf, wo
der Fluß Tſchipiwaͤ etwas unterhalb des Sees Pe⸗ pin in ihm fälle. Hier miethete ich einen indiſchen Hootſen, und befahl ihm nach den Ottowa aber Seen zuzuſteuren, die um die Quellen dieſes Fluſſes her⸗ umliegen. Er brachte mich im Anfange des Julius
dahin. Der Fluß Tſchipiwaͤ iſt bey ſeiner Muͤn⸗ dung in den Miſſt ſippi etwa zweyhundert und viers
Bi; Fuß breit, allein er wird immer breiter, je weiter man ihn binauf fährt. Ungefaͤhr dreißig Meilen von ſeinem Ausfluſſe theilt er ſich in zwey Arme, von denen ich den oſtlichen Arm hinauffuhr. Die Gegend um den Fluß herum auf einer Strecke von ſechszig Meilen iſt ſehr eben, und an ſeinen Ufern liegen fihone Wieſen, auf denen ich
gröffere Heerden von Buͤffeln und Elendthieren
weiden ſah, als ich ſonſt irgend auf meinen Reiſen e hatte. Der Strich zwiſchen den beyden no il 6 . Armen
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en dieſes Fuſes ward der Weg des Se zwiſchen den ee fern und Afchibmme ge⸗ nannt. 1
Die Gegend bis an die Waſerſöle, die Be der i
Karte gezeichnet iſt, fo weit als ſich die Reiſen der Danbefsfeure erſtrecken, hat einen völligen Manz gel an Bauholz, und auſſerdem iſt fie ſehr rauh und uneben, und dicht mit Fichten, Buͤchen, Ahorn⸗ baͤumen und Birken bewachſen. Hier ſtellte ſich ein merkwuͤrdiges und wunderbares Schauſpiel meinen Augen dar. In einem Walde, der auf der Oſtſeite des Fluſſes lag, und ungefahr drey engliſche Meilen lang war, bemerkte ich, daß alle Baͤume, ſo weit als mein Auge reichen konnte, ungeachtet viele davon mehr als ſechs Fuß im Um⸗ fange hatten, mit den Wurzeln ausgeriſſen waren, und auf dem Boden lagen. Dies war vermuthlich
die Wirkung von einem Orkane, der vor etlichen
Jahren aus Weſten her geſtuͤrmt haben mußte,
doch kann ich das Jahr eigentlich nicht beſtimmen, | da ich hier herum keinen Menſchen antraf, der mir Nachricht davon haͤtte geben konnen. Die Gegend an der Weſtſeite des Fluſſes war, da ſie nicht ſo ſtark
ebolzt iſt, dieſer Verwuͤſtung gröͤßtentheils ent⸗
gangen, und ich ſah nur einige wenige Bäume,
die der Sturm umgeriſſen hatte.
Nahe
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Nahe be der Quelle dieſes Er liegt N Ortſchaſt der Tſchipiwaͤer, von der er feinen Nahe men hat. Sie liegt auf beyden Seiten des Fluſſes, der bier keine beträchtliche Breite bat, und nahe an dem Ufer eines kleinen Sees. Sie enthaͤlt
ungefaͤhr vierzig Haͤuſer und kann ungefähr bun⸗ rt Krieger aufbringen, worunter fich viele ae junge Leute befinden. Die Haͤuſer ſind auf indiſch
Art gebaut „ und dicht hinter ihnen liegen Pan, zungen. Die Einwohner ſchienen mir das ſchmu⸗ zigſte Volk zu ſeyn, das ich je geſehn hatte. Ich bemerkte, daß die Weiber und Kinder ſich eine Gewohnheit erlaubten, die zwar gewiſſ ermaaßen bey allen indiſchen Boͤlkerſchaften uͤblich, aber nach un⸗
fern Begriffen aͤuſſerſt eckelhaft und widrig ſeyn wuͤr⸗
de, namlich ſich einander die Haare durchzuſuchen, und das darinn gefangene Wildprett zu verzehren. Im Julius verließ ich dieſen Ort, und kam aber eine Menge kleiner Seen und dazwiſchen fies | gender Trageplaͤtze an einen Hauptarm. des Fluſſes St. Croix. Ich folgte dieſem Arm, bis er ſich mit einem andern Arme vereinigte, und gieng alsdann dieſen zweyten Arm bis an ſeine Quelle hinauf. | An beyden Fi üffen entdeckte ich verſchiedne Adern von gediegenem Kupfer, das völlig fo. rein war, als man es ſonſt irgend in andern Ländern antrift.
„„
84 2 | Ich kam hier an einen kleinen Bach, von dem mein Führer glaubte, daß er ſich in einiger Ent fernung mit andern Waſſern vereinigen, und da⸗ durch ſchiffbar werden wuͤrde. Er hatte anfaͤnglich ſo wenig Waſſer, daß ich meinen Kanoe ſchlech⸗ terdings darinn nicht zum Schwimmen bringen konnte, aber nachdem ich etliche alte Bieberdaͤmme,
die von Jaͤgern niedergeriſſen waren, wieder her⸗
geſtellt hatte, fo fahe ich mich im Stande, etliche
Meilen fortzufahren, bis endlich der Jufluß von
verſchiednen andern Baͤchen dies Huͤlfsmittel un⸗ noͤthig machte. Bald darauf ward dies Gewaͤſſer zu einem reiſſenden Strome, dem wir hinab gien⸗ : gen, ‚bis er in den Obernſee (lac ſuperior) fiel. Dieſen Fluß nannte ich Goddardsfluß nach einem Herrn, der mich von der Ortſchaft der Ottoga⸗ mier bis an den Tragepfag des Obernßes eng ten wollte. Weſtwaͤrts von dieſem giebt es Ra einen kleinen Fluß, der ebenfalls i in dieſen Seefällt. Ich nannte 8 | ihn den Erdbeerenfluß, (ſtrawberry river) von der Menge großer und wohlſchmeckender Erdbeeren, die an feinen Ufern wuchfen. Die Gegend von den Seen Ottowa bis an den Obernſee iſt durchgehends ſehr uneben und ganz vol⸗ ler Waͤlder. Der Erdboden 0 an einigen Stellen recht
| 1 8 = y | 85 recht gut, an andern aber nur r schr mittelmäßig. Bey den Quellen der Fluͤſſe St. Croix und Tſchi⸗
piwaͤ giebt es vortrefliche Störe. Die ganze Wild⸗ niß zwiſchen dem Miſſtſippi und dem Obernſee wird
von den Indiern das Muͤckenland (Muſchettoe
country) genannt, und ich glaube es verdient ſeinen
Nahmen völlig; denn ich ſah und fuͤhlte „da es
ohnehin die Jahrszeit davon war, nie 1 i
viele von diefen Inſekten.
Gegen Ende des Julius erreichte ich den geben
Trageplatz, der an dem nordweſtlichen Ufer des Obernſees liegt. Ich nahm meinen Weg dahin laͤngſt dem Ufer der weſtlichen Bucht. Bey dieſem
Trageplatze bringen die Kaufleute, die nordweſt⸗ waͤrts gegen die Seen la Pluie, Dubois u. ſ. w.
handeln, ihre Kanoen und ihr Gepaͤcke etwa neun 1 9 engliſche Meilen über Sand, bis fie an einen Haus
fen kleiner Seen kommen, wovon einige in den
Obereſee, andre aber in den Fluß Burbon fallen. Der Obereſee hat von der weſtlichen Bucht bis
an dieſen Trageplatz einen ſehr felſichten Boden,
den ſuͤdweſtlichen Theil der Bucht eee |
wo er ziemlich eben war.
Bey dem großen e iſt eine kleine |
Bucht, an deren Einfahrt eine Inſel liegt, welche Ne wilde ad grenzenloſe Ausſicht über den See ä ws unters
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86.
unterbricht, und die Buch 100 und . macht. Ich traf hier einen großen Haufen von Killiſtinern und Aſſt inipoilen an, die ihre beyder⸗
ſeitigen Koͤnige und ihre Familien bey ſich hatten.
Sie waren hieher gekommen, um den Kaufleuten
von Miſchillimackinac zu begegnen, die hier auf
ihrer nordweſtlichen Reiſe vorbeygehn. Von ihnen erhielt ich folgende Nachricht von den Seen, die nordweſtwaͤrts vom Obernſee liegen. Der See Burbon, der nordlichſte von den bis⸗ 0 ber entdeckten, erhielt feinen Nahmen von etlichen franzöſiſchen Kaufleuten, die einen Trupp Indier vor etlichen Jahren bis an Hudſons Meerbuſen begleiteten. Er erhaͤlt ſein Waſſer aus dem Fluſſe
Burbon, der, wie ich ſchon vorhin angefuͤhrt habe, weit gegen Suͤden hin und nahe bey den nordlichen
Quellen. des Miſſeſt tjippi entſpringt. \ |
Dieſer See iſt ungefähr achtzig Meilen lang, er. von Norden nach Suͤden, und hat überhaupt faft die Geſtalt einer Kreiefläche Es giebt Feine große Inſeln darinn. Das band auf der oſtlichen Seite iſt ſehr gut, und gegen Suͤdweſten findet man ei⸗ nige Berge. An verſchiednen andern Theilen deſſel⸗ ben giebt es unfruchtbare Ebenen, Suͤmpfe und
Meraͤſte. Er liegt faſt ganz ſuͤdweſtwaͤrts von Hud⸗
ſons Bay, . n iwen und funfzigſten und
vier
vier und funfzigſten Grade nordlicher Breite. Man finder i in den Gegenden um ihn herum nur wenige
Thiere, da die Witterung feiner nordlichen age
wegen ungemein kalt iſt, und ich erhielt von den Indiern nur ſehr unzulaͤngliche Nachrichten von den dortigen Landthieren, Voͤgeln und Fiſchen. Man trifft zwar nur einige kleine Buͤffel, die ge⸗
gen Ende des Sommers gut und fett werden,
einige wenige Muſethiere und Rennthiere an, allein die Menge von Pelzthieren von jeder Art erſetzt dieſen Mangel hinreichend. Das hiefige Bauholz beſteht groͤßtentheils in Tannen, salat und eis nigen Ahornbaͤumen. f | = * Der Winnepiek, oder wie die Franzoſen es ſchreiben Ouinipique, liegt am naͤchſten bey dem vorhergehenden, und erhaͤlt ſein Waſſer aus der naͤhmlichen Quelle. Seine Lange von Norden nach Suͤden beträgt etwa zweybhundert Meilen. Seine Breite hat bisher noch niemand genau be⸗ ſtimmt, doch wird ſie in der groͤßten Weite auf ungefaͤhr hundert Meilen geſchaͤtzt. Dieſer See iſt voller Inſeln, unter denen ſich jedoch keine von betraͤchtlicher Groͤße beſinden. Er nimmt viele beträchtliche Fluͤſſe auf, wovon jedoch noch keine Nahmen erhalten haben. Sein Waſſer iſt mit . vorzüglich Forellen und Storen angefuͤllt, 4 und
4
und aufferdem trifft man noch etliche kleinere Arten darinn an, die dieſen Seen beſonders eigen ſind. Das Land auf der Suͤdweſtſeite if gut, vorzuͤg⸗
lich bey dem Ausfluſſe eines großen Arms des Fluſſes Burbon, der von Suͤdweſten herkommt.
An dieſem Fluſſe liegt eine Faktorey, die von den Franzoſen gebaut und la Reine genannt ward, wohin die Kaufleute von Miſchillimackinae reifen, .
am mit den Affinipoifen-und Killiſtinoern zu han⸗ deln. Die Mahaer, welche ein Land zweyhundert und funfzig Meilen weit nach Suͤdweſten zu be; wohnen, kommen ebenfalls des Handels wegen
hieher, und bringen einen großen Vorrath von indiſchem Korn mit, wogegen ſie Meſſer, Beile und andre Stücke eintauſchen. Dieſe Vöekerſchaft
ſoll an einem Arme des weſtlichen Fluſſes wohnen.
Der See Winnepief hat gegen Nordoſten einige Berge, und gegen Dften viele unfruchtbare Ebe⸗ nen. Der Ahorn oder Zuckerbaum waͤchſt hier ſehr |
haͤufig, und es wird eine ungeheure Menge Reis eingeſammlet, ein Beweis, daß dieſe Getreideart
eben ſo gut in nordlichen, als in füdfichen Gegen⸗ |
den fortkommt. Büffel, Muſethiere und Renn⸗
tbiere find hier herum fer zahlreich. Die Büffel
aus dieſen Gegenden unterſcheiden ſich von den füd-
lichen blos durch ihre weit geringere Größe, fo wie 1 das
7%
das PAAR in den nördlichen Theilen von Groß⸗ britannien ebenfalls viel kleiner iſt, als on a Ochſen. An den Gewaͤſſern, die f in dieſen Seefallen, fans 5 gen die benachbarten Voͤlkerſchaften viele vortref⸗ liche Pelzthiere. Einige davon bringen ſie nach 0 den Faktoreyen und Beſitzungen der Geſellſchaft von
Hudſonsmeerbuſen, die nicht weit vom Ausfluſſe des Burbon liegen, doch thun ſie dies äuffer t un⸗ gern. Denn einige Aſſtnipoilen und Killiſtinoer, die gewöhnlich mit den Bedienten der Geſellſchaft handelten, verſicherten mich, daß wenn ſie beſtaͤndig fo viele Waaren, als ſie brauchten, von Miſchilli⸗
mackinac haben koͤnnten, fo würden fie nirgends
anders hinhandeln. Sie zeigten mir Tuch und andre Stuͤcke, die ſie am Hudſonsmeerbuſen ge⸗ kauft hatten, und womit ſie ſich enen im en beugen zu ſeyn glaubten. | 5 Wenn ihre Angabe richtig war, ſo kantich acht 5
anti, ihre Unzufriedenheit zu billigen. Allein 5 vielleicht waren die Kanadiſchen Kaufleute die
5 Haupturſache dieſes Misvergnügens. Diefe Kauf⸗
leute hatten ſich, ſo lange die Franzoſen noch im | Beſitz von Miſchillimackinae waren, eine vollkom⸗
mene Kenntniß des H de Gegenden erworben
„und wurden daher nach der
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indels nach den nordweſtll?
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90
der Eroberung von Kanada von den dortigen engl
von denen dieſe nichts verſtanden, gebraucht. E Hauptmittel, deſſen fi e ſich bedienten, a ihre Anhänglichkeit an die Hudſonsgeſellſchaft zu benehmen, beſtand darin, daß ſie alle Waaren der Geſellſchaft bey jeder Gelegenheit verachteten, und die Vortheile ihnen ſehr wichtig vorſtellten, die ſie dadurch erlangen wuͤrden, daß ſie blos mit den Kanadiſchen Kaufleuten handelten. Der Er⸗ folg von dieſem Verfahren war fuͤr ſie nur gar zu günftig, und vermuthlich ruͤhrte die Unzufrieden⸗ heit, welche die Aſſinipoilen und Killiſtinoer gegen mich aͤuſſerten, zum Theil davon her. Auſſerdem ward ihnen die lange Reiſe bis zu den Saftoreyen der Geſellſchaft, die ihnen den Sommer uͤber faſt drey Monathe wegnahm, Hin⸗ und Zuruͤckreiſe zuſammengerechnet, ungemein beſchwerlich, und | ſie konnten noch dazu kaum ein Drittel von ihren Bieberfellen in ihren kleinen Kanoen fortbringen. Es iſt daher kein Wunder „daß dieſe Indier wuͤn⸗ ſchen, es möchten ſich Kaufleute bey ihnen auf hal⸗ ten. Zwar gehoͤrt die Gegend, welche ſie bewoh⸗ nen, zu dem Bezirke der Geſellſchaft, allein ſie wuͤrde ſich gezwungen ſehn, Eingriffe von dieſer Art z rü da die Indier wahrſcheinlicher⸗ weiſe
*
ſchen Kaufleuten zur Einrichtung dieſes 5 ie 6
weile ihre Kaufleute 8 BETEN Yufferbem erlauben ihnen die Paͤſſe, welche den Kaufleuten von Miſchillimackinac gegeben werden, nordweſt⸗ waͤrts vom Obernſee zu handeln, worunter Fort la Reine, der See Winnepiek und die ganze andre Gegend am Burbon begriffen ſind, in denen ſich die Holzlaͤufer (eouriers de bois) oder Kaufleute nie⸗ derlaſſen duͤrfen, wo es ihnen am bequemſten ſcheint. Der Holzſee (lac du bois) wie ihn die Franzo⸗ ſen gemeiniglich auf ihren Karten nennen, oder auf engliſch lake of the wood, hat ſeinen Namen von der Menge Holz, die an ſeinen Ufern waͤchſt, und welches größtentheils aus Eichen, Fichten, Tan⸗ nen u. ſ. w. beſteht. Dieſer See fiegt noch höher | binauf an einem Arme des Fluſſes Burbon, faſt vollig oſtwaͤrts von dem füdfichen Ende des Sees Winnepiek. Seine Länge von Oſten nach Weſten betraͤgt etwa ſiebenzig „ und feine größte Breite bey⸗ nahe vierzig Meilen. Es giebt nur einige kleine Inſeln darin. Die Fiſche, „Vogel und Landthiere die man hier antrifft, find von denen bey den an⸗ dern beyden Seen nur wenig unterſchieden. Einige von den Killiſtinoern ſchlagen bier zuweilen der i Jagd und des Fiſchfangs wegen ihr Lager auf. Dieſer See liegt an dem natuͤrlichen Ranale, vn der n mit den Seen ii und
8
92 1 0 8 05 Burbon ſeine Gemeinſchaft hat. Sein Waſſer oll nicht vollig d rein ſeyn, als das von den übrigen Seen, weiler an verſchiedenen Stellen einen ſebr b ö ſchlammigten Boden hat. 0 | | Der See, welchen die Franzoſen la Pluie e | nen, heißt bey den Englaͤndern the rainy lake (der | regnichte See) und ſoll ſeinen Nahmen von denen erhalten haben, die ihn zuerſt bereiſten, und bey | einer ungemein regnichten Witterung binuͤber fuh⸗ ren; oder wie andere wollen? von einem regenar⸗ tigen Nebel ; der von einem ſenkrechten Waſſerfalle in einem Fluſſe auf der Suͤdweſtſeite verurſacht wird. Dieſer See ſcheint in der Mitte von einer Erd⸗ zunge in zwey Theile getheilt zu werden; der weſt⸗ liche Theil heißt der große regnichte See, und der | oftfiche, welcher der Fleinfte iſt, der kleine reg⸗ nichte See. Der ganze See liegt einige Meiſen weiter oſtwaͤrts, als der Holzſee, an dem naͤmlichen Arme des Burbon. Er iſt faſt durchgehends ſehr ſeicht. Seine größte Breite beträgt nicht über. zwanzig Meilen, und feine Lange, beyde Abthei⸗ lungen zuſammen genommen, ungefaͤhr dreyhun⸗ dert Meilen. das Waſſer in der weſtlichen Ab⸗ theilung iſt ſehr rein, und man findet einige vor⸗ trefliche Fiſcharten darin. Gegen das Ende des | Rn kommen eine Menge wilder Voͤgel hieher. * Muſe⸗
99 8 Muſethiere und ee werden häufig ange⸗ troffen, und ihre Haͤute ſchicken ſich zu Hoſen und
Handſchuhen weit beſſer, als alle uͤbrigen in ganz Nordamerika. Das Land um dieſen See herum wird an einigen Stellen fuͤr ſehr gut gehalten, doch iſt es etwas zu ſtark beholzt. Hier haͤlt ſic ein beträchtlicher Haufen Tſchipiwoͤer auf. |
Hſtwaͤrts von dieſem See liegen verſchiedne klei⸗ nere, die ſich in einer Kette bis an den großen | Trageplatz, u „und von dort aus bis an den Obern See erſtrecken. Zwiſchen dieſen kleinen Seen giebt es verſchiedne Trageplaͤtze, die den Handel nach | Nordweſten ſehr beſchwerlich und langwierig
machen, da zwey Jahre zu einer Reiſe von Michill⸗ mackinae nach dieſen Gegenden erfordert werden.
Der rothe See (red Lake) iſt vergleichungsweiſe
5 ein ſehr kleiner See bey der Quelle eines Armes
vom Fluſſe Burbon , der von einigen der rothe Fluß (red river) genannt wird. Er iſt faſt vollig rund und hat ſechszig Meilen im Umkreiſe. un einer Seite deſſelben giebt es eine ziemlich große
Inſel, bey welcher ein kleiner Fluß in den See fälle. Er liegt faſt gegen Suͤdoſten von dem See Winnepiek und dem Holzſee. Die umherliegende Gegend iſt wenig bekannt, und wird bst von 990 Wilden nur ſelten beſt cht. We
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Etwas gegen Süͤdweſten nicht weit ö dieſen
ö See liegt der ſogenannte Weiſſebaͤren S See (white
bear lake), der ungefaͤhr eben ſo groß iſt, als der
ger, als irgend eine im ganzen ubrigen Nordamerika. Die Indier, welche hier jagen, kommen ſelten zurück ohne ihre Kanoen fo voll geladen zu haben,
als es irgend moͤglich iſt, ohne ſie zu verſenken.
Da ich eben angefuͤhrt habe, daß dieſer See die
13 auſſerſte Quelle des Miſſiſippi nach Norden zu if,
fo muß ich hier noch hinzuſetzen, daß dieſer Strom,
ehe er in den Meerbuſen von Mexico fallt, alle
ſeine Kruͤmmungen mit eingerechnet, vollig eine
Weite von dreytauſend Meilen durchlaufen muß.
In einer graden Linie beträgt feine länge ungefähr
zwanzig Grade, welche beynahe vierzehnhundert engliſche Meilen ausmachen. |
Eben diefe Indier ſagten mir j daß owe,
waͤrts vom See Winnepiek noch ein See läge, der einen weit gröfferen Umkreis hätte, als irgend einer
von den eben beſchriebenen. 0 Sie gaben ihn gar noch größer an, als den Obernſee. Allein da feine sage ſo weit gegen Rordweſten iſt, ſo fölle
| vorige. Er gehört zu den nordlichſten Gewäffern, woraus der Miffifippi entſteht, und koͤnnte fuͤglich 5 feine aͤuſſerſte Quelle genannt werden. Die Jagd von Pelzthieren iſt in der benachbarten Gegend ergiebi⸗
—
f 95 is faſt glauben, daß ie kein See, ſondern der Ar⸗ chipelagus oder ein Bußen des Meeres iſt, wodurch Hudſonsmeerbuſen, und die noͤrdlichen ne des 0 ſtillen Meeres zuſammenhbängen. | Es giebt ſonſt noch eine große Menge von kleinen 5 Seen, an den weſtlichen Hauptarmen des Miſſiſippi, und zwiſchen dieſen und dem See Winnepiek, g allein keiner davon iſt ſo groß, daß man ihn für den See oder das Gewaͤſſer, deſſen die Ster m | wähntert, halten hinter: ? | Ich erfuhr ferner von ihnen, daß einige von nden nordlichen Armen des Meſſorie und die füdfichen Arme des St. Petersfluſſe es ſich einander bis auf eine Meile naͤhern, und daß ſie ihre Kanoen uͤber g dieſe Landenge tragen. So viel, als ich von ihnen verſtand/ ſo nehmen ſie auf ihren Kriegszuͤgen gegen die Panier und Pananier, die we“ Arme des Meſſorie bewohnen, dieſen Weg. In dem Lande, das dieſen Völkerſchaſten gehoͤrt, ſoll haͤufig Allraun *) gefunden werden, eine Art Wurzel, die Menfihenfiguren von beyderley Geſchlecht ahnlich, en und hier vollkommner ſeyn foll, als der, welchen man am Nil in Unteräthiopien entdeckt hat. A Etwas gegen Nordweſten von den Quellen des Mefrie u und A Petersfluſſes 9000 wie An Indier BA mir a Munde, Atropa Mandagnie L. |
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mir erzäßften, eine Bölferfihaft WER, die etwas kleiner und weiſſer ift, als die benachbarten Staͤmme. Sie treibt den Ackerbau, und legt ſich auch, wenn ich anders ihre Ausdruͤcke recht verſtand, gewiſſer⸗ | maaßen auf Kuͤnſte. Sie fuͤgten noch hinzu, daß einige von den Nationen, welche die Gegenden bewohnen, die weſtwaͤrts von den glaͤnzenden Ber⸗ gen liegen, einen ſolchen Ueberfluß an Golde haben, daß ſie ihren geringſten Hausrath daraus machen. Dieſe Berge, die ich weiter unten genauer beſchrei⸗ ben werde, theilen die Gewaͤſſer, die in die Suͤdſee fließen, von denen, die ins atlantiſche Meer fallen. Die Voͤlkerſchaften, die nahe bey ihnen wohnen, ſollen von den verſchiednen Staͤmmen herkommen, welche den merifanifchen Koͤnigen zinsbar waren, und die aus ihrem Vaterlande fücherteg wie die Spanier Mexiko eroberten. | Dieſe Muthmaaßung wird dadurch noch 2 ſcheinlicher „daß ſie grade die innerſte Gegend des feſten Landes zu ihrem Aufenthalte gewaͤhlt haben, und noch die Meinung hegen, daß die Seekuͤſte von der damaligen Zeit an bis jetzt beſtaͤndig von Ungeheuern verwuͤſtet werden, die d Feuer ſpruͤheten, und Donner und Blitz umher ſpien; aus deren Bauche Menſchen hervor kaͤmen, die mit unſicht⸗ baren allge oder durch Zauberen „die uns \ Ä ſchul⸗
en N 97 ſhunigen Aubier in einer erſtaunlichen Weite | födteten. Vor folchen Ungeheuern flohen ihre Vor⸗ vaͤter (einer Ueberlieferung zufolge, die ſich noch unverſehrt bey ihnen erhaͤlt) nach den entfernten Gegenden, welche ſie noch jetzt bebohnen. Denn da ſie fanden, daß die ſchwimmenden Ungeheuer, die fie in ſo großes Schrecken geſetzt hatten, ſich
dem Ufer nicht ganz naͤhern konnten, und daß die
Menſchen, die daraus hervor kamen, „es nicht der Muͤhe werth hielten, Streifereyen tief ins Land vorzunehmen, fo faßten fie den Entſchluß, in eine Gegend zu ziehn, die weit vom Meere entfernt
waͤre, und wo fie vor ſolchen teufliſchen Feinden
ſicher ſeyn koͤnnten. Sie machten ſich daher mit ihren Familien auf den Weg, und ließen ſich nach einer langen Wanderſchaft bey dieſen Bergen nieder wo ſie glaubten, ihre völlige Sicherheit ge
funden zu haben. i 8 Die Winnebagoer, die am Zuchefufe wohnen, | und von denen ich ſchon vorhin gehandelt habe, ſollen ebenfalls eine irrende Nation aus den meri⸗ kaniſchen Laͤndern ſeyn. Allein ſie koͤnnen nur eine unvollkommene Nachricht von ihrem urſpruͤng⸗ lichen Aufenthalte geben. Sie erzaͤhlen, ſie waͤren vor Zeiten weit von Weſten hergekommen, und durch Kriege gezwungen worden, zu den Nado⸗ Carvers Reifen. G Ae ern
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weſſtern ihre Zuflucht zu nehmen. Allein da ſie nichts von Kuͤnſten oder von dem Werthe des Goldes wiſſen, ſo iſt eher zu vermuthen „daß fie von den eben erwaͤhnten Fluͤchtlingen aus ihren Befigungen vertrieben wurden, als dieſe bis zu ihren jetzigen Wohnplaͤtzen vordrangen. |
Doch bedürfen diefe Muthmaaßungen noch einer weitern Beſtaͤtigung; denn die kleinern Stämme der Indier verändern ihre Wohnplaͤtze der befläns digen Kriege wegen, in welche fie verwickelt find, fo
oft, daß es faſt unmoglich wird, nach einem halben Jahrhunderte ihre ene he Lage zu be⸗ ſtimmen.
Die Kette von Gebirgen, wovon die glänzenden Berge einen Theil ausmachen, faͤngt bey Mexiko an, und geht nordwaͤrts bis an die Oſtſeite von Kalifornien, und trennt die Quellen der zahlreichen Fluͤſſe von einander, die entweder in den Meerbu⸗ ſen von Mexiko oder von Kalifornien fallen. Von Kalifornien erſtreckt ſie ſich noch weiter nordwaͤrts, zwiſchen die Quellen des Miſſt ſippi und der Fluͤſſe, die in die Suͤdſee fallen, hindurch, und ſcheint un⸗ gefaͤhr ſich im ſieben und vierzigſten oder acht und vierzigſten Grade nordlicher Breite zu endigen,
unter welcher Breite eine Menge Fluͤſſe entſpringen, die entweder in die Süͤͤdſee, in Hudſons Meer⸗ buſen
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Von dieſen Gebirgen heißt der Theil, der weſt⸗ 0 waͤrts vom Fluſſe St. Peter liegt, die ‚glänzenden. Berge, und hat von einer unbeſchreiblichen Menge erſtaunlich großer Kryſtallen, womit ſie bedeckt ſind, den Nahmen. Dieſe Kryſtallen werfen, wenn die Sonne darauf ſcheint, einen ſolchen Glanz von ſich, daß man ſie in einer großen e ſehn kann. | Die Länge dieſer auſſerordentlichen Kette von Gebirgen wird auf mehr als dreytauſend Meilen geſchaͤtzt, ohne daß betraͤchtliche Zwiſchenraͤume ſie unterbrechen, und ich glaube daher, daß ſie alle andre Gebirge in den uͤbrigen Welttheilen uͤber⸗ trifft. Vielleicht wird man in kuͤnftigen Jahrhun⸗ derten entdecken, daß ſie mehr Reichthüͤmer in ihrem Innern enthalten, als die Berge von Indoſtan und Malabar, ie Goldkuͤſte von Guinea, oder ſelbſt die peruaniſchen Erzgruben. Vielleicht wer⸗ den weſtwaͤrts von ihnen kuͤnftige Kolone oder Ras leighe neue Seen, neue Ströme und Laͤnder ent:
decken, die mit allem, was zu den Beduͤrfniſſen und
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Vergnuͤgungen des Lebens gehören, angefüllt find;
und wo vielleicht fünftige Geſchlechter eine Zuflucht
finden konnen, wenn ſie durch Erpreſſungen raub⸗ . ſuͤchtiger
ſüchtiger Tyrannen, durch Sreigtonenerf, oder durch den gar zu großen Anwachs ihrer Miteinwohner aus ihrem Vaterlande vertrieben werden. Doch es ſey nun aus Zwang „oder aus Hofnung ſich zu bereichern, fo iſt nicht zu zweifeln, daß ſie ihre Erwartungen in dieſen reichen und un⸗ erſchoͤpften Gegenden vollig befriedigen werden. Abobbe es iſt Zeit, daß ich zu den Aſſinipoilen und | Killiſtinoern zuruͤckkehre, die ich am großen Tra⸗ geplatze verließ, und von denen ich die vorherge⸗ benden Nachrichten von den Seen erhielt, die gegen Nordweſten liegen. Pr Da die Handelsleute, welche wir erwarteten, b diesmahl laͤnger ausblieben, als gewoͤhnlich ge⸗ | ſchieht, und unſre Anzahl ſich auf dreyhundert be⸗ lief, ſo gerieth es ſehr mit unſerm Vorrathe von Lebensmitteln, die wir mitgebracht hatten, auf die Neige, und wir erwarteten ihre Ankunft mit Ungedult. | Eines Tages 1 da wir alle unſte Wöünſche des⸗ wegen aͤuſſerten, und von einer Anhöhe Acht gaben, um ſie uͤber den See herkommen zu ſehn, ſo ſagte uns der Oberprieſter der Killiſtinoer, daß er vers ſuchen wollte, eine Unterredung mit dem großen Geiſte zu halten, um von ihm zu erfahren, wenn die Kaufleute ankommen wuͤrden. Ich achtete wenig
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wenig ‚auf dies . da c glaubte, daß es nichts, als ein bloßes Taſchenſpielerſtuͤck ſeyn wuͤrde, dadurch ſich nur unwiſſende Indier hintergehn laſſen koͤnnten. Allein der Koͤnig dieſes Stammes verſicherte mich, daß der Prieſter es vorzuͤglich unternehme, um meine Beſorgniß zu vertreiben, und um mich zugleich von dem Anſehn zu uͤber⸗ zeugen, in welchem er bey dem großen Geiſte ſtaͤnde. Ich hielt es daher fuͤr meine Pflicht, meine Geda, en, daruͤber noch nicht zu aͤuſſern. |
Der nächfte Abend ward zu dieſer geiſtlichen „ eee feſtgeſetzt. Wie alles dazu vorberei⸗ | tet war, ſo kam der Koͤnig und führte mich i in ein geraͤumiges Zelt, wovon die Gehaͤnge aufgezogen waren, damit die Auſſenſtehenden alles beobachten könnten, was darinn vorgienge. Wir fanden das Zelt von einer großen Menge Indier umringt, allein wir wurden willig durchgelaſſen, und ſetzten uns auf Felle, die für uns al dem Boden en | breitet waren.
In der Mitte bemerkte ich einen u ländlichen Platz, der aus Stangen beſtand, die in die Erde geſteckt waren, doch ſo, daß Zwiſchenraͤume offen blieben, welche die Geſtalt von einem Kaſten oder Sarge hatten, der groß genug war, einen menſch⸗ ichen Körper zu faſſen. Die Stangen waren von
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mittler Größe, und ſo weit von einander geftreckt, daß man bequem alles fehen konnte, was ſich zwi⸗ ſchen ihnen befand. Das Zelt ward von einer großen Menge Fackeln erleuchtet, die aus Splits
tern von Birken⸗ oder Tannenholze gemacht waren,
und von den Indiern gehalten wurden. Nach einigen Minuten kam der Prieſter herein. Es ward eine ſehr große Elendshaut grade zu mei⸗ no Füßen ausgebreitet, worauf er ſich niederlegte, nachdem er alle Kleidungsſtuͤcke, ausgenommen das, was er mitten um den Leib trug, ausgezogen
hatte. Er lag fetzt geſtreckt auf dem Ruͤcken, und
nahm eine Seite von der Haut, und legte fie über ſich. Eben dies that er mit der andern Seite, ſo daß blos ſein Kopf unbedeckt blieb. So bald dies geſchehn war, ſo nahmen zwey junge Leute, die bey ihm ſtanden, ungefaͤhr ſechszig Ellen von einem ſtarken Seile, das ebenfalls aus einer Elendshaut gemacht war, und banden es ihm feſt um den Leib, ſo daß er vollig in der Haut „ wie ein Kind in ſei⸗ nen Windeln, lag. In dieſer Mumien ähnlichen. Geſtalt ward er von einem bey den Fuͤßen, und
von dem andern bey dem Kopfe ergriffen, und über: die Stangen in die Einfaſſung gehoben. Ich konnte
ihn noch jetzt voͤllig ſo genau beobachten, als ich
es sher gethan hatte, und ich nahm mich ſehr in
N
108 Acht r meine dugennurenen Kugenbfit von ihm zu verruͤcken, damit ich das Kunſtſtuͤck deſto eher ent: decken koͤnnte, denn ich zweifelte keinesweges, daß | es doch endlich darauf hinauslaufen würde. Kaum hatte der Prieſter in dieſer Stellung ei⸗ nige wenige Secunden gelegen, als er anfieng zu murmeln. Er fuhr damit einige Zeit fort, und ward allmaͤhlig lauter und lauter, bis er endlich | anfteng deutlich zu fprechen; doch war das, was er murmelte, ein ſolches Gemiſch aus der Sprache der Tſchipiwaͤer/ der Ottowaer und Killiſtinoer, daß ich nur ſehr wenig davon verſtehn konnte. Er fuhr in dieſem Tone eine betraͤchtliche Zeit fort, und erhob endlich feine Stimme aufs aͤuſſerſte, bald betend, bald raſend, bis er ſich in ſolche be tige Bewegung gebracht hatte, daße er am Munde ſchaͤnmte. m | Nachdem er faft breyviertel Eben anf dieſer Stelle gelegen, und fein Schreyen mit unermuͤde⸗ ter Heftigkeit fortgeſetzt hatte, ſo ſchien er ganz ab⸗ gemattet zu ſeyn, und ward völlig ſprachlos. Allein plötzlich ſprang er auf, ungeachtet es unmoͤglich ſchien, wie er eingeſchnuͤrt ward, daß er Arme oder Beine bewegen könnte, und warf ſeine Decke ſo behende ab, als wenn die Seile, die darum gebun⸗ den waren / verbrannt wären, worauf er die, welche Br G 4 re
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14 dee, um ihn herum ſtanden, mit einer geſeßten 1 vernaͤhmlichen Stimme folgendermaßen anredete:
ö Meine Brüder, der große Geiſt hat ſich herabge⸗
laſſen, eine Unterredung mit ſeinem Knechte auf meine ernſtliche Bitte zu halten. Er hat mir zwar
nicht geſagt, „wenn die Kaufleute, welche! wir er⸗ warten, ankommen werden, allein Morgen, wenn
die Sonne den hoͤchſten Gipfel am Himmel erreicht
hat, wird ein Kanoe kommen, und die deute darinn
werden uns Nachricht geben, wann wir auf die Ankunft der Kaufleute ſicher rechnen koͤnnen. Wie
er dies geſagt hatte, ‚fo gieng er aus der Einfaſſung heraus, zog ſeine Kleider an, und ließ die Ver⸗
ſammlung aus einander gehn. Ich muß geſtehn, ich ward durch das, was ich geſehn hatte, nicht
wenig in Erſtaunen geſetzt; allein da ich ſah, daß jedermann ſeine Augen auf mich geheftet hatte,
um meine Gedanken zu errathen, ſo gab ich mir alle Muͤhe, meine Empfindungen zu verbergen. Den folgenden Tag hatten wir hellen Sonnens
ſchein, und ſchon lange vor Mittage hatten ſich alle
Indier auf der Anhöhe verſammlet, von welcher man den See uͤberſehn kann. Der alte Koͤnig kam zu mir, und fragte mich, ob ich der Prophe⸗ zeihung des Prieſters ſo vielen Glauben beymaͤße, daß ich mit ihm zu ſeinen Leuten auf dem Huͤgel gehn,
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1 und * ihre Erfüllung wotkeh könnte. Ich ſagte ihm, daß ich nicht wuͤßte, was ich von ſeiner Weiſſagung denken ſollte, allein ich wuͤrde ihn gern begleiten. Wir giengen hierauf zuſammen an den Ort, wo ſich die ubrigen verſammlet hatten. Jeder heſtete feine Augen bald auf mich, bald auf den See, und wie grade die Sonne ihren hoͤchſten Stand erreicht hatte, ſo kam, wie der Prieſter vorher geſagt hatte, ein Kanoe um eine Landſpitze herum, die ungefähr eine Seemeile von uns lag. So bald die Indier ihn erblickten, fo fiengen fie ein allgemeines Freudengeſchrey an, und thaten auf das Anſehn, in welchem ihr Prieſter bey dem großen Geiſte ſo deutlich zu ſtehn ſchien, recht ſtolz. Der Kanoe kam in weniger als einer Stunde ans Ufer, wohin ich dem Koͤnige und den Ober⸗ haͤuptern folgte, um die Leute, die darin waren, zu bewillkommen. So bald ſie ans Land geſtiegen waren, giengen wir alle zuſammen nach dem Zelte des Königs, wo wir, nach ihrer beſtaͤndigen Gewohn⸗ heit, anſiengen, zu rauchen, und ſelbſt ohne irgend einige Fragen zu thun, ungeachtet wir aͤuſſerſt unge⸗ vr duldig waren, die Neuigkeiten, die ſie mit gebracht hatten „zu hoͤren; denn überhaupt find die Indier ſehr geſetzte Leute. Jedoch fragte der König nach * Zeit, ob ſie icht von den Handelsleuten | W geſebn
geſehn hätten? Sie antworteten „daß ſie dieſelben
vor einigen Tagen verlaſſen haͤtten, und daß ſie entſchloſſen wären, uͤbermorgen hier einzutreffen, und wuͤrklich kamen ſie auch zu unſrer groſſen Zu⸗
friedenheit an, doch ſchienen die Indier ſich am
meiſten daruͤber zu freuen, da ſie ſo wohl das An⸗
ſehn von ihrem Prieſter, als von ihrer Nation ſo
ſehr in Gegenwart eines Fremden erhoͤht ſahen. Ich geſtehe gern, daß dieſe Geſchichte, den,
der ſie erzaͤhlt, ſehr in den Verdacht von Leichtglaͤu⸗ 1
bigkeit bringen muß. Allein ich bin uͤberzeugt, daß
niemand weniger von dieſer Schwachheit angeſteckt
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ſeyn kann, als ich es bin. Die Umſtaͤnde dabey
ſind gewiß ſehr auſſerordentlich, allein da ich als ein kalter und gleichguͤltiger Beobachter des ganzen Vorfalls dafür ſtehn kann, daß fie nicht uͤbertrie⸗ ben oder unrichtig vorgeſtellt ſind, ſo konnte ich dieſe Geſchichte meinen Leſern nicht vorenthalten,
die ihre eigenen Folgerungen daraus ziehn moͤgen. Ich habe ſchon vorher angefuͤhrt „daß die Aſſini⸗ poilen ein von den Nadoweſſtern abgefallner Stamm ſind. Sie trenneten ſich von ihren Landsleuten, wegen wuͤrklicher oder eingebildeter Beſchwerden, denn uͤberhaupt ſind die Indier ſehr eifrig fuͤr ihre Rechte, und opferten ihre Bequemlichkeit ihrer m: 0 Freiheit . Denn die Gegend um den See
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See Winnepiek, welche ſe jest bersohnen, iſt, da ſie viel weiter gegen Norden liegt, lange nicht ſo fruchtbar und angenehm, als die, welche ſie ver⸗ lieſſen. Sie haben noch einerley Sprache und 50 ten mit ihren alten Landsleuten.
Die Killiſtinoer ſind jetzt Nachbarn! und Bundes genoffen der Aſſinipoilen, denn ſie wohnen eben falls an den naͤhmlichen See und dem Fluſſe Bur⸗ bon, und ſcheinen urſpruͤnglich von den Tſchipi⸗ waͤern abzuſtammen, deren Sprache fie noch jezt, aber mit einer veraͤnderten Mundart, reden. Ihre Voölkerſchaft beſteht aus drey bis vierhundert Krie⸗ gern, die ſtarke muthige Leute zu ſeyn ſcheinen. Ich habe ſchon vorhin ihres Landes in meiner Be⸗ ſchreibung vom See Winnepiek erwaͤhnt. Da ſie ſich innerhalb den Grenzen von der Geſellſchaft vom Hudſonsmeerbuſen aufhalten „ ſo handeln fie ges wohnlich nach den Faktoreyen der Geſellſchaft, doch kommen ſie aus den vorhin angefuͤhrten Urſachen nach dem Orte, wo ich ſie antraf, um den Kauf; leuten von Miſchillimackinac zu begegnen.
Meine Unruhe uͤber den Verzug dieſer Kaufleute | ward durch ihre Ankunft eben nicht gehoben. Ich konnte von keinen die Waaren erhalten, welche ich 5 brauchte, und ſah mich alfo zum zweytenmahle i in meiner Hofnung „ Mein ganzes Vorhaben . | war
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108 Be war jetzt vernichtet, und mir blieb nichts übrig, , _ als nach dem Orte zuruͤckzukehren, von welchen ich meine weitlaͤuftige Reiſe anfieng. Ich nahm daher | von dem alten Könige der Killiſtinoer und den Ober⸗ haͤuptern beyder Voͤlkerſchaften Abſchied. Der Koͤnig war ungefaͤhr ſechszig Jahr alt, und groß und ſchlank, und trug ſich ſehr grade. Er war uͤberhaupt ſehr artig und geſpraͤchig, und begegnete mir mit großer Höflichkeit, welches mir ſonſt auch von allen übrigen Oberhaͤuptern wiederſuhr. Ich bemerkte, daß dieſe Voͤlkerſchaften noch eine Gewohnheit beybehalten hatten, die allgemein ge⸗ weſen zu ſeyn ſcheint, ehe ſie mit den Sitten der Europaͤer bekannt wurden; ich meine die Gewohn⸗ heit, Fremden ihre Weiber anzubieten. Und dies thun nicht allein Leute von niedrigem Range, ſon⸗ dern die Oberhaͤupter ſelbſt, die es als den größten Beweis ihrer Hoͤflichkeit gegen Fremde anſehen. Inm Anfang des Octobers kam ich nach einer Reiſe laͤngſt den nordlichen und oſtlichen Ufern des Obernſees zu Cadots Fort an, welches bey dem Waſſerfall von St. Maria und nahe bey ſeinem ſuͤdweſtlichen Winkel liegt. | Lake Superior, (der größte See) 115 ſonſt der Oberſee von feiner nordlichen Lage genannt; aber ſeinen n ſeßigen Nahmen hat er von feiner Größe, der
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der keiner von den ubrigen Seen gleich kommt. Man konnte ihn mit Recht das Caſpiſche Meer von Amerika nennen, da er wahrſcheinlicher Weiſe der größte Landſee auf der ganzen Erdkugel iſt. Sein Umkreis betragt nach den franzöſiſchen Karten etwa funfzehnhundert Meilen; allein ich glaube, daß über ſechshundert Meilen mehr herauskommen wuͤrden, wenn man laͤngſt den Kuͤſten führe, und die bbllige Weite jeder Bucht mäffe. ee Tch kam aus dem Fluſſe Goddard an der weſt⸗ lichen Bucht zuerſt auf den See, und fuhr uͤber zwölfhundert Meilen laͤngſt ſeinen nordlichen und weſtlichen Ufern fort, und bemerkte, daß der groͤßte Theil von dieſem weitlaͤuftigen Reiche von Felſen und Anhoͤhen eingefaßt war. Der Grund ſchien groͤßtentheils aus einem Felſenbette zu be⸗ ſtehn. Wenn es ruhiges Wetter und heller Son⸗ nenſchein war, ſo konnte ich in meinem Kanoe ſitzen, | und in einer Tiefe von mehr, als ſechs Klaftern, deutlich auf dem Grunde große Pfeiler von Stein, von unterſchiedlichen Figuren unterſcheiden, davon einige ordentlich das Anſehn hatten, als wenn ſie behauen wären. Das Waſſer war alsdann ſo rein und durchſichtig als zuft, und mein Kanoe ſchien blos darin zu ſchweben. Es war unmöglich, länger als einige Minuten durch dieſen bellen N 0 8 Zwiſchen⸗
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| Zwiſchenraum die Felſen zu betrachten, ohne ſchwindlicht und gezwungen zu werden, ſeine Augen von dieſer glänzenden Scene wegzuziehn. Ich entdeckte durch einen Zufall noch eine zweyte | auſſerordentliche Eigenſchaft des Waſſers in die⸗ ſem See. Es war im Julius, als ich daruͤber fuhr, und die Oberflaͤche des Waſſers hatte von drr daruͤber ſchwebenden duft einen beträchtlichen Grad vom Waͤrme erhalten, allein dem ungeach⸗ tet hatte das Waſſer, das man mit einer Schale ungefaͤhr eine Klafter tief hervorholte, eine ſolche Kälte „daß es mir im 9 kunde wie Eis vorkam. Die Lage dieſes Sees wird verſchiedentlich ange⸗ geben, allein nach den genaueſten Beobachtungen, die ich anſtellen konnte, liegt er zwiſchen dem ſechs und vierzigſten und funzigſten Grade nordlicher Breite, und zwiſchen dem vier und achtzigſten und drey und neunzigſten Grade weſtlicher Lange, von der Londoner Mittagslinie angerechnet. | Es giebt viele Inſeln in dieſem See, wovon zwey ſehr groß find; und wenn ihr Boden ſich gut zum Ackerbau ſchickt, ſo koͤnnte auf jeder eine be⸗ trächtliche Pflanzſtadt angelegt werden; vorzuͤglich auf der Koͤnigsinſel (Isle royale) die wenigſtens hundert Meilen lang, und an vielen Stellen vier, zig Meilen breit ſeyn muß. Doch laͤßt ſich von e N keiner
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keiner von beyden Lange oder Breite genau an⸗ geben. Selbſt die Franzoſen, die immer einen Schoner auf dieſem See hielten, ſo lange ſie noch im Beſitz von Kanada waren, womit ſie leicht eine ſolche Unterſuchung haͤtten anſtellen koͤnnen, harten nur elne geringe Kenntniß von den Ufern dieſer Inſeln. Wenigſtens haben ſie, ſo viel als mir bekannt iſt, nie etwas von ihren innern Ge⸗ genden bekannt gemacht. i 5 Auch konnte ich in meinen Unterredungen mit den benachbarten Indiern nie erfahren, ob ſie Pflanzſtädte je darauf angelegt gehabt hätten, oder auf ihren Jagdzuͤgen darauf ans Land geſtiegen waͤren. So viel ich aus ihren Reden ſchließen konnte, ſo ſcheinen die Indier zu glauben, daß der große Geiſt ſeine Wohnung darauf habe, und
fie erzählen viele ſeltſame Geſchichte von Bezau.
berungen und Hexereyen, die armen Indiern wiederfahren waren, wenn ſie ein Sturm zwang, auf dieſen Inſeln Schutz zu ſuchen. ee Einer von den Anfuͤhrern der Tſchipiwaͤer erzählte mit, daß einige von feiner Bölkerfchaft einmal an die Inſel Maurepas wären geworfen worden, die auf der Nordoſtſeite des Sees liegt, und darauf große Haufen von einem ſchweren glaͤnzenden gelben ne gefunden hätten, der nach ihrer Beſchreibung Soli |
Sofeftauß geweſen feyn muß. Sein glänzender
Anblick bewog ſie den folgenden Morgen, wie ſie
wieder in ihren Kanoe ſteigen wollten, etwas davon mitzunehmen; allein ein großer Geiſt, der nach
ihrer Beſchreibung uͤber ſechszig Fuß hoch war, gieng ihnen ins Waſſer nach, und befahl ihnen, alles was ſie mitgenommen hatten, wieder heraus
zu geben. Sie ließen ſich durch ſeine Rieſengröͤße in Schrecken ſetzen, und da er fie ohnehin beynahe eingeholt hatte, ſo gaben ſie ihren glänzenden Schatz wieder hin, worauf ſie auch ruhig ihre Fahrt fortſetzen konnten. Seit der Zeit wagt ſich kein Indier, der dieſe Geſchichte gehört hat, weiter an dieſe Spuͤkkuͤſte. Sie erzaͤhlten mir noch außer dieſer verſchiedne aͤhnliche Mährchen von
dieſen Inſeln. 5 /
Die Gegend auf der nordlichen und oſtlichen
Seite des Oberſees iſt ſehr gebirgicht und un⸗
fruchtbar. Das Wachsthum der Pflanzen iſt hier ſehr kuͤmmerlich, da die Kaͤlte im Winter ſehr 1
ſcharf iſt, und die Sonne im Sommer keine 1 55 Kraft hat. Man findet daher nur wenige Früchte auf feinen Ufern. Doch giebt es einige Arten in
großer Menge. Auf den Bergen nahe beym See wachſen Heidelbeeren von einer ungemeinen Größe und fer ch ent Geſchmack in erſtaunlichem Ueber⸗ | fluſſe,
| oe 113 fluſſe, und eben ſo gut kommen daſelbſt ſchwarze Johannisbeeren und Stachelbeeren fort. Allein die beſte von allen Fruͤchten iſt eine Beere, die Hinbeeren ahnlich ift, aber eine hellrothe Farbe und anfehnfichere Größe hat. Ihr Geſchmack iſt ebenfalls weit angenehmer, als der von Hinbeeren, die doch in Eukopa ſehr geſchaͤtzt werden. Sie waͤchſt auf einem Strauche, der einer Weinrebe ahnlich iſt, und auch eben ſolche Blaͤtter hat. Es wuͤrde ohne Zweifel eine ſehr koſtbare und ſchmacchaſte Feucht daraus werden, wenn man ſie in eine waͤrmere Gegend verpflanzte. | Es fallen auf der Nord⸗ und Oſtſeite zwey ſehr große Fluͤſſe in dieſen See. Der eine davon heißt der Nipegon Fluß, oder wie ihn die Franzoſen ausſprechen, der Allanipegon, der von einem Stamm der Tſchipiwaͤer herkommt, welcher in der Gegend um einen See gleiches Namens wohnt; der andre heißt der Mitſchipicuton, deſſen Quelle nicht weit von Jamesbay liegt. Bey ſeiner Quelle giebt es nur einen kurzen Trageplatz bis zu einem andern Fluſſe, der bey einem Forte, das der Geſellſchaft gehört, in den eben erwaͤhnten Meer⸗ buſen faͤllt. Dieſen Weg nahm eine Parthey Fran⸗ zoſen von Miſchillimackinac, wie fie die Beſitzun⸗ gen der Geſellſchaft unter der Regierung der Carvers Reiſen. 5 Koni
— / +
114 e | Königin Anna angriffen. Sie eroberten und ſchleiften die Forte, und nahmen die Kanonen, die ſie darin fanden, mit nach der Feſtung, von wel⸗ cher ſie ausmarſchirt waren. Es waren kleine me⸗ tallene Stuͤcke, die ſich noch dort befinden, da ſie durch den gewöhnlichen Wechſel des Gluͤcks wieder an ihre alten Herrn gekommen ſind. Nicht weit vom Nipegon giebt es einen kleinen Fluß, der grade ehe er in den See fällt, ſenkrecht a von dem Gipfel eines Berges mehr als ſechshun⸗ dert Fuß herabſtuͤrzt. Da er ſehr ſchmahl iſt, fo laͤßt er in der Ferne wie ein weiſſes FOR das in der Luft ſchwebt. f Gngſt dem oſtlichen Ufer wohnen e e * noch von den Algonkinen uͤbergeblieben ſeyn ſollen, die ehemals im Beſitz dieſer Gegend waren, aber faſt ganz von den Srofefen aus Kanada aus; gerottet wurden. Es giebt uͤberhaupt beynahe vierzig Fluͤſſe, die in den Obernſee fallen, von wel— chen einige eine betraͤchtliche Groͤße haben. An der Suͤdſeite liegt ein merkwuͤrdiges Vorgebuͤrge, 0 das ungefähr ſechszig Meilen lang iſt, und Kap Schagomegan genannt wird. Man konnte es eben ſo gut eine Halbinſel nennen, da es faſt ganz vom feſten Lande auf der Oſtſeite durch eine enge Bucht, 0 le ſich ven Oſten a Weſten erſtreckt, getrennt I wird.
115
wird. Man braucht die Kanoes nur eine kurze Strecke über Sand zu tragen, da hingegen die Reiſe zu Waſſer um daſſelbe über hundert Meilen betraͤgt. Ungefaͤhr hundert Meilen weſtwaͤrts von dem eben beſchriebenen Vorgebuͤrge faͤllt in den See ein betraͤchtlicher Fluß, der aus einem Zuſam⸗ menfluſſe von vielen kleinen Gewaͤſſern entſteht. Dieſer Fluß iſt wegen der Menge gediegen Kupfer merkwuͤrdig, die man an ſeinen Ufern findet. Man trift ſonſt dies Metall auch noch an verſchiednen andern Stellen auf dieſer Kuͤſte an. Ich bemerkte, daß viele von den kleinen Inſeln, hauptſaͤchlich auf der oſtlichen Küfte, mit Kupfererzt bedeckt waren. Sie ſahen wie Betten von Vitriol aus, von welchem viele. Tonnen in einem kleinen Raume anne 5 lagen. ei Geſelſchaft aus England fieng bald nach der Eroberung von Kanada an, etwas von dieſem Metall wegzufuͤhren; allein der verworrene Zuſtand der Sachen in Amerika hat fie genoͤthigt, ihr Vor⸗ haben aufzugeben. Es könnte in Fünftigen Zeiten eine vortheilhafte Handlung daraus entſtehn, da das Metall nichts auf der Kuͤſte koſtet, und auch ohne große Unkoſten eingeſchifft werden könnte. ü Man muͤßte es erſt in Booten oder Kanoen uͤber den Waſſerfall von St. Maria nach der Inſeſ | ne Joleph
116 u.
Joſepb bringen, die am Ende der Meerenge nahe bey ihrem Einfluß in den See Huron liegt; von dort koͤnnte es auf größern Fahrzeugen uͤber dieſen See
bis an den Waſſerfall von Niagara geführt werden; 3 | hier wuͤrde es zu Lande über den großen Trageplatz, ö
und alsdenn weiter ohne große Schwierigkeit nach Quebec gebracht. Die leichtigkeit und die wenigen Unkoſten, womit eine ſehr große Menge davon zu⸗
ſammen gebracht werden kann, erſetzt die Weite des Weges völlig, und macht, daß die Eigner es zu eben ſo guten Preiſen, als das Kupfer aus an⸗
dern Lͤndern, auf fremde Maͤrkte fuͤhren koͤnnen. Der Oberſee hat einen Ueberfluß an Fiſchen, worunter Forellen und Stoͤre die vornehmſten ſind,
welche man faſt zu jeder Jahrszeit im größten
Ueberfluſſe fangen kann. Die Forellen wiegen ge⸗ | meiniglich zwölf Pfund, und zuweilen ſogar uͤber
funfzig. Auſſer dieſen wird noch eine Art von Weiß⸗ fich ſehr häufig gefangen, die einer Elfe *) ähnlich, aber etwas dicker iſt, und nicht ſo ſtarke Graͤten hat. Sie wiegen ungefaͤhr vier Pfund, und ſchmek⸗
ken ſehr angenehm. Man faͤngt ſie am beſten mit
einem Netze, doch kann man Forellen i immer mit Angeln fangen. Es giebt bier ebenfalls kleine Rien von Wegen im großen Ueberfluſſe; und unter l 4 dieſen 5 =) . Au, Shad 0. Aloſe fr.
117
dieſen eine, die einem Heringe ahnlich iſt, und zum Köder fuͤr die Forellen gebraucht wird. So wohl i in dieſem See, als in Miſchigan, findet man noch eine kleine Art Taſchenkrebſe, bir nicht größer 0 ſind, als ein Gulden.
Dieſer See iſt Stärmen vollig ſo ſehr unterwor⸗ fen, als das atlantiſche Meer. Seine Wellen ſteigen eben ſo hoch, und ſind den Schiffen eben fo gefaͤhrlich. Sein Waſſer hat an dem ſüͤdoſtlichen Winkel durch die Straße von St. Maria einen Ausfluß. An dem obern Ende dieſer Straße ſteht ein Fort, das ſeinen Nahmen von ihr hat, und vom Herrn Cadot, einem franzöſiſchen Kanadier befehligt wird, der als Eigenthuͤmer des Bodens in dem Beſitz davon geblieben it. Nahe bey dieſem Forte iſt ein ſtar⸗ | fer Strom, gegen den zwar keine Kanoes angehn können „aber man kann ihn, wenn man einen ge⸗ | ſchickten wotſen bat, ohne e berabfahren.
Ungeachtet der Oberſee ; wie ich vorhin ange⸗ fuͤhrt habe, von beynahe vierzig Fluͤſſen fein Waſſer erhaͤlt, unter welchen einige ſehr betracht lich ſind, ſo ſcheint doch kaum der zehnte Theil von dem Waſſer, das er aus dieſen Fluͤſſen er⸗ hält, durch dieſe Oefnung herauszufließen. Ich ſehe nicht ein, wie ſch ein ſolcher Ueberfluß von % Waſeer
3 2 5 SE . h 22 2 BZ RR 118 * Waſſer verliehren Wan welches doch auf irgend
eine Art geſchehn muß, weil ſonſt die Oberflaͤche
des Sees beſtaͤndig zunehmen wuͤrde. So viel iſt gewiß, daß er ſein Waſſer durch ei ſtrom verliehrt, wie das mittellaͤndiſche Meer thun
einen Untern⸗
ſoll, wo dieſer untere Strom dem auf der Ober⸗ | fläche beſtaͤndig entgegen arbeitet; denn der Strom,
5 der uͤber den Felſen faͤllt, iſt nicht uͤber fuͤnf bis ſechs Fuß tief, und fließt ganz durch die Straße
in den naͤchſten See. Es iſt auch nicht wahrſchein⸗
lich, daß eine ſo große Menge durch Ausduͤnſtun⸗ gen verlohren gehn koͤnnte; und folglich muß es irgendwo einen Ausfluß durch tiefe unterirrdiſche Gaͤnge darinn geben.
Der Waſſerfall von St. Maria ſärzt sche ſenk⸗
recht herunter, wie die Waſſerfaͤlle von St. Anton
und Niagara, ſondern er beſteht aus einem reiſſen⸗
den Strome / der ſich dreyviertel Meile weit er⸗
ſtreckt, und über den Kanoe mit Vorficht geführt:
werden koͤnnen. |
Unten an dieſem Waſſerfalle ſchicken fich die Fel⸗ en fehr bequem zum Fiſchfang. Wenn man im September und October feine Netze auswirft, fo iſt man ſicher, fie immer voller Weißfiſche heraus
zu ziehn, die in dieſer Jahrszeit nebſt verſchiednen em Fiſcharten in ſolchen Schwaͤrmen hieher
kom⸗
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ü daß, wenn fe gehörig zubereitet würden, 10 Tauſende davon das Jahr hindurch leben koͤnnten. Die Straße von St. Maria iſt ungefaͤhr vierzig Meilen lang, und laͤuft ſuͤdoſtlich. Ihre Breite iſt ſehr verſchieden. Der Strom zwiſchen dem Waſſerfalle und dem See Huron iſt nicht fo reiffend, als man erwarten koͤnnte, und Laſtſchiffe koͤnnen er bis an die Inſel St. Joſeph hinauf fahren. h Verſchiedene Reiſende haben angemerkt, daß die Ausſicht, wenn man aus dieſer Straße in den HOberſee koͤmmt, eine der ſchoͤnſten iſt, die man ſich denken kann. Die Stelle, wo ſie ſich am vortheil⸗ hafteſten zeigt, iſt grade bey der Oefnung des Sees, wo man zur linken Hand viele ſchoͤne kleine Inſeln erblickt, die eine betraͤchtliche Kette aus⸗ machen. Zur rechten Hand ſieht man eine Menge kleiner auf einander folgender Landſpitzen, die etwas ins Waſſer vorlaufen, und dies reitzende Becken, wenn man es fo nennen koͤnnte, gegen die Wuth der ſtuͤrmiſchen Winde fichern, welchen der no En See oft ausgeſetzt iſt. Der See Huron, in welchen man aus 1 Straße St. Maria koͤmmt, iſt der größte nach dem Oberſee. Er liegt zwiſchen dem zwey und vier⸗ zigſten und ſechs und vierzigſten Grade nord⸗
e Breite, und zwiſchen dem neun und ſieben⸗ 8 * 4 en
sioften und fünf und achtzigſten Grade weſtlicher | Lange. Seine Figur iſt dreyeckigt, und ſein Um⸗ kreis betraͤgt tauſend Meilen.
An der Nordſeite davon liegt eine Insel, die | ihrer Laͤnge wegen merkwuͤrdig iſt, welche hundert Meilen beträgt, da fie doch nur acht Meilen breit iſt. Dieſe Inſel iſt unter dem Namen Manatalin, Ort der Geiſter „bekannt, und wird von den In⸗ diern eben ſo heilig geſchaͤtzt, als die oben wle ̃ ten Inſeln im Oberſee.
Ungefaͤhr in der Mitte auf der Suͤdweſtſeite die⸗ ſes Sees liegt der Buſen Saganaum. Die Vor⸗ gebuͤrge, welche dieſen Buſen von dem See tren⸗ nen, liegen ungefaͤhr achtzehn Meilen von einander, und in der Mitte dazwiſchen liegen zwey Inſeln, welche den Kanoen und kleinern Fahrzeugen ſehr zu ſtatten kommen, da man ohne einen folchen Sichers heitsort ſich nicht gut uͤber einen fo. großen See wagen koͤnnte. Laͤngſt der Kuͤſte hinzufahren wuͤrde die Reiſe aͤuſſerſt langwierig und unangenehm machen. Dieſer Buſen iſt ungefaͤhr achtzig Mei⸗ len lang, und im Durchſchnitt ungefaͤhr achtzebn bis zwanzig Meilen breit. \
Beynahe auf der Haͤlfte der Weite zwischen na Buſen Saganaum und dem nordweſtlichen Winkel des rent / liegt ein n Buſen, der Donner⸗ |
bufen
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buſen wn genannt. Die Indier, die dieſe Gegenden ſeit undenklichen Zeiten beſucht ha⸗ ben, und alle Europaͤer, die daruͤber gekommen ſind, geben ihm einmuͤthig dieſen Namen, weil fie beſtaͤndig Donnerwetter darauf antrafen. Die Bucht iſt ungefähr neun Meilen breit, und eben ſo lang. Wie ich daruͤber fuhr, wozu ich faſt vier und zwanzig Stunden brauchte, ſo donnerte und blitzte es den groͤßten Theil dieſer Zeit auſſerordent⸗ lich ſtark. Ich konnte keine ſichtbare Urſache da⸗ von ausfündig machen, da überhaupt dieſe Gegend | Gewittern nicht ſehr unterworfen iſt. Die Berge umher waren von keiner beträchtlichen Höhe, und ſchienen auf ihrer Oberflaͤche auch mit keiner ſchwe⸗ | felartigen Materie bedeckt zu ſeyn. Da aber dieſe Erſcheinung doch eine natuͤrliche Urſache haben muß, ſo ſchließe ich, daß die Ufer des Buſens oder die benachbarten Berge entweder eine große Menge von ſchwefelartiger Materie oder irgend ein Mi⸗ neral enthalten, das in einem ſtarken Grade die elektriſchen Theilchen an ſich ziehn kann, womit die voruͤberziehenden Wolken angefuͤllt find. Doch ich uͤberlaſſe die Auflöſung dieſer und aller übrigen philoſophiſchen Probleme, die zufälliger Weiſe in dieſem Werke vorkommen ſollten, deuten von gr
ſerer ne als ich beſitze. . N 9 5 Die
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Die her im See Huron ſind faſt die namlichen ; wie im Oberſee. Das Land auf ſeinen Ufern iſt an einigen Stellen fruchtbar „und ſchickt ſich fehe gut zum Ackerbau, an andern hingegen iſt es ſan⸗ digt und unfruchtbar. Das Vorgebuͤrge, „ wel ches dieſen See vom See Miſchigan trennt, beſteht aus einer großen Ebene, die uͤber hundert Meilen lang iſt, und eine abwechſelnde Breite hat, welche zehn bis funfzehn Meilen betraͤgt. Dieſer Strich iſt, wie ich ſchon oben angefuͤhrt habe, faſt zu glei⸗ chen Theilen zwiſchen den Ottowaern und Tſchipi⸗ waͤern getheilt. Am nordoſtlichen Winkel hat die⸗ ſer See eine Gemeinſchaft mit dem See Miſchigan durch die ſchon beſchriebene Stroke von Miſchilli⸗ mackinac.
Ich haͤtte beynahe einen met Umſtand
vergeſſen, der dieſe Straße betrifft. Nach den
Beobachtungen, welche die Franzoſen machten, da ſie noch im Beſitz des Fortes waren, giebt es zwar keine taͤgliche Ebbe und Fluth darin, allein durch eine genaue Aufmerkſamkeit entdeckt man doch eine gewiſſe periodiſche Veranderung darin. Man bemerkte, daß das Waſſer ſtuffenweiſe und faſt unmerklich bis zu einer Hoͤhe von ungefaͤhr dre Fuß ſtieg. Dies ereignete ſich in achtehalb Jahren, und in eben dem Seitkaume nahm es wieder ab,
bis
. BIS 123 bis es ſeinen vorigen Stand erreicht hatte; ſo daß dieſe unerklaͤrliche Revolution in funfzehn Jahre zu Stande kam. Wie ich dort war, ſo konnte die Richtigkeit dieſer Beobachtung noch von den Eng⸗
laͤndern nicht beftätigt werden, da fie blos einige 8 Jahre das Fort im Beſitz gehabt hatten; aber alle ſtimmten darin überein, daß eine Veraͤnderung in
dem Waſſer der Straße zu ſpuͤren waͤre. Alle dieſe
Seen ſind den Winden fo ausgeſetzt, daß es zus
weilen ſcheint, als wenn eine Fluth ſtatt fände,
doch waͤhrt dies nur eine kurze Zeit, und ae
ſich nur über einen Theil der Seen.
Um dieſen See, vorzuͤglich nahe bey dem Buſen Saganaum, wohnt eine große Anzahl von Tſchipi⸗
waͤern zerſtreut herum. An feinenlifern wachſen eine erſtaunliche Menge von Sandkirſchen, und in der
berumliegenden Gegend findet man faſt eben ſolche
Früchte, als man bey den andern Seen antrifft.
„Bon dem Waſſerfall von St. Maria gieng ich
gemaͤchlich nach Miſchillimackinac zuruͤck, und kam daſelbſt im Anfange des Novembers 1767 an, nachdem ich vierzehn Monathe auf dieſer Reife, die
ſich beynahe auf viertauſend Meilen erſtreckte, zu⸗ gebracht hatte. Ich beſuchte darauf zwölf indiſche
Volkerſchaften, die gegen Weſten und Norden von 5 wohnen. Der inen el bald
nach
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nach meiner Ankunſt ein, und ich ab mich daher genoͤthigt, bis zum naͤchſten Junius zu verweilen, da die Schiffahrt auf dem See Huron fuͤr große Fahrzeuge wegen des Eiſes nicht eher wieder an⸗ fieng. Ich fand hier eine ſehr umgaͤngliche Geſell⸗ ſchaft, und brachte dieſe Monathe ſehr een nnd ohne alle Langeweile zu.
Einer meiner vornehmſten Zeitvertreibe war 9206 . Forellenfang. Die Straße war zwar mit Eife bedeckt, worin wir aber Oeffnungen machten, durch welche wir ſtarke und zwey und zwanzig Ellen lange Linien hinunter ließen, an denen drey bis vier Angel mit kleinen Fiſchen befeſtigt waren, und auf dieſe Art fingen wir oft zwey zugleich, von welchen ein jeder vierzig Pfund wog. Sonſt betraͤgt ihre gewoͤhnliche Größe zehn bis zwanzig Pfund. Sie geben ein ungemein ſchmackhaftes Eſſen ab. Man krocknet fie in der Luft, ſo lange als der Winter waͤhret „ welches gewohnlich drey Monate ſind, und in einer einzigen Nacht frieren fie ſo hart, daß
fie ſich völlig ſo gut Kaan als wenn is rg ki
Salzen wären. | IH habe auf meiner Reiſekarte th Weg be⸗ | zeichnet, den ich nahm, als ich von Miſchillima⸗ ckinge ausreiſte, und wieder dahin zuruͤckkehrte. Die duden welche nahe an den Kolonien liegen, ſind
125 FR 160 oft und N unftänbtic beschrieben worden, daß man keiner weitern Beſchreibung davon be⸗ darf. Ich will daher den uͤbrigen Theil meines Tagebuchs blos der Beſchreibung von den uͤbrigen großen Seen in Kanada widmen, da ich viele da⸗ von beſchifft habe, und zugleich einige beſondere Vorfaͤlle erzehlen, die man hoffentlich nicht 95 | eee und zweckwidrig halten wird.
Im Junius 1768 verließ ich Miſchilimakkinae, Be gieng in dem Schoner Gladwyn, einem Fahr⸗ zeuge von ungefaͤhr achtzig Tonnen, uͤber den See Huron nach dem See St. Klara zuruͤck, wo wir das Schiff verließen „und in Booten weiter nach Detroit giengen. Dieſer See hat ungefähr neun⸗ zig Meilen im Umkreiſe, und empfaͤngt durch den Fluß Huron, der aus dem ſuͤdlichen Winkel des
Sees Huron kommt, das Waſſer aus den drey großen Seen, dem Oberſee und den Seen Miſchi⸗ gan und Huron. Seine Figur iſt faſt rund, und an einigen Stellen iſt er fuͤr große Schiffe tief genug, aber gegen die Mitte zu giebt es eine Sandbank, über die keine beladene Schiffe gehen konnen. Schiffe, die blos Ballaſt fuͤhren, finden Waſſer genug darauf, von andern aber muß die Ladung auf Booten uͤber die Sandbank gebracht, | und alabann wieder eingeladen werden.
Der
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Der Fluß, der aus dem See St. Klara in den See Erie fließt, heißt Derroit, welches im Fran⸗ zoͤſiſchen eine Meerenge bedeutet. Er laͤuft faſt völlig ſuͤdwaͤrts, und hat einen gelinden Strom und gehörige Tiefe für ziemlich große Laſtſchiffe. Die Stadt Detroit liegt auf dem weſtlichen ufer des Fluſſes, ungefähr neun Meilen unterhalb des Sees St. Klara.
Faſt gegen dieſer Stadt uͤber liegt auf der Oft ſeite des Fluſſes ein Dorf der alten Huronen; eines Stammes von Indiern, „deren ſchon fo viele Schriftſteller erwaͤhnt haben, daß ich ſie hier uͤber⸗ gehn muß, da ich mich blos auf die Beſchreibung von wenig bekannten Oertern und Voͤlkern ein⸗ geſchraͤnkt habe. Ein Kartheuſer haͤlt ſich mit Erlaubniß des Biſchofs von Kanada als Riff ionär bey ihnen auf. 1
An den Ufern des Fluſſes Detroit, fo wohl ober⸗ halb als unterhalb der Stadt, liegen eine Menge Meyereyen, die ſich auf eine Weite von zwanzig Meilen erſtrecken. Die Gegend iſt ungemein fruchtbar, und ſchickt ſich ſehr gut zum Anbau von Waizen, indiſchem Korn, Hafer und Erbſen. Auch giebt es an verſchiednen Stellen ſehr ſchöne Weide. Da aber die Einwohner, die groͤßtentheils aus Franzoſen befichn, welche ſich der engliſchen
*
| chen etliche ſchlechte kleine Stuͤcke aufgefuͤhrt ſind,
dieſe Gegenden vordrang, ſich mehr auf die Hand⸗
127 Regierung unterwarfen „als General Amherſt in
lung mit den Indiern legen, ſo wird der Ackerbau nur mit wenigem Fleiße betrieben. 8 65 Die Stadt Detroit enthaͤlt uͤber hundert Sänfen | Die Gaſſen find ziemlich regelmäßig, und an der Suͤdſeite liegt eine Reihe von ſchoͤnen und beque⸗ men Barracken, nebſt einem geraͤumigen Waffen⸗ | platze. Auf der Weſtſeite liegt der königliche Garten, welcher dem Statthalter gehört, und ſehr gut angelegt iſt. Die Veſtungswerke der Stadt beſtehn aus einem ſtarken Stackwerk von runden Pfaͤhlen, das außen mit vorſtehenden Palliſaden beſetzt iſt. Dies Stackwerk wird von etlichen kleinen Bollwerken vertheidigt, auf wel⸗
die blos gegen Indier, oder gegen einen Feind ohne Artillerie von Nutzen ſeyn koͤnnen. | Die Beſatzung beſteht in Friedenszeiten aus zweyhundert Mann, die ein Staabsoffieier be⸗ fehligt, welcher zugleich hier die hoͤchſte Obrigkeit unter dem Statthalter von Kanada iſt. Herr Turnbull, Hauptmann vom ſechszigſten oder für niglich amerikaniſchem Regiment, war eben Kom⸗ mandant, als ich mich hier anfhielt. Kaufleute
und > Einbohner haften * große Urſache, mit ſei⸗ nem
BEE vu 5. rk 1 * — YA
1 28 | nem Saane zufrieden zu ah „und ich chte mich gluͤcklich, hier Gelegenheit zu haben, ihm oͤffentlich meinen Dank für die vielen Gefaͤlligkeiten, welche er mir erwieſen bat, zu bezeugen.
In Julius 1762 regnete es in der Stadt und der umliegenden Gegend ein ſchwefelhaftiges Waſſer von einer Farbe und Dicke wie Dinte. Man ſammlete etwas davon in Flaſchen, und wie man es verſuchte damit zu ſchreiben, fo fand man, daß es die voͤlligen Dienſte von Dinte that. Bald nachher brach der indiſche Krieg aus, wovon ſchon viel war geſprochen worden. Ich will hiemit nicht
N behaupten, daß dieſer Zufall eine Vorbedeutung
davon war, ungeachtet man faſt aus jedem Zeit⸗
alter glaubwuͤrdige Schriftſteller hat, Die ähnliche
Beyſpiele von außerordentlichen Erſcheinungen vor
beſondern Begebenheiten anfuͤhren; ich erzehle den
Umſtand blos als eine geſchehene Sache, die mir von
verſchiednen glaubwuͤrdigen Leuten erzehlt wurde,
und uͤberlaſſe es meinen deſern, wie ich bisher gethan
babe, ihre eignen Folgerungen daraus zu ziehn. Pontiac, unter dem die Indier den Angriff auf das Fort Miſchillimackinae wagten, wie ich vorhin erzaͤhlt habe, war ein unternehmender Anführer oder Hauptkrieger der Miamier. Waͤhrend des legen Krieges zwiſchen den Englaͤndern und Fran⸗ en
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Fl fe en war er ein hanbafter Freund von den en | und hegte feinen eingewurzelten Haß gegen jene noch immer fort, ſelbſt wie ſchon der Friede zwiſchen beyden Nationen geſchloſſen war. Da er den Raͤu⸗ bereyen die er ſo lange getrieben hatte, nicht gern entſagen wollte ‚fo zog er ein Heer von verbunde⸗ nen Indiern zuſammen, die aus den oben anger | führten Bölferiihaften beftanden, um den Krieg foͤrmlich wieder anzufangen. Doch anſtatt die eng⸗ liſchen Beſitzungen öffentlich) anzugreifen, machte er einen Entwurf alle Forte an den Grenzen, wel⸗ che ſie vor kurzem durch den Frieden erhalten are ten, unvermuthet zu uͤberfallen. | Meine gefer wiſſen ſchon, wie gut es der Par- | they gluͤckte, welche er nach Miſchillimackinac abe geſchickt hatte. Allein es erforderte mehr Ent⸗ ſchloſſenheit und tiefer ausgeſonnene diſt, um Der troit, einen Ort von groͤſſerer Wichtigkeit, und der weit beſſer beſetzt war, in ſeine Haͤnde zu be⸗ 5 kommen. Er nahm daher dies Unternehmen ſelbſt über ſich, und naͤherte ſich dem Platze mit demHaupt⸗ chor ſeiner Truppen. er ward jedoch an der Ausfuͤh⸗ rung ſeines Vorhabens durch einen dem Anſchein Aach geringen und unvermutheten Zufall verhindert. In der Stadt Detroit logen, als Pontiac ſeinen Entwurf darauf machte, ungefähr. dreyhundert Carvers Reifen 2 Mann
130 Mann in Beſatzung, unter den Befehlen des Ma⸗ jors Gladwyn, eines tapfern Officiers. Eben da⸗ mals ſchien der Krieg ein völliges Ende zu haben, und die Indier betrugen ſich ungemein freundſchaft⸗ lich. Pontiac naͤherte ſich dem Forte, ohne irgend Verdacht bey dem Befehlshaber oder den Einwoh⸗ nern zu erregen. Er ſchlug ſein Lager in einer llei⸗ nen Entfernung davon auf, und ließ dem Befehls, haber ſagen, daß er gekommen waͤre, um zu han⸗
deln; und da er wuͤnſchte, die Kette des Friedens | zwiſchen den Engländern und feiner Nation gläns zend zu machen, fo möchte er ihm undſeinen Ober⸗ haͤuptern erlauben, einen Rath mit ihnen zu bal⸗ ten. Da der Statthalter noch nicht den gering⸗
ſten Argwohn i in die Aufrichtigkeit der Indier ge⸗
ſetzt hatte, fo gewaͤhrte er ihrem Anführer ſein Ge⸗ ſuch, und beſtimmte den folgenden — zur Haltung des Raths.
Den naͤhmlichen Abend brachte eine indifche Frau, die für Major Gladwyn ein Paar indiſche Schuh aus einer vorzuͤglich guten Elendshaut ge⸗ macht hatte, fie nach feinem Hauſe. Sie gefielen dem Major ſo ſehr, daß er ihr befahl, das übrige von der Haut zu nehmen, und ihm noch ein Paar daraus zu machen, da er dieſe zu einem Geſchenke für einen guten — beſtimmt hatte. Er befahl
ER darauf 5
10 $
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Ae en Bedienten, „ihr das erſte Paar zu bezahlen, und ließ ſie gehn. Die Frau ging bis an die Hausthuͤr, aber nicht weiter, und zoͤgerte da noch, als wenn ſie ihr Geſchaͤft noch nicht aus⸗ gerichtet haͤtte. Endlich beobachtete ſie ein Bedien⸗ ter, und fragte ſie, warum ſie noch da waͤre, allein ſie antwortete ihm nicht darauf. |
Bald darauf fah fie der Statthalter felöft, 1 | ce ſich bey ſeinem Bedienten, nach der Ur⸗ ſache ihres Zuruͤckbleibens „ und da er keine hinrei⸗ chende Antwort von ihm erhielt, ſo ließ er die Frau wieder bereinrufen. Wie ſie vor ihm kam, ſo fragte er ſie, warum ſie noch zauderte, und nicht aus dem Forte gienge, ehe die Thore zugeſchloſſen wuͤrden „damit ſie die Arbeit fuͤr ihn zur beſtimm⸗ Zeit fertig machen koͤnnte. Sie antwortete ihm nach vieler Verwirrung, fie möchte das übrige von: der Haut nicht mit nehmen, da er einen ſo großen Wehrt darauf ſetzte, und ſich immer ſo guͤtig gegen fie betragen hätte, und doch hätte fie ſich nicht übers winden koͤnnen, es ihm gleich zu ſagen. Er fragte fie,- warum fie denn jetzt es nicht ſo gern thun wollte, als da ſie ihm das erſte Paar gemacht h hätte, und fie antwortete mit noch größerer Verwirrung, daß ſie nie im Stande ſeyn würde ‚sie sd zu shi R c
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SR 225 Da jetzt des Statthalters Neugierde erregt ward
ſo beſtand er darauf, das Geheimniß zu erfahren, das ihr ſo viel Unruhe zu machen ſchien. Endlich, wie er ihr verſprach, daß ihr die Nachricht, die ſie ihm geben wuͤrde, icht zu ihrem Nachtheil ger veichen „und daß ſie dafuͤr belohnt werden ſollte, wenn man ſie wichtig ſinden wuͤrde, ſo erzaͤhlte ſie ihm, daß bey dem Rathe, der Morgen gehal⸗ ten werden ſollte, Pontiac und die andern Ober⸗ haͤupter beſchloſſen haͤtten, ihn, die Beſatzung und Einwohner zu ermorden, und darauf die Stadt zu pluͤndern. Alle Oberhaͤupter/ die zum Rathe ge⸗ laſſen werden ſollten, haͤtten daher ihre Flinten kuͤrzer gemacht „damit ſie ſie unter ihren Decken verbergen konnten, und daß ſie, ſo bald ihr Anfuͤh⸗ rer ein Zeichen bey Ueberlieferung des Gehaͤnges ge⸗ macht haͤtte, auf ihn und ſein Gefolge Feuer geben wuͤrden. Hierauf wollten ſie ſich gleich in die Gaſſen ſtuͤrzen, wo fie von einer groſſen Anzahl ihrer Krie⸗ ger unterſtuͤtzt werden wuͤrden, die waͤhrend des Raths, unter dem Vorwande zu handeln, in die Stadt kommen, und auf die naͤhmliche Art bewaf⸗ net ſeyn ſollten. Da er von dieſer Frau alle Neben⸗ umftände dieſer Verſchwoͤrung, und auch die Art, wie ſie dahinter gekommen war, erfahren hatte, ſo befahl er ihr, ja nichts davon zu entdecken, und a ver⸗
.
133 Pe. „ alles genun zu halten, was 92 von zn Wee de Er
Die Nach richt, die der Statthalter eben erſb⸗ ren hatte, machte ihm viele Unruhe, und er fragte gleich den Off teier, der zunaͤchſt das Kommando unter ihm hatte, daruͤber um Rath, allein die ſer glaubte daß die ganze Geſchichte ausgeſonnen wäre, um vielleicht ſich ein Verdienſt dadurch zu erwerben „und rieth ihm, nicht darauf zu achten.
Doch zum Gluͤck machte er auf den Major keinen
Eindruck. Er glaubte, er muͤßte die Nachricht für wahr halten, bis er vom Gegentheil überzeugt wäre; und nahm daher alle zu ſeiner Sicherheit noͤ⸗ thigen Maaßregeln, welche ihm die Kuͤrze der Zeit erlaubte, ohne ſeinen Argwohn irgend jemand weiter zu entdecken. Er machte die Nacht ſelbſt die Runde im Fort, und ſah dahin, daß jede Schildwache auf en Poſten blieb, und alle ie in gehöriger Hudnung waren. |
Wie er über den Wall gieng, der dem diſhen 109 am naͤchſten war, fo hörte er, daß fie im vollen Schmauſe waren, und ſich vielleicht ſchon im Voraus auf ihren gluͤcklichen Erfolg freuten, da ſie nicht leicht vermuthen konnten, daß ihr Vor⸗ haben ſchon entdeckt waͤre. So bald der Tag an⸗
brach, ließ er die Beſatzung ins Gewehr treten, 1
3 3 und
und machte einigen von den vornehmſten offenen feinen? Verdacht bekannt, und gab ihnen die nöthi⸗ | ‚gen Verhaltungsbefehle. Zugleich ſchickte er an alle Kaufleute, und ließ ihnen ſagen, daß fieihre 2 in Bereitſchaft halten moͤchten, da heute eine Menge Indier in die Stadt kommen würben. die ſich vielleicht einfallen laſſen koͤnnten, zu pluͤndern. Ungefaͤhr um zehn Uhr kamen Pontiac und die | übrigen Oberhaͤupter/ und wurden in das Raths⸗ zimmer geführt, wo der Statthalter und die uͤbri⸗ gen Offiziere mit Piſtolen i in ihren Guͤrteln ſie er⸗ warteten. Die Indier bemerkten, daß mehr Trup⸗ pen, als gewoͤhnlich, auf dem Waffenplatz waren, und ſo bald ſie ins Zimmer gekommen waren, und ſich geſetzt hatten, ſo fragte Pontiac den Statthal⸗ ter, warum ſeine jungen deute alle auf den Gaſſen paradirten? Er erhielt zur Antwort, daß es bloß geſchaͤhe, um ſie in ihren Vebungen vollkommen a“ machen. | Der Hauptkrieger der Indier ſteng jezt ſeine Rede an, welche die ſtaͤrkſten Ausdruͤcke von Freund⸗ ſthaft und Zuneigung gegen die Engländer enthielt, und wie er an die Ueberlieferung des Guͤrtels kam, davon die beſondre Art, nach der Ausſage der Frau, das Zeichen fuͤr die andern ſeyn ſollte, ſo zogen der Statthalter und Em Off iziere ihre Degen zur Halfte
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N Halfte aus der bebe, und o zugleich TERN die Soldaten vor der Thür, die mit Fleiß offen gelaſſen war u ve Gerstl mit ihren. Mae ne
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aber anftac dem großen ee für die 3 | ſchaftsverſicherungen zu danken, die er ihm eben gegeben hatte, beſchuldigte er ihn der Berrätheren. | Die Engländer wuͤßten alles, und waͤren von ſei⸗
nen ſchaͤndlichen und verrätheriſchen Abſi chten überzeugt. Und zum Beweiſe, wie genau ſi ſie ihr geheimes Vorhaben kannten, gieng er auf den in⸗ diſchen Anfuͤhrer zu, der am naͤchſten bey ihm ff aß, und zog feine Decke weg, ſo daß man das abge⸗
kürzte Gewehr ſehn konnte. Dies machte die Ver⸗ wirrung der Indier vollkommen, und buten ihre Abſichten. Er deutete ihnen pe an, ro er fein Wort gegeben hätte, daß ihre Perſonen ſicher ſeyn follten, ſo wollte er ſein Verſprechen unverletzt halten, un⸗ Naar. gabe
> ; { 4 . z 1 5 ne 136 MS
geachtet fe es ſo wenig verdienten. Allein er rieth ihnen, ſech geſchwind aus dem Forte wegzumachen, damit ſeine jungen Leute, wenn fie ihr verraͤthe⸗ riſches Vorhaben erfuͤhren, ſie nicht in Stuͤcken bieben. Pontiac ſuchte dieſer Beſchuldigung zu | widerſprechen, und ſein verdaͤchtiges Betragen zu entſchuldigen; allein der Statthalter, der die Falſch⸗ beit feiner Betheurungen kannte, wollte ihn nicht anhoͤren. Die Indier verließen daher das Fort ungefaumt, allein anſtatt das großmuͤthige Ver⸗ fahren des Statthalters dankbar zu erkennen, ſo warfen ſie jezt die? Maſke ab, und thaten den Tag darauf einen regelmäßigen Angriff. ö Viele haben Major Gladwyn wegen dieſer uͤbel⸗ verſtandenen Gelindigkeit getadelt; denn wenn er einige von den vornehmſten Anfuͤhrern als Gefangne behalten hätte, ſo würde er dadurch alle verbundne Volkerſchafteni in Furcht erhalten, und einem Kriege vorgebeugt haben. Allein er machte dies Verſehn durch die tapfere Vertheidigung des Forts vollig . wieder gut, die unter vielen eee A'ber ein Jahr waͤhrte. Waͤhrend dieſer Belagerung ereigneten ſich ver⸗ ſchiedne hitzige S Scharmuͤtzel, worunter das folgende das vornehmſte und blutigſte war. Hauptmann 1 ‚ein Wert Oft izier, * den Statthal⸗ f | ter,
—
137 | ter, ihm das Kommando Ader ungefüht bwenhun, . dert Mann anzuvertrauen, um damit das fei liche Lager anzugreifen. Er that den Ausfall aus der Stadt vor Tages Anbruch; allein Pontiac, der von einigen von feinen ſchnell laufenden Kriegern, die beftändig die Bewegungen der Garniſon beob⸗ achteten, zeitige Nachricht von ſeinem Vorhaben erhielt, nahm ſeine auserleſenſten Truppen, und begegnete dem Detaſchementi in einiger Entfernung von ſeinem Lager nahe bey einer Stelle, die ſeitdem die blutige Bruͤcke (bloody bridge) heißt. Die Indier waren weit zahlreicher „ als Hauptmann | Delzels Parthey, und er ward daher bald uͤber⸗ mannt und zuruͤck getrieben. Da er ſchon faſt i umringt war, ſo machte er noch einen tapfern Ver⸗ füch, wieder an die Bruͤcke zu kommen, uͤber welche er eben! gegangen war, und wodurch er allein ſeinen Ruͤckzug bewerkſtelligen konnte; allein er verlohr mit vielen feiner Leute fein eben dabey. Doch fan⸗ den Major Rogers, der zweyte im Kommando, und Lieutnant Breham Mittel, den Ueberreſt ihrer klei⸗ nen Armee su retten, e e m wieder ins | Fort zuruͤck. ö | Da durch dieſen Unfall die Beſatzung ſehr ge⸗ ſchmolzen war, ſo ward es dem Major ſehr ſchwer, die Stadt länger zu vertheidigen. Doch hielt er . ſich
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ſich noch ſo lange, bis Ent tag kam „weil ohnehin die Indier nur wenig Angriffe auf den Ort thaten, | ſondern bloß fortfuhren, ihn eingeſchloſſen zu halten. Der Schooner Gladwyn, das naͤhmliche Fahr⸗ zeug, in dem ich nachher meine Reiſe von Miſchil⸗ limackinac nach Detroit that, und das nachher mit ſeiner ganzen Mannſchaft auf dem See Erie ver⸗ lohren gieng, weil der Befehlshaber darauf nicht Ballaſt genug einnehmen wollte, kam gerade mit einer Verſtaͤrkung und nothwendigen Kriegs» und Mundvorrath nahe an die Stadt. Doch ward dies Fahrzeug, noch ehe es den Ort feiner Be⸗ ſtimmung vollig erreichen konnte, von einer Par⸗ they von Pontiaes Indiern hartnaͤckig angegriffen. Die Indier umringten es in ihren Kanoen und toͤdteten viele von feiner Mannſchaft. Als endlich der Kapitain geblieben war, und die Indier an⸗ ſiengen, auf allen Ecken hinauf zu klettern, ſo be⸗ fahl der Lieutenant Jacobs „der es nachher fuͤhrte als es verungluͤckte, dem Konſtabel, die Pulver⸗ kammer anzuſtecken und das Schiff in die Luft zu ſprengen. Das einzige Mittel, wodurch er noch verhindern konnte „daß der Kriegsvorrath dem Feinde nicht in die Haͤnde ſiel. Dieſer B
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ſollte eben vollzogen werden, als ein Anfuͤhrer der en. der Engliſch verſtand, ſeinen Lands⸗ leuten
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Pan das Vorhaben des engen Befehlshabers bekannt machte. So wie dieſe davon ‚hörten; kletterten fie mit der größten Eilfertigkeit vom Schiffe herunter „ und ſuchten bald fo weit davon zu kommen, als ihnen moͤglich war. Lieutnant Jacobs machte ſich ihre Beſtuͤrzung zu Nutze, und kam ohne weitere Hinderniſſe gluͤcklich an die Stadt.
Dieſe zeitige Huͤlfe machte der Beſatzung neuen | Much, und da Pontiac jetzt überzeugt war, daß es nicht in ſeiner Macht ſtehn wuͤrde, den Platz zu erobern, ſo bot er einen Vergleich an. Der Statt⸗ halter, der ebenfalls wuͤnſchte, von ſolchen be⸗ ſchwerlichen Feinden los zu kommen, die allen Handel mit den benachbarten Nationen ſtoͤrten, a hoͤrte ſeine Vorſchlaͤge an, und ſchloß auf vortheil⸗ hafte Bedingungen einen Frieden mit ihnen.
Bald darauf trennten ſich die Indier, und giengen nach ihren verſchiednen Provinzen zuruͤck. Seit der Zeit fanden ſie es auch nie wieder fuͤr gut, die | Ruhe i in dieſen Gegenden zu ſtoͤren.
Pontiac ſchien in der Folge allen Widerwillen gegen die Englaͤnder bey Seite geſetzt zu haben, und ihr eifriger Freund geworden zu ſeyn. Um
ſeine Anhaͤnglichkeit zu belohnen und dauerhaft zu machen, bewilligte ihm die Regierung einen an⸗ en Gehalt. Allein fein unruhiger und hin⸗ ters
terliſtiger Karakter erlaubte ihm nicht, dankbar
dafuͤr zu ſeyn, und ſein Betragen ward endlich von neuem verdaͤchtig. Es begleitete ihn daher im Jahr 1767, wie er im Lande der Illineſen einen Rath halten wollte, ein beben entweder
auf Veranlaſſung eines engliſchen Befehlshabers,
oder aus eignem Triebe, als Kundſchafter, und da dieſer Indier, durch eine Rede, die Pontiac in dem Rathe hielt, uͤberzeugt ward, daß er noch ſeine alten Vorurtheile gegen ſeine neuen vorgebs lichen Freunde hegte, fo ſtieß er ihm fein Meſſer durchs Herz, daß er auf der Stelle todt niederſiel.
Doch es iſt Zeit, von e nen zu⸗ ruͤckzukehren.
Der See Erie erhaͤlt das Waser aus den deen großen Seen, durch die Straße Detroit, die in ſeinem nordweſtlichen Winkel faͤllt. Dieſer See liegt zwiſchen dem ein und vierzigſten und drey und vierzigſten Grade nordlicher Breite, und zwi⸗ ſchen dem acht und ſiebenzigſten und drey und acht⸗ zigſten Grade weſtlicher Lange. Er iſt faſt drey⸗ hundert Meilen lang von Oſten nach Weſten, und feine größte Weite beträgt ungefähr vierzig Meilen. Auf feiner Nordſeite liegt eine ſehr lange ſchmale Landſpitze, die ſuͤdoſtwaͤrts verſchiedne Meilen in m verläuft, | |
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